Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fusionsexperiment WEGA wird in die USA abgegeben

22.09.2014

Vom IPP in Greifswald an die Universität von Illinois / altgediente Anlage geht erneut auf die Reise

Die kleine Fusionsanlage WEGA im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald wird an die US-amerikanische Universität von Illinois in Urbana-Champaign weitergegeben. Nach über zwölf Jahren ergebnisreicher Forschung macht das „Wendelstein-Experiment in Greifswald für die Ausbildung“ Platz für die Großanlage Wendelstein 7-X.
 Urbana wird nach Greifswald, Stuttgart und Grenoble der mittlerweile vierte Standort für die rüstige Anlage werden.


Die ersten Kabel wurden im Juni gelöst. Inzwischen ist der kleine Stellarator komplett in Kisten verpackt und geht zu neuen Aufgaben auf die Reise in die USA.

IPP, Iris Wessolowski

Seit 2001 war WEGA im IPP in Greifswald in Betrieb. An der kleinen, aber leistungsfähigen Fusionsanlage wurden Studenten und wissenschaftlicher Nachwuchs ausgebildet, um die Zeit bis zur Fertigstellung der Großanlage Wendelstein 7-X zu überbrücken. Ende 2013 war es soweit und WEGA musste stillgelegt werden: Ihr Platz wird für den Aufbau von technischer Ausrüstung für Wendelstein 7-X gebraucht.

„Für die Universität von Illinois war das eine gute Gelegenheit“, sagt der zuständige Bereichsleiter im IPP, Professor Dr. Robert Wolf. „Denn im dortigen Center for Plasma-Material Interactions (CPMI) war man gerade auf der Suche nach einer kleinen Plasma-Anlage.“ Mitte September 2014 hat das IPP den Vertrag zur Besitzübertragung unterzeichnet. Die Universität übernimmt die Verantwortung und die Kosten für den Abbau von WEGA, den Transport in die USA und den Wiederaufbau im CPMI.

Unter neuem Namen – HIDRA für „Hybrid Illinois Device for Research and Applications“ – soll die Anlage hier weiterhin für Plasmaphysik und Fusionsforschung genutzt werden. „Wir haben großes Glück gehabt“, meint CPMI-Direktor Professor David Ruzic, der zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten für die Anlage sieht, darunter insbesondere die Untersuchung der Wechselwirkung zwischen dem Plasma und dem Wandmaterial des Plasmagefäßes. Ziel der Fusionsforschung ist es, ein Kraftwerk zu entwickeln, das – ähnlich wie die Sonne – aus der Verschmelzung von Atomkernen Strom erzeugt.

Der WEGA-Transfer ist einer von mehreren Bausteinen der amerikanisch-deutschen Zusammenarbeit rund um Wendelstein 7-X. 2011 hatten die USA bereits ein dreijähriges Kooperationsprojekt mit dem IPP aufgelegt, in dessen Rahmen Wissenschaftler der Fusionsinstitute in Princeton, Oak Ridge und Los Alamos mit Bauteilen und Studien im Wert von rund 10 Millionen Dollar zum Aufbau von Wendelstein 7-X beitrugen. Im Gegenzug werden die USA Partner im Forschungsprogramm der deutschen Anlage – eine Zusammenarbeit, für die kürzlich ein neues 500.000-Dollar-Programm für US-amerikanische Universitäten aufgelegt wurde.

Die kleine WEGA ist ebenfalls ein Mitglied der Wendelstein-Familie des IPP. Sie kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken: Erstmals 1975 nahm die Anlage unter dem Namen „Wendelstein-Experiment in Grenoble for the Application of Radio Frequency Heating“ als deutsch-französisch-belgisches Gemeinschaftsprojekt den Betrieb auf. Wissenschaftler des IPP in Garching und des Centre d’Etudes Nucleaires in Grenoble hatten WEGA gemeinsam geplant, aufgebaut und betrieben. Nach einem siebzehnjährigen Zwischenaufenthalt an der Universität Stuttgart ging die Anlage in Jahr 2001 im IPP in Greifswald erneut an den Start.

Vielen Mitarbeitern des 1994 gegründeten Teilinstituts ermöglichte WEGA erste Erfahrung mit einem Plasmaexperiment. Neue Heizantennen, Messgeräte oder Steuerungen für den großen Bruder Wendelstein 7-X wurden an der anpassungsfähigen WEGA getestet; zwei Bachelor-, zwei Master-, 13 Diplom- und sechs Promotionsarbeiten 

wurden hier abgeschlossen. „Mit einem Alter von fast 40 Jahren ist WEGA sicherlich eines, wenn nicht das langlebigste Fusionsexperiment“, so Professor Wolf, der sich zusammen mit dem WEGA-Team freut, dass die robuste Anlage weiterhin eine Zukunft hat. „In voraussichtlich drei Wochen beginnt ihre bislang größte Reise – diesmal sogar über den Atlantik“.

Weitere Informationen:

http://www.ipp.mpg.de/3771680/06_14

Isabella Milch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Erforschung von Elementarteilchen in Materialien
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie

nachricht Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis
16.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau