Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kollisionsgefahren im Orbit

12.06.2013
Wissenschaftler planen Rücktransport von ausgedienten Satelliten

Momentan umkreisen ca. 28.000 Objekte, die größer sind als 5-10cm, die Erde, rund 1.000 davon sind aktive Satelliten. Etwa 2000 sind Raketenstufen, der Rest besteht aus Trümmerteilchen, die durch Explosionen und Zusammenstöße erzeugt wurden.

Wie groß ist die Gefahr von künftigen Kollisionen und wie können ausgediente Satelliten wieder zurück auf die Erde transportiert werden?

Diesen und anderen Fragen geht Prof. Roger Förstner seit 2012 mit seinem Team vom Institut für Raumfahrtechnik und Weltraumnutzung an der Universität der Bundeswehr München nach. Das Projekt „Sicherheit im Orbit“ von Munich Aerospace ist eine Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und wird teilweise von der Helmholtz-Gesellschaft finanziert.

Große Weltraumorganisationen wie NASA und ESA rechnen mit zerstörerischen Zusammenstößen menschlicher Weltraumrückstände alle fünf bis neun Jahre. Bereits 2009 sind ein US-Satellit und ein russischer Satellit aufeinander geprallt. Das Wissenschaftlerteam um Prof. Roger Förstner untersucht an der Universität der Bundeswehr München Möglichkeiten, wie Transportsatelliten andere nicht mehr genutzte Satelliten im Weltall einsammeln und zurück führen können, um somit weitere Zusammenstöße zu minimieren.

Autonomes einsammeln
„Dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wovon vier am viel versprechendsten sind. Dies ist das Einfangen mit einem Greifarm, mit einem Fangnetz, mit einer Art Harpune, oder mit der Tentakeltechnik, die aus mehreren Fangarmen besteht“, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Susanne Peters. Das Einsammeln der ausgedienten Satelliten soll aus Sicht der Universität technisch weitgehend autonom erfolgen, da Anflug und Einfangen sehr komplexen Herausforderungen gegenüber stehen. Studien zeigen, dass fünf große Trümmerteile wie Raketenstufen oder ausgediente Satelliten pro Jahr ausreichen, um ein auf Dauer stabiles Umfeld im erdnahen Orbit zu erreichen.
Erdbeobachtungssatelliten sind gefährdet
„Schäden durch Kollisionen von Satelliten untereinander oder mit anderen Objekten wie ehemaligen Raketenstufen sind kaum eine Gefahr für das Leben auf der Erde“, betont Peters. „Durch eine Kollision würden zwar wieder viele Trümmerteile entstehen, diese aber zum großen Teil in der Erdatmosphäre verglühen. Die Wahrscheinlichkeit, dass nicht verglühte Teile auf bewohntes Gebiet treffen, ist sehr gering.“ Die Zerstörung von bestimmten Satelliten könnte laut Peters jedoch andere unerfreuliche Konsequenzen haben. In den betreffenden Umlaufbahnen befinden sich hauptsächlich Erdbeobachtungssatelliten, die das Klima, die Veränderung in der Umwelt sowie Feuer- und Hochwasserkatastrophen aufzeichnen. Auch Satellitentelefone sind betroffen.

Aktuell erstellt Peters mit ihren Kolleginnen und Kollegen ein sogenanntes Referenzszenario. Dazu identifizieren sie einen Orbit mit dem größten Nutzen für eine Einfangmission. Ziel hierbei ist die Säuberung häufig genutzter Bahnen. Anhand dieses ausgewählten Orbits identifizieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wichtige Satelliten und ehemalige Raketenstufen für den Rücktransport und untersuchen, wie ein hoher Grad an Autonomie verwirklicht werden kann.

Ansprechpartner:
Michael Brauns
Pressesprecher
Tel.: 089/6004-2004
E-Mail: michael.brauns@unibw.de

Michael Brauns | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht ALMA beginnt Beobachtung der Sonne
18.01.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

nachricht Magnetische Kraft von einzelnen Antiprotonen mit höchster Genauigkeit bestimmt
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Kernphysik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik