Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Flügel der Weltraum-Möwe

06.02.2013
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Dieses neue ESO-Bild zeigt einen Teil des Möwennebels, einer kosmischen Wolke aus Staub und leuchtendem Gas. Die hauchdünnen, roten Wolken bilden die Flügel einer kosmischen Möwe und scheinen auf dem Bild mit Dunkelwolken zwischen den Sternen geradezu verwoben zu sein. Entstanden ist die faszinierende Aufnahme mit dem Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile.
Der Möwennebel besteht hauptsächlich aus Wasserstoffgas und erstreckt sich entlang der Grenze der beiden Sternbilder Canis Major (der Große Hund) und Monoceros (das Einhorn). Astronomen bezeichnen solche Wolken auch als HII-Regionen. In ihnen bilden sich heiße Sterne, deren intensive Ultraviolettstrahlung dann wiederum das umgebende Gas zum Leuchten anregt.

Der rötliche Farbton des Bild ist ein Anzeichen für ionisierten Wasserstoff [1]. Der vogelähnliche Umriss des Möwennebels, der manchmal auch als IC 2177 bezeichnet wird, geht auf drei große Gaswolken zurück: Sharpless 2-292 bildet den Kopf, die hier abgebildete Wolke Sharpless 2-296 die Flügel und Sharpless 2-297 ein kleines, knotenförmiges Anhängsel an der Spitze des rechten Flügels der Möwe.

Alle drei Objekte sind im Sharpless-Katalog aufgeführt, der in den 1950er Jahren von dem amerikanischen Astronomen Stewart Sharpless zusammengestellt wurde und mehr als 300 leuchtende Gaswolken enthält. Vor der Veröffentlichung des Kataloges war Sharpless Doktorand am Yerkes Observatory nahe Chicago (USA), wo er zusammen mit Kollegen Beobachtungen veröffentlichte, die dazu beigetragen haben nachzuweisen, dass die Milchstraße eine große Spiralgalaxie mit ausgedehnten, geschwungenen Armen ist.

Spiralgalaxien enthalten oft tausende HII-Regionen, fast alle davon in den Spiralarmen. Auch der Möwennebel liegt in einem der Spiralarme der Milchstraße. Bei anderen Galaxientypen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: In irregulären Galaxien kommen zwar auch HII-Regionen vor, aber diese liegen in der gesamten Galaxie verteilt. Bei elliptischen Galaxien dagegen scheinen die HII-Regionen gänzlich zu fehlen. Das Vorhandensein von HII-Regionen wiederum ist ein Anzeichen dafür, dass sich in der betreffenden Galaxie generell noch neue Sterne bilden.

Das hier gezeigte Bild von Sharpless 2-296 wurde mit dem Wide Field Imager (WFI), einer großen Kamera am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile aufgenommen. Es zeigt einen Teil des Nebels, in dem sich im Inneren der Gaswolke helle junge Sterne bilden. Sharpless 2-296 wird von mehreren, sehr hellen Sternen zum Leuchten angeregt von denen einige auch in dem Bildausschnitt zu sehen sind. Weitere Sterne sind über die gesamte Region verteilt. Ein besonders auffälliger, heller Stern erscheint uns auf Bildern des gesamten Objekts als „Auge” der Möwe.

Übersichtsaufnahmen dieser Himmelsregion zeigen eine ganze Reihe von interessanten Objekten. Die jungen, hellen Sterne innerhalb des Nebels gehören zur nahegelegenen Sternentstehungsregion CMa R1 im Sternbild Canis Major, die eine große Zahl von hellen Sternen und ganzen Sternhaufen beherbergt. Unweit des Möwennebels befindet sich auch der Nebel „Thors Helm“, der mit der Unterstützung von Brigitte Bailleul – der Gewinnerin des „Twittern Sie sich zum VLT!“-Wettbewerbs – zum 50. Geburtstag der ESO am 5. Oktober 2012 mit dem Very Large Telescope (VLT) beobachtet wurde.

Endnoten

[1] Astronomen verwenden die Bezeichnungen HII für ionisierten und HI für neutralen Wasserstoff. Ein Wasserstoffatom besteht aus einem Elektron, das an ein Proton gebunden ist. Ionisierte Gase bestehen aus positiv geladenen Ionen und freien Elektronen. Beim Wasserstoff sind die Ionen einzelne Protonen.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT & Survey Telescopes Press Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an
25.04.2017 | Universität Wien

nachricht Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“
25.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie