Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frankfurter Supercomputer demonstriert seine Leistungsfähigkeit am CERN LHC

09.12.2010
Kollisionen von Bleiatomen mit Rekord-Energien simulieren Zustand kurz nach dem Urknall. Der High Level Trigger filtert innerhalb weniger Tausendstel Sekunden unter den mehr als tausend Teilchenspuren die relevanten Ereignisse heraus.

Am Nikolaustag endete im europäischen Kernforschungszentrum CERN die einmonatige Meßkampagne mit schweren Ionen aus Blei. Dabei wurden nicht nur Ionen auf Rekord-Energien beschleunigt.

Auch ein Hochleistungscomputer der Goethe-Universität, der für das Experiment gebaut wurde, hat im Dauerbetrieb seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt: Mit seiner Hilfe gelang es im Rahmen des Experiments ALICE (A Large Ion Collider Experiment), innerhalb weniger Tausendstelsekunden den Informationsgehalt von mehr als tausend Spuren nach den Kollisionen zu analysieren, das Experiment zu überwachen und bei der Auslese von für die Forscher interessanten Ereignissen zu unterstützen.

Die Daten des ALICE-Experiments werden mit Hilfe des High Level Triggers in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz International Center for FAIR (HIC for FAIR) schneller analysiert als dies bisher anderswo möglich ist.

Der High Level Trigger (HLT) ist ein Spezialrechner, der von Prof. Volker Lindenstruth von der Goethe-Universität eigens mit einer neuartigen Hochleistungs-Computer-Struktur entwickelt wurde. Hierbei werden auch Graphikkarten, die in handelsüblichen PCs zu finden sind, eingesetzt, um die höchsten Rechengeschwindigkeiten zu erreichen. Dadurch arbeitet der HLT einerseits mit der geforderten Höchstgeschwindigkeit und ist andererseits energieeffizient und zuverlässig. Diese Computerarchitektur ist auch Vorbild für den neuen Frankfurter Supercomputer LOEWE-CSC, der Ende November im Industriepark Höchst in Betrieb genommen wurde.

Die ersten Ergebnisse der neuartigen Blei-Experimente an CERN brachten gleich einen Weltrekord: Die bei einem zentralen Stoß umgesetzte Energie ist 15 Mal höher als die bisherige Bestmarke. Alle Komponenten des Experiments ALICE, das speziell für die Vermessung von Kollisionen von schweren Atomkernen konzipiert ist, funktionierten bei diesen Versuchen einwandfrei. In diesem Experimente wollen die Physiker für kurze Augenblicke den extrem heißen und dichten Plasmazustand der Materie aus Quarks und Gluonen wieder herstellen, wie er in den ersten Sekundenbruchteilen nach dem Urknall existiert hat. Im Herzen des Experiments zeichnet ein Detektor die Position Tausender geladener Teilchen auf, die bei der Kollision entstehen. Die darum herum gebaute Zeitprojektionskammer rekonstruiert die Teilchenbahnen wie eine dreidimensionale Kamera. An der Konstruktion dieses Detektors war die Frankfurter Arbeitsgruppe von Prof. Harald Appelshäuser am Institut für Kernphysik maßgeblich beteiligt, zusammen mit dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt sowie den Universitäten Darmstadt, Heidelberg und Münster sowie den Fachhochschulen Köln und Worms.

Informationen:
Prof. Volker Lindenstruth, Institut für Informatik und Institute for Advanced Studies (FIAS), Campus Riedberg, Tel. (069) 798-44101, 44101,

voli@fias.uni-frankfurt.de.

Prof. Harald Appelshäuser, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg,
Tel.: (069) 798-40734; appels@ikf.uni-frankfurt.de.
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.
Herausgeber:
Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation,
Postfach 11 19 32, 60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 – 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Berichte zu: CERN Detektor HLT Ionen Kernphysik Kollision LHC Leistungsfähigkeit Rekord-Energien Supercomputer Trigger Urknall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet
30.03.2017 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Flipper auf atomarem Niveau
30.03.2017 | Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE