Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Helium-Strahlen am Rand der Sonne

18.01.2013
Astrophysiker beobachten erstmals genaue Struktur von Plasma-Wolken

Sonnen-Protuberanzen sind Wolken aus Plasma – ionisiertem Gas –, die weit oberhalb der Sonnenoberfläche schweben und mehr als 100.000 Kilometer über ihren Rand hinausragen können. Über die Struktur der Wolken war bislang bekannt, dass sie im Inneren aus bis zu 150 Kilometer dicken „Fasern“ bestehen.


Protuberanz mit vertikalen Faser-Strukturen über dem Sonnenrand (unten) im Licht der roten Wasserstoff-Linie H-alpha; Aufnahme von Dr. Eberhard Wiehr (Universität Göttingen) mit dem Vakuumturmteleskop (VTT) auf Teneriffa.
Foto: Universität Göttingen


Protuberanzen über dem Sonnenrand im Licht der roten Wasserstoff-Linie H-alpha mit Messspalt (weiß) und der blauen Emission des Ortho-Heliums, überlagert vom Spektrum des Himmels-Streulichts; darunter das 100-fach abgeschwächte Spektrum der Sonnen-Scheibe, auf der Helium nicht emittiert wird; Fotomontage: Uwe Nolte (GWDG).
Foto: Universität Göttingen

Diese sind mit einer Temperatur von rund 7.000 Grad deutlich kälter als ihre Umgebung, die bis zu 1,5 Millionen Grad heiße Sonnen-Korona. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen hat nun herausgefunden, wie die Protuberanzen gegen ihr heißes Umfeld abgeschirmt sind. Offenbar hat jede einzelne Faser eine Hülle, die sie umgibt wie die Isolierschicht eines Kabels und in der die Temperatur nach außen hin steigt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Solar Physics veröffentlicht.

Die Wissenschaftler benutzten bei ihrer Studie das Tessiner Sonnenteleskop, dessen spezielle Konstruktion das helle Licht der Sonne ausblendet, so dass die sehr schwachen Emissionen des Heliums in den Protuberanzen messbar werden. Sie untersuchten drei verschiedene Formen von Helium, die bei unterschiedlichen Temperaturen zum Leuchten gebracht werden. Dabei fanden sie heraus, dass die Temperatur vom Inneren der Faser in Richtung Sonnen-Korona von 7.000 Grad über 8.750 Grad auf rund 25.000 Grad steigt.
„Die äußere Schicht dieser Hülle kann aber nur wenige Kilometer dick sein. Damit ist sie in keinem Teleskop mehr sichtbar und kann nur indirekt gemessen werden“, so Dr. Eberhard Wiehr vom Institut für Astrophysik der Universität Göttingen.

Darüber hinaus gingen die Forscher der Frage nach, ob jede Faser eine eigene Hülle hat oder ob die ganze Protuberanz durch eine „Gesamt-Hülle“ geschützt wird. „Die abgestrahlte Energie der drei Formen des Heliums zeigt ein konstantes Verhältnis in allen untersuchten Protuberanzen verschiedenster Größe. Das ist ein Hinweis auf viele schmale Hüllen um jede einzelne Faser“, so Dr. Wiehr. In weiteren Untersuchungen soll es nun darum gehen, die verschiedenen Plasma-Schichten in den Hüllen zu modellieren und eine Erklärung für die faserige Struktur der Protuberanzen zu finden.

Originalveröffentlichung: R. Ramelli et al. Helium Emissions Observed in Ground-Based Spectra of Solar Prominences. Solar Physics (2012) 281: 697-706. Doi: 10.1007/s11207-012-0118-2.

Kontaktadresse:
Dr. Eberhard Wiehr
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Physik – Institut für Astrophysik
Friedrich-Hund-Platz 1, 37077 Göttingen, Telefon (0551) 39-5048
E-Mail: ewiehr@astro.physik.uni-goettingen.de

Thomas Richter | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.astro.physik.uni-goettingen.de/
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4377

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung
28.06.2017 | Universität Stuttgart

nachricht Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit
26.06.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive