Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Junge Sterne treten ins Rampenlicht

07.09.2011
Pressemitteilung der Europäischen Südsternwarte (Garching): Das New Technology Telescope (NTT) der ESO hat ein beeindruckend schönes Bild des offenen Sternhaufens NGC 2100 aufgenommen. Der Sternhaufen ist rund 15 Millionen Jahre alt und befindet sich in der Großen Magellanschen Wolke, einem der nächsten Nachbarn unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Der Sternhaufen ist von leuchtendem Gas des nahen Tarantelnebels umgeben.

Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum viel auffälligeren Tarantelnebel (eso0650) und dem großen Sternhaufen RMC 136 (eso1030) in dessen Inneren wird NCG 2100 oft übersehen. Sogar auf dieser Aufnahme versucht sich der Tarantelnebel ins Rampenlicht zu drängen – die sichtbaren farbigen Nebelgebiete gehören zu seinen Außenbereichen.


Bild des Sternhaufens NGC 2100, aufgenommen mit dem New Technology Telescope (NTT) der ESO.
Bild: ESO

Das neue Bild wurde aus Aufnahmen erstellt, die mit Hilfe des Instruments EMMI [1] am New Technology Telescope (NTT) durch mehrere verschiedene Farbfilter aufgenommen wurde. Das NTT ist eines der Teleskope am ESO-Observatorium La Silla in Chile. Während die Sterne in ihren natürlichen Farben gezeigt werden, wird Licht von leuchtendem Wasserstoff in rot und von Sauerstoff in blau dargestellt.

Die Färbung eines Nebels hängt von der Temperatur der Sterne ab, deren Strahlung das Gas des Nebels zum Leuchten anregt. Die heißen, jungen Sterne des Tarantelnebels, die den spektakulären Sternhaufen RMC 136 bilden, befinden sich in Richtung oben rechts außerhalb des Bildes. Ihre Strahlung ist energiereich und intensiv genug, um Sauerstoff zum Leuchten anzuregen [2] ;im Bild ist dieses Leuchten als diffuse Blaufärbung zu sehen. Das rötliche Leuchten unterhalb von NGC 2100 zeigt entweder die Grenze des Einflussbereichs der heißen Sterne von RMC 136 an oder zeigt an, dass in dieser Region kältere, ältere Sterne die Hauptrolle spielen, deren Energie nicht ausreicht, um mehr als den in der Region vorhandenen Wasserstoff zum Leuchten anzuregen.

Sternhaufen sind Ansammlungen von Sternen, die sich zu ungefähr der gleichen Zeit aus ein und derselben Gas- und Staubwolke gebildet haben. Die Sterne mit den größten Massen bilden sich dabei bevorzugt im Zentrum des Haufens, die weniger massereichen sind in den äußeren Bereichen in der Überzahl. Dieser Umstand, kombiniert mit der im Zentrum größeren Dichte an Sternen, bewirkt, dass die Zentralregion eines Sternhaufens heller ist als seine Außenbereiche.

NGC 2100 ist ein so genannter offener Sternhaufen, das bedeutet, dass die einzelnen Sterne nur schwach gravitativ aneinander gebunden sind. Es dauert daher nur einige Dutzende bis hunderte von Millionen Jahren, bis sich solch ein Sternhaufen durch Gravitationswechselwirkung mit anderen Himmelskörpern aufgelöst hat und seine Sterne zerstreut sind. So genannte Kugelsternhaufen dagegen, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen, aber im Zentrum noch stärker konzentriert sind und meist viel mehr Sterne enthalten, werden viel stärker zusammengehalten. Daher haben Kugelsternhaufen eine deutlich längere Lebensdauer. Für eine Reihe von ihnen haben Altersbestimmungen ergeben, dass sie fast so alt sind wie das Universum als Ganzes. NGC 2100 ist zwar älter als seine unmittelbaren Nachbarn in der Großen Magellanschen Wolke; verglichen mit Kugelsternhaufen ist er dagegen sehr jung.

Die Daten, die diesem Bild eines zu Unrecht vernachlässigten jungen Sternhaufens zugrunde liegen, hat David Roma im Rahmen des Astrofotografie-Wettbwerbes “ESO’s Hidden Treasures 2010” [3] in den nahezu unendlichen Weiten des ESO-Datenarchivs entdeckt.

Endnoten

[1] Die Abkürzung EMMI steht für das „ESO Multi Mode Instrument“, wörtlich etwa das „ESO-Instrument mit mehreren Betriebsarten“. EMMI ist sowohl als astronomische Kamera wie auch als Spektrograf einsetzbar.

[2] Der größte Teil des Sauerstoffleuchtens geht auf Sauerstoffatome zurück, die zwei ihrer Elektronen verloren haben. Starke Emissionen dieser Art von Ionen sind in Nebeln recht häufig, stellten die Forscher aber in der Frühzeit der astronomischen Spektroskopie vor ein Rätsel; ursprünglich nahm man an, diese Emissionen gingen auf ein neu entdecktes Element zurück, das „Nebulium“ getauft wurde.

[3] Der ESO-Wettbewerb „Hidden Treasures 2010“ eröffnete Amateurastronomen die Gelegenheit, die riesigen Datenarchive der ESO nach versteckten Schätzen zu durchforsten und diese zu heben. Mehr zum „Hidden Treasures“-Wettbewerb unter http://www.eso.org/public/outreach/hiddentreasures/.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop der 40-Meter-Klasse für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird, das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528226
E-Mail: eson-germany@eso.org
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Cell: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dr. Markus Pössel | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1133/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Astrophysik

nachricht Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt
22.06.2017 | Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften