Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mainzer Messgeräte fünf Jahre auf Mars: Erhoffte Laufzeit weit übertroffen

21.01.2009
Kerzen werden auf dem Mars keine brennen, auch wenn sie ob des sensationellen Ehrentages angebracht wären. Die stolzen Mainzer Max-Planck- und Uni-Forscher laden am 27. Januar zur Feier des 5. Jahrestages der Landung der Mars-Rover ein, wenn auch etwa 400 Millionen Kilometer von den eigentlichen Geburtstagskindern entfernt.

Seit dem 4. bzw. dem 25. Januar 2004 messen die NASA-Rover auf dem Mars mit Geräten des Max-Planck-Institutes für Chemie (MPI) und der Universität Mainz die chemische und mineralogische Zusammensetzung von Staub- und Gesteinsproben. Die für drei, bestenfalls sechs Monate angelegte Mission dauert nun schon über 5 Jahre, ein unerwarteter Erfolg für die Marsforschung.

Denn die Mainzer Geräte lieferten und liefern weiterhin Informationen, die unser Wissen über den Mars vervielfachen. So ist jetzt bewiesen, dass es vor langer Zeit flüssiges Wasser auf dem Mars gab und seine geologische Geschichte aktiver ist, als bisher angenommen.

"Wir sind alle immer noch überrascht, dass Spirit und Opportunity weiterhin Daten vom Mars auf die Erde senden, die uns noch mehr Informationen und Eindrücke von dem Planeten liefern", staunt Dr. Göstar Klingelhöfer von der Uni Mainz. Die Rover-Zwillinge "Spirit" und "Opportunity" tragen jeweils ein Instrument des MPI für Chemie und eines der Universität Mainz. Das APXS-Instrument stammt aus der mittlerweile geschlossenen Abteilung Kosmochemie des MPI für Chemie. Sein Name kommt vom englischen "Alpha Particle X-Ray Spectrometer" oder auf deutsch Alpha-Röntgen-Spektrometer - liebevoll auch Schnüffelnase genannt.

"Das Gerät passt zwar auf eine Hand, leistet aber Großes", so Dr. Johannes Brückner vom MPI, "Es bestimmt die chemische Zusammensetzung von Steinen und Staubproben direkt auf dem Mars. Das macht das APXS für die Marsforschung so wertvoll." Sein Äquivalent in Bezug auf die mineralogische Beschaffenheit der Marsproben ist das sogenannte Mössbauer Spektrometer der Johannes Gutenberg-Universität, das Dr. Göstar Klingelhöfer entwickelt hat. Als Team liefern die beiden Geräte eine gründliche Analyse der Gesteine vor Ort.

Mit den Daten der Mainzer Geräte konnten Wissenschaftler endlich die strittige Frage nach dem Wasser auf dem Mars klären. Heute ist der Mars ein öder und staubiger Wüstenplanet. Wasser kann auf seiner Oberfläche nur als Eis an den Polen existieren. Die Messungen der Mainzer Instrumente haben jedoch ergeben, dass es einmal flüssiges Wasser auf dem Mars gegeben haben muss - vermutlich vor Hunderten von Jahrmillionen. "Seine Spuren lassen sich noch heute in den Gesteinen finden. Extrem hohe Konzentrationen z. B. von Schwefel oder Silizium deuten auf Prozesse hin, bei denen Wasser eine wichtige Rolle spielte", erzählt Brückner.

Am 27. Januar laden die beteiligten Mainzer Forscher alle Interessierten ein, die letzten fünf Jahre Revue passieren zu lassen. Nach einem Grußwort des Präsidenten der Mainzer Universität Prof. Georg Krausch berichten Dr. Johannes Brückner vom MPI für Chemie sowie Dr. Göstar Klingelhöfer, Iris Fleischer und Dr. Christian Schröder von der Universität Mainz über den Verlauf und die Höhepunkte der Mars-Mission. Auch die Geschichte des Mars und ein Vergleich mit der Erde kommen nicht zu kurz. Abschließend sind alle herzlich zu einem kleinen Umtrunk eingeladen.

Die Veranstaltung findet im neuen großen Chemie-Hörsaal C01, Duesbergweg 10-14, auf dem Campus der Universität statt und beginnt um 17 Uhr.

Und danach geht es wieder an die Arbeit, denn selbst nach fünf Jahren sind noch viele Geheimnisse des Mars nicht gelüftet. Daher wünschen wir unseren Geburtstagkindern weiterhin eine lange Lebensdauer. Der nächste Rover wird erst 2012 auf dem Mars seine Arbeit aufnehmen. Bis dahin gibt es noch viel zu messen.

Weitere Informationen:

Dr. Johannes Brückner
Max-Planck-Institut für Chemie
Abt. Geochemie
Tel. 06131-305 294
brueckner@mpch-mainz.mpg.de
Kirsten Achenbach
Max-Planck-Institut für Chemie
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 06131-305 465
achenbach@mpch-mainz.mpg.de

Kirsten Achenbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpch-mainz.mpg.de/mer-apxs/apxs_aufbau.htm
http://www.mpch-mainz.mpg.de/mer-apxs/apxs_funktion.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Das anwachsende Ende der Ordnung
27.03.2017 | Universität Konstanz

nachricht In einem Quantenrennen ist jeder Gewinner und Verlierer zugleich
27.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE