Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kosmische Raffinerie

23.11.2012
Astronomen finden im Pferdekopfnebel mit der 30-Meter-Antenne von IRAM Hinweise auf riesige Erdölvorkommen

Während Erdgas und Erdöl auf der Erde langsam aber sicher zur Neige gehen, existieren im Weltall offenbar gigantische Mengen.


Beliebtes Bildmotiv für Astrofotografen – und kosmische Erdölraffinerie: der Pferdekopfnebel im Sternbild Orion. © ESO


Spürnase für Moleküle: Mit dem IRAM 30-Meter-Radioteleskop auf dem Pico del Veleta in der spanischen Sierra Nevada haben Astronomen jetzt Cyclopropenyl (C3H+) entdeckt. © IRAM

Was wie Sciencefiction klingt, ist Realität: Mit dem 30-Meter-Teleskop des Instituts für Radioastronomie im Millimeterbereich (IRAM) haben Astronomen erstmals das Molekül Cyclopropenyl (C3H+) in unserer Galaxie entdeckt. Es gehört zur Familie der kleinen Kohlenwasserstoffe und ist Bestandteil einer der wichtigsten Ressourcen auf unserem Planeten, von Erdöl und Erdgas. Die Existenz des Moleküls im berühmten Pferdekopfnebel bestätigt zudem Hinweise, wonach es sich bei der untersuchten Region um eine Art aktiver kosmischer Raffinerie handelt.

Im Sternbild Orion, das sich in den nächsten Wochen am nächtlichen Himmel immer besser in Szene setzen wird, liegt der rund 1300 Lichtjahre von der Erde entfernte Pferdekopfnebel. Er zählt wegen seiner charakteristischen Form, die ihm den Namen gab, zu den bekanntesten Bildmotiven für Astrofotografen. Aber der Pferdekopfnebel ist auch ein fantastisches interstellares Chemielabor, in dem dichtes Gas und intensives Sternenlicht permanent aufeinander treffen und dabei vielschichtige chemische Reaktionen auslösen.

Mit der 30-Meter-Antenne auf dem Pico del Veleta in der spanischen Sierra Nevada haben der IRAM-Astronom Jerome Pety und sein Team nun systematisch die chemischen Elemente in der „Mähne“ des Pferdekopfnebels erfasst. Erst diverse technische Neuerungen am Teleskop haben dieses Whisper genannte internationale Projekt ermöglicht. „Früher hätte ein solch umfangreiches Unterfangen mindestens ein Jahr Beobachtungszeit in Anspruch genommen. Jetzt konnten wir unsere Messungen schon nach nur einer Woche erfolgreich abschließen“, sagt Teammitglied Arnaud Belloche vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie. In Zukunft eröffne das Teleskop ganz neue Möglichkeiten für die Analyse und Klassifizierung von Gas- und Molekülvorkommen im Universum.

Bei ihren aktuellen Beobachtungen haben die Forscher die Existenz von mehr als 30 Molekülen in der untersuchten Region nachgewiesen, darunter eine Menge kleiner Kohlenwasserstoffe – die kleinsten aller Atomverbindungen, die auch in Erdgas und Erdöl enthalten sind.

Erstaunt waren die Forscher angesichts der unerwartet großen Mengen an Kohlenwasserstoffen: „Der Pferdekopfnebel enthält 200-mal mehr Kohlenwasserstoffe als es Wasser auf der Erde gibt“, erklärt die Astronomin Viviana Guzman. Darüber hinaus stellte sich bei der systematischen Erfassung der Pferdekopfregion heraus, dass einer der analysierten Kohlenwasserstoffe, das Kation Cyclopropenyl, noch nie zuvor im Weltall beobachtet wurde. Dabei ist gerade dieses positiv geladene Ion ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der chemischen Reaktionen, welche die Kohlenwasserstoffe miteinander verbinden.
Aber woher genau kommen diese Mengen an kleinen Kohlenwasserstoffen? Jerome Pety und seine Kollegen erklären das durch die Fragmentierung größerer Kohlenwasserstoffe, den sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAKs. Diese könnten sich unter Einfluss von energiereicher kosmischer Strahlung zersetzen und dabei eine beachtliche Anzahl kleinerer Kohlenwasserstoffe freigeben.

Dieser Mechanismus, so vermuten die Forscher, wäre gerade in Regionen wie dem Pferdekopfnebel besonders aktiv, wo das vorhandene interstellare Gas permanent der direkten Strahlung eines benachbarten Sterns von massiver Größe ausgesetzt ist. „Was wir hier beobachten ist nichts anderes als eine natürliche Erdölraffinerie gigantischen Ausmaßes“, sagt Pety.

HOR/ZA
Ansprechpartner
Dr. Jerome Pety
Telefon: +33 476 82-4987
Email: pety@­iram.fr
Dr. Arnaud Belloche
Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn
Telefon: +49 228 525-376
Fax: +49 228 525-229
Email: belloche@­mpifr-bonn.mpg.de
Karin Zacher
http://www.iram.fr
Telefon: +33 476 822-103
Email: zacher@­iram.fr
Handy: +33 633 585938
Originalpublikation
J. Pety et al.
The IRAM-30m line survey of the Horsehead PDR: First detection of the l-C3H+ hydrocarbon cation

Astronomy & Astrophysics, 23. November 2012

Dr. Jerome Pety | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/6633008/Pferdekopfnebel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Wissenschaftliche Marsnahme: 1000 Tage Neugier auf Rotem Planeten
29.05.2015 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Wie Kometen entstanden sind
29.05.2015 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Galapagos-Vulkanismus: Überraschend explosiv

Internationales Vulkanologen-Team präsentiert neue Erkenntnisse zur Eruptions-Geschichte

Vor 8 bis 16 Millionen Jahren gab es im Gebiet der heutigen Galapagos-Inseln einen hochexplosiven Vulkanismus. Das zeigt erstmals die Auswertung von...

Im Focus: Lasers are the key to mastering challenges in lightweight construction

Many joining and cutting processes are possible only with lasers. New technologies make it possible to manufacture metal components with hollow structures that are significantly lighter and yet just as stable as solid components. In addition, lasers can be used to combine various lightweight construction materials and steels with each other. The Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen is presenting a range of such solutions at the LASER World of Photonics trade fair from June 22 to 25, 2015 in Munich, Germany, (Hall A3, Stand 121).

Lightweight construction materials are popular: aluminum is used in the bodywork of cars, for example, and aircraft fuselages already consist in large part of...

Im Focus: Wie Solarzellen helfen, Knochenbrüche zu finden

FAU-Forscher verwenden neues Material für Röntgendetektoren

Nicht um Sonnenlicht geht es ihnen, sondern um Röntgenstrahlen: Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit...

Im Focus: Festkörper-Photonik ermöglicht extrem kurzwellige UV-Strahlung

Mit ultrakurzen Laserpulsen haben Wissenschaftler aus dem Labor für Attosekundenphysik in dünnen dielektrischen Schichten EUV-Strahlung erzeugt und die zugrunde liegenden Mechanismen untersucht.

Das Jahr 1961, die Erfindung des Lasers lag erst kurz zurück, markierte den Beginn der nichtlinearen Optik und Photonik. Denn erstmals war es Wissenschaftlern...

Im Focus: Solid-state photonics goes extreme ultraviolet

Using ultrashort laser pulses, scientists in Max Planck Institute of Quantum Optics have demonstrated the emission of extreme ultraviolet radiation from thin dielectric films and have investigated the underlying mechanisms.

In 1961, only shortly after the invention of the first laser, scientists exposed silicon dioxide crystals (also known as quartz) to an intense ruby laser to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Potenzial aller Kinder erkennen

29.05.2015 | Veranstaltungen

Cannabis – eine andauernde Kontroverse

29.05.2015 | Veranstaltungen

Frauen können nicht alles haben - Männer aber schon?!

29.05.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse erhalten den Deutsche Börse Photography Prize 2015

29.05.2015 | Förderungen Preise

Potenzial aller Kinder erkennen

29.05.2015 | Veranstaltungsnachrichten

HDT - Sommerakademie 2015 für Entwickler und Ingenieure

29.05.2015 | Seminare Workshops