Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie sich Lichtteilchen in dichten Wolken bewegen

11.07.2011
Universität Tübingen koordiniert neues internationales Forschungsnetzwerk zur kollektiven Lichtstreuung.

Die Universität Tübingen koordiniert ein neues Forschungsnetzwerk, das von der Europäischen Union im 7. Forschungsrahmenprogramm gefördert wird. Thema des Netzwerks unter dem Titel COSCALI (Collective Scattering of Light) ist die Frage, wie Photonen, also Lichtteilchen, gestreut werden, wenn sie sich in einer dichten Gaswolke befinden. Dies geschieht zum Beispiel in natürlichen Systemen wie in den inneren Schichten der Sonne, aber auch in künstlichen Systemen, wie in Plasmen.

„Die Bewegung der Photonen in dem Gas kann man sich in etwa wie die Flugbahn eines kleinen Tischtennisballs vorstellen, der auf der Tanzfläche einer Diskothek von den tanzenden Menschen unkontrolliert hin- und hergeworfen wird“, berichtet der Sprecher des Netzwerkes, Dr. Sebastian Slama vom Fachbereich Physik der Universität Tübingen. Die Bewegung des Tischtennisballs hängt dann von verschiedenen Parametern ab: beispielsweise wie eng es auf der Tanzfläche ist, ob sich die Personen geordnet oder zufällig aufstellen und wie wild sie sich bewegen. Dies gilt im Prinzip auch für die Streuung der Photonen durch Gas-Atome, allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied.

Es handelt sich hierbei um Quantenteilchen, und dies kann zu äußerst spannenden Effekten führe: So können sich die Atome z. B. spontan in geordneten Strukturen anordnen, oder Photonen können an kleinen Unregelmäßigkeiten in der Wolke gefangen, also lokalisiert werden. Die Forscher untersuchen solche Effekte, indem sie ultrakalte atomare Gase, deren Temperatur nur etwa ein Millionstel Grad über dem absoluten Nullpunkt liegt, mit Lasern beschießen. Diese kalten Atomwolken sind hierbei ein ideales Modellsystem, da die Wissenschaftler sowohl deren Dichte, als auch die Anordnung der Atome im Gas kontrollieren können.

In dem nun unter der Federführung von Tübinger Forschern des Fachbereichs Physik der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät initiierten Netzwerk arbeiten die führenden Gruppen auf dem Gebiet der kollektiven Lichtstreuung an kalten atomaren Gasen aus Europa und Brasilien zusammen. Sowohl experimentelle, als auch theoretische Gruppen sind im Netzwerk vertreten.

Für solche Verbünde mit außereuropäischen Partnern stellt die Europäische Union ein eigenes Programm zur Verfügung (IRSES), mit dem Forschungsaufenthalte finanziert werden. „Dadurch werden unsere Kompetenzen mit denen unserer Partner in Frankreich, Italien und Brasilien in optimaler Weise gebündelt“, so Sebastian Slama.

Weitere Informationen: http://www.physik.uni-tuebingen.de/coscali

Kontakt:
Dr. Sebastian Slama
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Fachbereich Physik
Auf der Morgenstelle 14
72076 Tübingen
Tel: +49 7071 29-76265
Slama[at]pit.physik.uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de
http://www.physik.uni-tuebingen.de/coscali

Weitere Berichte zu: Atom Forschungsnetzwerk Lichtstreuung Lichtteilchen Photon Physik Tanzfläche Wolke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Proteintransport - Stau in der Zelle
24.03.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Neuartige Halbleiter-Membran-Laser
22.03.2017 | Universität Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise