Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kometenlandegerät Philae hat Mainzer Messinstrument an Bord

06.11.2014

ESA-Mission zum Kometen Tschurjumow-Gerassimenko soll mit Philae auch Mainzer Alpha-Röntgen-Spektrometer absetzen

Der Höhepunkt der ESA-Mission Rosetta steht kurz bevor und auch in Mainz erwarten die beteiligten Wissenschaftler das Ereignis mit großer Spannung: Am 12. November soll der Lander Philae von der Raumsonde Rosetta, die ihn rund sieben Milliarden Kilometer durchs Weltall transportiert hat, abdocken und auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko landen.


Schematische Darstellung des Landes Philae mit Geräten auf einer möglichen Kometenoberfläche

Quelle: ESA


Instrumente des Kometenlanders Philae

Quelle: DLR

An Bord von Philae sind zehn Instrumente, die auf dem Kometen wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen, darunter ein Alpha-Röntgen-Spektrometer aus Mainz. Die Erforschung des Kometen soll Aufschluss über die Entstehung unseres Sonnensystems geben.

In Mainz fiebern die Wissenschaftler um Dr. Göstar Klingelhöfer von der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) der Landung von Philae entgegen. Nachdem das Spektrometer im April aus der Ruhepause geweckt worden ist, hat es in den vergangenen Monaten zahlreiche Tests absolviert. „Alle Tests sind sehr positiv ausgefallen. Wir waren wirklich angenehm überrascht“, erklärt Klingelhöfer.

„Vor allem der Mechanismus, der das Alpha-Röntgen-Spektrometer auf die Oberfläche setzen soll, funktioniert bestens.“ Es ist das erste Mal in der Geschichte der Raumfahrt, dass ein Landegerät auf einem Kometen abgesetzt werden soll und damit auch das erste Mal, dass direkt auf der Oberfläche eines Kometen Untersuchungen erfolgen würden.

Das kleine, etwa 500 Gramm schwere Alpha-Röntgen-Spektrometer, auf Englisch Alpha Particle X-Ray Spectrometer (APXS), soll auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko die chemische Zusammensetzung der Oberfläche bestimmen. Die Untersuchungen erfolgen durch die Bestrahlung der Oberfläche mit Alphateilchen und Röntgenstrahlen. Gemessen wird dann die Rückstreuung der Teilchen.

Daraus können die Wissenschaftler die chemische Zusammensetzung ableiten und zum Beispiel das Vorkommen der wichtigen Elemente Kohlenstoff und Sauerstoff bestimmen. Eine Unwägbarkeit beim Absetzen des APXS auf die Kometenoberfläche sind die Elektromotoren. „Sie sind zwar speziell konstruiert, aber die Motoren können überhitzen“, so Klingelhöfer.

Er hat zusammen mit seinem Kollegen Dr. Johannes Brückner und einem internationalen Team – Tom Economu, Ralf Gellert, Jordi Girones Lopez, Rudolf Rieder, Dirk Schmanke, Christian Schröder, Claude d’Uston und viele mehr – Tests durchgeführt, um eine Überlastung der Motoren zu verhindern. „Die Randbedingungen auf dem Kometen können allerdings anders aussehen als erwartet“, so Teamleiter Klingelhöfer. „Und vor allem muss Philae zuerst einmal sicher auf dem Kometen aufsetzen.“

Klingelhöfer selbst wird das Ereignis am kommenden Mittwoch vom Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESA-ESOC in Darmstadt aus beobachten. Andere Teammitglieder verfolgen das Geschehen beim Landerkontrollzentrum der DLR in Köln, wo auch die Daten des Landers auflaufen und vorläufig ausgewertet werden. Gegen 9:35 Uhr soll Philae von der Sonde Rosetta abdocken, gegen 17 Uhr wird mit einer Bestätigung der Landung gerechnet und dann sollen umgehend die wissenschaftlichen Untersuchungen am Landeplatz Agilkia starten.

Weitere Informationen:
Dr. Göstar Klingelhöfer
Dirk Schmanke, Jordi Girones Lopez, Dr. Johannes Brückner
Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-23282 /-26883 oder 0177 4946477
Fax +49 6131 39-26263
E-Mail: klingel@uni-mainz.de
http://www.ak-klingelhoefer.chemie.uni-mainz.de/

Weitere Links:
http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10394  (DLR Portal Rosetta)
http://www.esa.int/ESA
http://www.uni-mainz.de/presse/60122.php  (Pressemitteilung „Mainzer Alpha-Röntgen-Spektrometer kommt auf Komet Tschurjumow-Gerassimenko zum Einsatz“)

Petra Giegerich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Auf dem Weg zur optischen Kernuhr
19.04.2018 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

nachricht Laser erzeugt Magnet – und radiert ihn wieder aus
18.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics