Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kometenjägerin Rosetta ist wach

21.01.2014
Grosser Jubel am Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern: Die Weltraumsonde Rosetta ist nach 31 Monaten im Tiefschlaf pünktlich aufgewacht. Die Berner Weltraumforschenden freuen sich, ihre Messinstrumente an Bord der Sonde nun bald in Betrieb nehmen zu können.

Die Anspannung war gross: Vor 957 Tagen versetzte die Europäische Weltraumbehörde ESA die Raumsonde Rosetta in einen Tiefschlaf. Damit sollte die Kometenjägerin auf der kältesten Strecke ihrer Reise beim Planeten Jupiter Energie sparen.

Ob die Sonde nach rund zweieinhalb Jahren pünktlich am 20. Januar ihrem internen Wecker folgen und erste Wachsignale senden würde, war unklar. «Bei einer so weiten Reise durch das Weltall fliegt das Risiko immer mit», kommentierte Kathrin Altwegg vom Physikalischen Institut und Center for Space and Habitability der Universität Bern vor rund vierhundert Rosetta-Fans die letzten bangen Minuten des Wartens.

Pünktlich zum Dienst gemeldet

Um 19.18 Uhr kannte der Jubel in der Halle des Gebäudes für Exakte Wissenschaften der Universität Bern kaum noch Grenzen. Eben hatten die ersten Signale von Rosetta die Erde erreicht. «Das ist eine Riesenfreude, einfach toll», sagte Kathrin Altwegg: «Seit zehn Jahren ist die Sonde unterwegs und aktuell 800 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Das Signal zeigt, dass wir bisher alles richtig gemacht haben».

«Der erfolgreiche Weckruf war die Leistung der Ingenieure» erklärte die Weltraumforscherin vor begeisterten Kometenfachleuten und -Fans: «Jetzt kommen wir Wissenschaftler an die Reihe». Aktuell ist Rosetta noch neun Millionen Kilometer vom Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko – genannt «Chury» – entfernt.

Massenspektrometer «Rosina» bereit für Tests

An Bord von Rosetta befindet sich ein Messinstrument, das die Fach-leute um Kathrin Altwegg gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam in Bern entwickelt haben. Dieses Massenspektrometer namens «ROSINA» wird die chemische Zusammensetzung der Gase im Schweif des Kometen untersuchen. Laut Plan soll das Berner ROSINA-Team seine Instrumente im Laufe von März und April 2014 in Betrieb nehmen und Tests durchführen. «Mit dem Aufwachen von Rosetta beginnen für uns an der Universität Bern die intensiven Arbeiten. Unsere lange Vorbereitung soll sich nun auszahlen», sagte Altwegg.

Ab Juli hoffen die Forschenden, erste Moleküle der sogenannten Kometenkoma messen zu können. Diese besteht aus Staub und Gas und entsteht wenn der Komet – ein Klumpen aus Eis und Staub – sich der Sonne nähert und verdampft. Der ferne «schmutzige Schneeball» ist für die Forschenden von höchstem Interesse, denn Kometen sind Überbleibsel aus der Urzeit des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. Sie haben seither keine Weiterentwicklung durchgemacht und bestehen vermutlich aus derselben Materie, aus der Sonne und Planeten gebildet wurden.

Deshalb beinhalten sie unschätzbare Informationen über die Entstehung des Sonnensystems und der Erde. So möchte die Forschergruppe um Kathrin Altwegg herausfinden, wie das Wasser auf die Erde gekommen ist. Als diese entstand, war sie ein unwirtlicher Feuerball. Im Laufe der Jahrmillionen erkaltete ihre Oberfläche zu einer harten und kargen Gesteinskruste. «Womöglich brachte dann ein Bombardement von Kometen das Wasser auf die Erde», sagt Kathrin Altwegg. Und vielleicht hätten die Kometen zugleich die organischen Moleküle geliefert, die als Vorläufer für das Leben auf der Erde dienten. «Bestenfalls werden unsere Instrumente solche Substanzen in den Dämpfen des Kometen identifizieren können.»

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Neuartige Halbleiter-Membran-Laser
22.03.2017 | Universität Stuttgart

nachricht Seltene Erden: Wasserabweisend erst durch Altern
22.03.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie