Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Galilei nahm Neptun-Entdeckung mit ins Grab

13.07.2009
Astronom kannte den Planeten 234 Jahre vor offizieller Entdeckung

Über zwei Jahrhunderte vor der offiziellen Entdeckung wusste Galileo Galilei bereits von der Existenz des Planeten Neptun. Das behauptet David Jamieson, Direktor des Physikinstituts der University of Melbourne http://physics.unimelb.edu.au in der Zeitschrift Australian Physics. Er analysierte die Notizbücher Galileis und fand Hinweise darauf, dass der italienische Astronom und Naturwissenschaftler den äußersten Planeten unseres Sonnensystems nicht nur beobachtete, sondern auch als solchen identifizierte. Bestätigt sich die Vermutung, so wäre dies die erste Entdeckung eines Planeten seit der Antike.

Ins Fernglas kam Galilei der Neptun, als er um die Jahreswende 1612 und 1613 die Jupiter-Monde beobachtete. In mehreren Nächten führte er dabei über die Position eines nahen Sterns Notiz, der auf keiner der verfügbaren Sternenkarten aufschien. "Dass diese Beobachtungen präzise waren, können heute Computersimulationen zeigen. Im Januar 1613 zeigte sich der Planet bloß als schwacher Stern und an genau der Stelle, an der der Astronom ihn beschrieb", so Jamieson. Im Unterschied zu einem Stern kreist ein Planet jedoch um die Sonne und bewegt sich dabei im Verhältnis zu den Sternen am Himmel. Galilei war das nicht entgangen, denn ein Notizbucheintrag Ende Januar 1613 deutet darauf hin, dass sich der heute als Neptun bekannte Himmelskörper gegenüber einem nahen Stern scheinbar bewegt habe.

Ein winziges Detail in den Notizen - ein mysteriöser schwarzer Punkt in Aufzeichnungen vom 6. Januar 1613 auf der richtigen Position Neptuns - gibt laut Jamieson dafür den Ausschlag. "Scheinbar blätterte Galilei in früheren Aufzeichnungen und vermerkte die Stelle nachträglich, an der er Neptun zuvor in Jupiternähe wahrgenommen hatte. Ursprünglich richtete er seine Aufmerksamkeit noch nicht auf ihn, da der Planet wie ein unspektakulärer Fixstern aussah." Falls dieser Punkt vom 6. Januar tatsächlich wie von Jamieson behauptet erst am 28. Jänner verzeichnet wurde, beweist das die Überzeugung Galileis, einem neuen Planeten auf der Spur zu sein. Der Nachweis der Datierung dieses Punktes soll im Oktober eine Spurenelement-Analyse der Tinte liefern, die von Experten der Universität Florenz durchgeführt wird.

Beweise für die Theorie könnten auch in Archiven gelagert sein. Galilei pflegte seine Kollegen mit Anagramm-Rätseln zu versorgen. In diesen erbrachte er stets Nachweise für seine sensationellen Erstentdeckungen, die ihm durch sein neues Teleskop gelangen - zum Beispiel die Entdeckung der Venusphasen oder der Saturnringe. "Vielleicht schlummert noch irgendwo ein nicht entschlüsseltes Buchstabenrätsel, das von der Entdeckung des neuen Planeten erzählt", vermutet Jamieson.

Die offizielle Entdeckung des Planeten ließ noch weitere 234 Jahre auf sich warten. Zugrunde lag diesem Ereignis nicht die systematische Suche, sondern eine rein mathematische Vorhersage. Französische Astronomen fanden bei den Berechnungen der Uranus-Bahn Störungen der keplerschen Gesetze, die einen weiteren Planeten vermuten ließen. Nachdem der achte und äußerste Planet des Sonnensystems rein hypothetisch berechnet worden war, schaffte der Mathematiker Urbain Le Verrier dessen Positionserrechnung. Nach längerer Suche gelang es schließlich 1846 Johann Galle von der Berliner Sternwarte, die geringfügige Bewegung des Himmelskörpers zu beobachten und ihn damit als Planeten zu identifizieren.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.physics.unimelb.edu.au

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Reisetauglicher Laser
22.01.2018 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

nachricht Magnetische Kontrolle per Handzeichen: Team entwickelt elektronische „Haut“ für virtuelle Realität
22.01.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics