Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magnetische Surfer: Nanostrukturen können gezielt beeinflusst werden

05.09.2017

Effekt von akustischen Oberflächenwellen auf magnetische Nanostrukturen wird mit neuer Abbildungsmethode sichtbar gemacht

Auf dem Weg zur Entwicklung von winzigen, ultraschnellen Bauelementen für die Computer- und Kommunikationstechnik spielen die magnetischen Eigenschaften von Materialien und die Möglichkeit, diese Eigenschaften gezielt anzusteuern, eine wichtige Rolle.


Zwei Beispiele der Abbildung von Verformung und der resultierenden Magnetisierungskonfigurationen. Links: Bilder der Verformung durch eine Oberflächenwelle um ein magnetisches Element herum. Die Welle bewegt sich über das magnetische Quadrat hinweg (weiß, 2 μm Kantenlänge), und abhängig vom Zeitpunkt kann das Quadrat entweder im nicht verformten Zustand (oben) oder im verformten Zustand (unten) abgebildet werden. Korrespondierende experimentelle Bilder mit magnetischem Kontrast sind direkt daneben dargestellt. Rechts: Schematische Darstellung der magnetischen Domänenkonfiguration im magnetischen Quadrat ohne Verformung (oben, Pfeile und die Graustufenskala zeigen die Richtung der Magnetisierung an) und magnetische Konfiguration im verformten Zustand (unten). Hier wird die horizontale Magnetisierungsrichtung durch die Verformung favorisiert, sodass die weiße und die schwarze Domäne größer werden.

Abb./©: Michael Foerster, ALBA

Einem internationalen Team von Wissenschaftlern unter Beteiligung von Physikern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ist es gelungen, magnetische Nanostrukturen mithilfe von akustischen Oberflächenwellen zu beeinflussen und die Effekte mit neuen Abbildungsmethoden sichtbar zu machen.

Die Nutzung akustischer Oberflächenwellen, um die Magnetisierung von nanomagnetischen Elementen zu ändern, liefert eine neue Möglichkeit, um Magnetisierung energiesparend zu schalten. Die Forschungsarbeit wurde von Nature Communications publiziert.

Die Kontrolle der magnetischen Eigenschaften von Materialien ist von grundlegender Bedeutung, um Speicher, Computer und Kommunikationsgeräte auf der Nanoskala zu entwickeln. Während Datenspeicherung und Datenverarbeitung in rasantem Tempo voranschreiten, suchen Wissenschaftler nach neuen Methoden, wie die magnetischen Eigenschaften von Materialien zu kontrollieren sind. Ein Ansatz stützt sich auf die elastische Verformung des magnetischen Materials durch elektrische Felder.

Das Forschungsgebiet hat viel Interesse auf sich gezogen, weil es die Möglichkeit bietet, kleine magnetische Elemente mit wenig Energieaufwand umzuschalten. Studien dazu waren jedoch bislang auf einer Zeitskala von Sekunden bis Millisekunden erfolgt, viel zu langsam für Anwendungen in der Informationsverarbeitung.

Um schnelle Verformungsänderungen und dadurch schnelle Magnetisierungswechsel im Subnanosekundenbereich zu erzeugen, nutzt das internationale Wissenschaftlerteam akustische Oberflächenwellen. Diese „Surface Acoustic Waves“ (SAW) lassen sich mit Schallwellen in einem Festkörper vergleichen, nur dass SAWs für Menschen nicht hörbar sind. Schlägt man zum Beispiel mit einem Hammer auf eine Eisenstange, dann bewegt die Schallwelle eine Verformung entlang der Stange.

Auf ähnliche Weise propagiert eine SAW eine Verformung, allerdings nur an der Oberfläche vom Material, in etwa wie Wellen im Ozean, die sich an der Oberfläche entlangbewegen. In bestimmten Materialien, sogenannten Piezokristallen, die sich unter elektrischer Spannung ausbereiten oder zusammenziehen, können SAWs durch oszillierende elektrische Felder auf ultraschnellen Zeitskalen erzeugt werden.

In Zusammenarbeit mit Gruppen in Spanien, der Schweiz und Berlin hat der Arbeitskreis von Prof. Dr. Mathias Kläui am Institut für Physik der JGU eine neue experimentelle Technik genutzt, um die akustischen Oberflächenwellen sichtbar zu machen. Damit können die Wissenschaftler zeigen, dass sich SAWs eignen, um die Magnetisierung von nanometerkleinen magnetischen Elementen auf der Oberfläche der Kristalle extrem schnell umzuschalten.

Die Ergebnisse zeigen, dass magnetische Elemente ihre Eigenschaften durch den SAW-Effekt verändern und die magnetischen Domänen sich vergrößern oder schrumpfen, je nach Phase der Oberflächenwellen. Interessanterweise tritt die Veränderung nicht sofort ein, die beobachtete Verzögerung kann sogar moduliert werden. Hier liegt der Schlüssel, um in Zukunft energiesparende magnetische Geräte zu entwerfen: in dem Verständnis, wie die magnetischen Eigenschaften auf einer schnellen Zeitskala zu modifizieren sind.

„Für hochkomplexe Messungen sind eine enge internationale Zusammenarbeit mit führenden Gruppen und ein starkes Alumni-Netzwerk von strategischem Vorteil“, betont Kläui. „Wir haben uns mit einer Gruppe der spanischen Synchrotronstrahlungsquelle ALBA zusammengetan. Ein ehemaliger Doktorand aus der Gruppe in Mainz arbeitet bei ALBA und leitet dort diese Aktivitäten. Die Arbeit erfolgte außerdem in Kooperation mit einem Doktoranden der Exzellenz-Graduiertenschule MAINZ. Es ist großartig zu sehen, dass unsere Studierenden und Alumni so erfolgreich sind“, sagt Kläui, der auch als Direktor der Graduiertenschule MAINZ vorsteht.

Die Graduiertenschule MAINZ wurde in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder im Jahr 2007 bewilligt und erhielt in der zweiten Runde 2012 eine Verlängerung. Sie besteht aus Arbeitsgruppen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Technischen Universität Kaiserslautern und des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung in Mainz. Einer der Forschungsschwerpunkte ist die Spintronik, wobei die Zusammenarbeit mit führenden internationalen Partnern eine wichtige Rolle spielt.

Abbildung:
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/08_physik_komet_magnet_saw.jpg
Zwei Beispiele der Abbildung von Verformung und der resultierenden Magnetisierungskonfigurationen. Links: Bilder der Verformung durch eine Oberflächenwelle um ein magnetisches Element herum. Die Welle bewegt sich über das magnetische Quadrat hinweg (weiß, 2 μm Kantenlänge), und abhängig vom Zeitpunkt kann das Quadrat entweder im nicht verformten Zustand (oben) oder im verformten Zustand (unten) abgebildet werden. Korrespondierende experimentelle Bilder mit magnetischem Kontrast sind direkt daneben dargestellt. Rechts: Schematische Darstellung der magnetischen Domänenkonfiguration im magnetischen Quadrat ohne Verformung (oben, Pfeile und die Graustufenskala zeigen die Richtung der Magnetisierung an) und magnetische Konfiguration im verformten Zustand (unten). Hier wird die horizontale Magnetisierungsrichtung durch die Verformung favorisiert, sodass die weiße und die schwarze Domäne größer werden.
Abb./©: Michael Foerster, ALBA

Veröffentlichung:
Michael Foerster et al.
Direct imaging of delayed magneto dynamic modes induced by surface acoustic waves
Nature Communications 8, 1. September 2017
DOI: 10.1038/s41467-017-00456-0
https://www.nature.com/articles/s41467-017-00456-0

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mathias Kläui
Physik der kondensierten Materie
Institut für Physik
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-23633
E-Mail: klaeui@uni-mainz.de
http://www.klaeui-lab.physik.uni-mainz.de/308.php

Exzellenz-Graduiertenschule Materials Science in Mainz (MAINZ)
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-26984
Fax +49 6131 39-26983
E-Mail: mainz@uni-mainz.de
http://www.mainz.uni-mainz.de/

Weiterführende Links:
https://www.uni-mainz.de/presse/76072.php (Pressemitteilung vom 28.07.2016 „Internationales Forscherteam deckt grundlegende Eigenschaften des Spin-Seebeck-Effekts auf)

Petra Giegerich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Neues Werkzeug erlaubt komplexe Quantensimulationen
05.09.2017 | Universität Innsbruck

nachricht „Fehlender“ Kohlenstoff in der Atmosphäre aufgespürt
05.09.2017 | Universität Innsbruck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neues Werkzeug erlaubt komplexe Quantensimulationen

Bald schon wollen Physiker mit Hilfe von Quantensimulatoren Probleme lösen, an denen herkömmliche Computer scheitern. Dafür benötigen sie aber neue Werkzeuge, um sicherzustellen, dass die Simulatoren richtig arbeiten. Innsbrucker Forscher um Rainer Blatt und Christian Roos haben nun gemeinsam mit Forschern der Universitäten Ulm und Strathclyde ein neues Verfahren im Labor umgesetzt, mit dem auch komplexe Quantenzustände effizient charakterisiert werden können. Die Matrix-Produkt-Zustands-Tomographie könnte zu einem neuen Standardwerkzeug für Quantensimulatoren werden.

Viele Phänomene der Quantenwelt lassen sich im Labor nicht direkt untersuchen, und auch Supercomputer scheitern beim Versuch, sie zu simulieren....

Im Focus: Wie Rezeptoren für Medikamente im Zellinneren arbeiten

G-Protein-gekoppelte Rezeptoren sind für viele Medikamente der zentrale Angriffspunkt. Würzburger Wissenschaftler konnten jetzt genauer zeigen, wie diese Rezeptoren im Zellinneren wirken.

G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCRs) werden zu Hunderten im menschlichen Erbgut kodiert. Sie bilden die größte Gruppe von Rezeptoren, über die Hormone und...

Im Focus: How receptors for medicines work inside cells

G protein-coupled receptors are the key target of a large number of drugs. Würzburg scientists have now been able to show more precisely how these receptors act in the cell interior.

The human genome encodes hundreds of G protein-coupled receptors (GPCRs). These form the largest group of receptors through which hormones and...

Im Focus: Drehtür am Zellkern: Wie Shuttle-Proteine die Kernpore steuern

Kernporen sind winzige Kanäle, durch die Stoffe zwischen Zellkern und Zytoplasma transportiert werden. Das gängige Modell zur Regulierung dieses nuklearen Transports könnte nun durch eine neue Studie von Forschern der Universität Basel widerlegt worden sein. Die im «Journal of Cell Biology» veröffentlichte Studie zeigt, dass Shuttle-Proteine, sogenannte Importine, die Funktion der nuklearen Poren steuern. Bislang ging man vom Gegenteil aus und nahm an, dass die nuklearen Poren den Importin-Shuttle steuern würden.

Im Kern jeder Zelle befindet sich die Erbinformation. Geschützt werden diese von einer Membran, die den Kern umschliesst und die etliche Kernporen enthält....

Im Focus: Like a Revolving Door: How Shuttling Proteins Operate Nuclear Pores

Nuclear pore complexes are tiny channels where the exchange of substances between the cell nucleus and the cytoplasm takes place. Scientists at the University of Basel report on startling new research that might overturn established models of nuclear transport regulation. Their study published in the Journal of Cell Biology reveals how shuttling proteins known as importins control the function of nuclear pores – as opposed to the view that nuclear pores control the shuttling of importins.

Genetic information is protected in the cell nucleus by a membrane that contains numerous nuclear pores. These pores facilitate the traffic of proteins known...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ICNFT 2018 - 5th International Conference on New Forming Technology

05.09.2017 | Veranstaltungen

21. Business Forum Qualität: Data Analytics für das digitale Qualitätsmanagement

05.09.2017 | Veranstaltungen

VDE veranstaltet Tagung zur Zukunft der Netze

05.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact verstärkt sich im Bereich von Markierung und Installation

05.09.2017 | Unternehmensmeldung

Seminar zum Thema „Fahrzeugsicherheit und Car2X-Kommunikation“ am 7.-8.11.2017 in München

05.09.2017 | Seminare Workshops

18. Essener Brandschutztage am 14. und 15. November 2017

05.09.2017 | Seminare Workshops