Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Große Geheimnisse kleiner Moleküle

09.02.2009
Atomphysiker Reinhard Dörner erhält 1,25 Millionen Euro für innovatives Forschungsvorhaben

Der Frankfurter Atomphysiker Prof. Reinhard Dörner (47) erhält in den nächsten fünf Jahren zusätzliche Forschungsmittel in Höhe von 1,25 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Die Förderung erfolgt im Rahmen der so genannten 'Reinhart Koselleck-Projekte', die besonders innovative und im positiven Sinne hoch risikobehaftete Forschungsvorhaben unterstützen. Neben Dörner erhält auch die Freiburger Nanotechnologie-Professorin Margit Zacharias eine Förderung in gleicher Höhe.

"Die Auszeichnung für Reinhard Dörner unterstreicht abermals die hohe Qualität der Frankfurter physikalischen Forschung", hob Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl hervor. Insbesondere im Bereich der Kernphysik seien in den zurückliegenden Jahren große Erfolge erzielt worden: "Hierzu zählen beispielsweise die Verleihung des Davisson-Germer-Preises an Horst Schmidt-Böcking im Jahr 2007 oder, auf ideellerer Basis, die hochrangige Einbindung Frankfurter Wissenschaftler im europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf." Dörners Erfolg füge sich nahtlos in eine Reihe bemerkenswerter Forschungsförderungen ein, die WissenschaftlerInnen der Goethe-Universität in den zurückliegenden Monaten einwerben konnten: "In der Höhe des Förderbetrags entsprechen die Koselleck-Projekte in etwa den Grants des European Research Council, ERC", erläuterte Müller-Esterl.

"In diesem Programm waren Ende 2008 unsere Juniorprofessorin Kira Kosnick, Prof. Stefanie Dimmeler sowie die Professoren Roman Inderst und Magnus Rueping erfolgreich. Insgesamt 1,2 Millionen Euro erhielten im Sommer 2008 auch unsere Nachwuchs-Geisteswissenschaftler Tobias Müller, Gerson Reuther und Michael C. Schneider im Rahmen der Dilthey-Fellowships der Volkswagen-Stiftung."

"Mit den Reinhart Koselleck-Projekten wollen wir ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit kühnen Ideen und Mut zum Risiko fördern", erklärte DFG-Präsident Prof. Matthias Kleiner. Kleiner erinnerte daran, dass die nach dem 2006 verstorbenen Bielefelder Historiker Reinhart Koselleck benannten Projekte eine Lücke in den Förderprogrammen der DFG und in der Forschungsförderung in Deutschland insgesamt schließen. "Selbst renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zukunftsweisende, aber hoch risikoreiche Forschung betreiben wollten, hatten davor kaum die Möglichkeit, Fördergelder dafür zu beantragen", so der DFG-Präsident. Da besonders innovative und risikoreiche Forschungen in der Regel noch weniger planbar seien als sonstige Forschungsarbeiten, müssten die AntragstellerInnen über ihre Idee hinaus auch mit ihren bisherigen wissenschaftlichen Leistungen überzeugen. Dörner beispielsweise veröffentlichte 2008 nebst anderem zwei Arbeiten in der renommierten Zeitschrift 'Science'.

Dörner möchte experimentell die besonderen Eigenschaften von kleinen Molekülen untersuchen, die aus zwei oder drei Heliumatomen zusammengesetzt sind. Diese Systeme haben einzigartige Quanteneigenschaften, die für die Grundlagenforschung von sehr hoher Bedeutung sind. So sind die beiden Atome im Heliumdimer äußerst schwach aneinandergebunden und haben einen Abstand von 100 Atomdurchmessern voneinander - somit ist es das größte bekannte Dimer-Molekül überhaupt. Für das aus drei Atomen bestehende Heliumtrimer wird theoretisch ein ganz neuer, schwach gebundener Anregungszustand, ein 'Efimov-Zustand', postuliert, der in der Literatur kontrovers diskutiert wird. Bei den experimentellen Untersuchungen soll nun erstmals versucht werden, diesen Zustand an Heliummolekülen nachzuweisen. Dörner hat an der Universität Frankfurt und an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen Physik und Philosophie studiert. Nach Forschungsaufenthalten in den USA, Japan und China hatte er in Frankfurt zunächst seit 1998 eine Vertretungsdozentur inne, bevor er 2002 die Professur für experimentelle Atomphysik übernahm. Dörner war maßgeblich an der Entwicklung eines Reaktionsmikroskops beteiligt, mit dem in den vergangenen Jahren zahlreiche bedeutsame Erfolge auf dem Gebiet der atomaren Stoßphysik erzielt wurden.

Informationen: Prof. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Max-von-Laue-Str. 1, Tel: (069) 798-47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de

Dr. Sarah Holthausen, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Tel: (0228) 885-2032, sarah-holthausen@dfg.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Uni den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigt sich die Goethe-Universität als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Redaktion: Stephan M. Hübner, Pressereferent. Abteilung Marketing und Kommunikation, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-23753, Fax: (069) 798-28530, huebner@pvw.uni-frankfurt.de

Stephan M. Hübner | idw
Weitere Informationen:
http://rds1.atom.uni-frankfurt.de/
http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/einzelfoerderung/kompaktdarstellung_reinhart_koselleck_projekte.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für Kernphysik

nachricht Neue Perspektiven durch gespiegelte Systeme
05.12.2016 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik