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European XFEL geht in die Betriebsphase

04.07.2017

Für den weltgrößten Röntgenlaser European XFEL beginnt die Betriebsphase. In den letzten Wochen wurden die für die Nutzung des Forschungspotenzials der Anlage erforderlichen Parameter für den Röntgenstrahl erreicht und in den Experimentierhütten genügend Technik und Instrumente installiert, um mit der Forschung beginnen zu können. Dies stellte der European XFEL Council, das oberste Leitungsorgan der Einrichtung, auf seiner Sitzung am Freitag fest, und gab damit die Nutzung von für die Betriebsphase vorgesehenen Budgetmitteln frei.

Der Röntgenlaser produziert extrem helle und ultrakurze Lichtblitze, die mit Hilfe spezieller Experimentierstationen völlig neue Einblicke in atomare Details und in schnelle Prozesse im Nanokosmos ermöglichen. Erste Experimente sind nun möglich und haben in Zusammenhang mit der Inbetriebnahme bereits begonnen; der Nutzerbetrieb zu wissenschaftlichen Forschungszwecken soll im September starten.


Instrument FXE am European XFEL

Das FXE-Instrument erlaubt die Untersuchung von ultrafasen Prozessen wie beispielsweise die Entstehung von Zwischenprodukten bei chemischen Reaktionen. Mit den ultrakurzen Lichtblitzen erzeugt das Instrument dicht aufeinanderfolgende Bilder der reagierenden Moleküle, die sich zu einem Molekülfilm eines zuvor unbekannten zusammensetzen lassen. FXE ist eines von zwei Instrumenten, die ab Herbst den Nutzern zur Verfügung stehen.

Copyright: European XFEL

Prof. Martin Meedom Nielsen, Vorsitzender des European XFEL Council, erklärte: „Die Mitgliedsländer freuen sich sehr über die großen Fortschritte, die es nun ermöglichen, die Betriebsphase dieser weltweit führenden Einrichtung zur Forschung mit Röntgenstrahlen starten zu können. Die internationale Nutzergemeinschaft, die sich intensiv auf wegweisende neue Experimente vorbereitet, hat diesen großen Meilenstein mit Spannung erwartet. Ich möchte Management und Mitarbeitern von European XFEL ebenso wie dem von DESY geführten Beschleuniger-Konsortium meine Anerkennung für den Einsatz und ihre harte Arbeit aussprechen, die diesen Erfolg möglich gemacht haben.“

European XFEL-Geschäftsführer Prof. Robert Feidenhans’l sagte: „Wir haben gemeinsam mit unserem Partner DESY seit der Erzeugung des ersten Laserlichts Anfang Mai weitere große Fortschritte gemacht. Es freut uns sehr, dass die Voraussetzungen erfüllt sind, um mit der Forschung am Röntgenlaser zu beginnen.“

Voraussetzung für den Übergang in die Betriebsphase ist, dass die Einrichtung eine Reihe von vorab festgelegten technischen Bedingungen erfüllt. Dazu zählt, dass die Pulse des Röntgenlasers bei einer Wellenlänge von maximal zwei Ångström (0,2 Nanometer) die für Röntgenlaser typische hohe Intensität haben und stabil bleiben. Darüber hinaus müssen die beiden Instrumente der zuerst fertiggestellten Beamline (Strahlführung) soweit ausgestattet sein, dass wissenschaftliche Experimente möglich sind.

Zu den seit der Erzeugung des ersten Laserlichts Anfang Mai erzielten Fortschritten zählen unter anderem die Erzeugung von kurzwelligem, sogenanntem harten Röntgenlicht, die erfolgreiche Weiterleitung des Strahls über Spezialspiegel bis in die Experimentierhütten und die Inbetriebnahme einer Reihe von hochspezialisierten Geräten für die Messung der Röntgenstrahl-Eigenschaften.

Am 23. Juni konnte der Strahl erstmals in die Experimentierhütten geleitet werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von European XFEL begannen daraufhin unverzüglich mit ersten Charakterisierungen des Strahls und Test-Experimenten für die Inbetriebnahme der Instrumente.

Mit Wellenlängen von zunächst zwei Ångström und ausreichender Leuchtstärke ermöglichen die Röntgenblitze jetzt Aufnahmen mit atomarer Auflösung. An zwei Experimentierstationen, dem Instrument FXE (Femtosecond X-ray Experiments) für die Erforschung sehr schneller Prozesse und dem Instrument SPB/SFX (Single Particles, Clusters, and Biomolecules / Serial Femtosecond Crystallography) für die Untersuchung von Biomolekülen und biologischer Strukturen, können jetzt erste Experimente durchgeführt werden.

Am 1. September wird die internationale Einrichtung offiziell eröffnet. Die wissenschaftlichen Nutzer werden in den darauf folgenden Wochen erwartet. Internationale Expertengremien haben in den vergangenen Wochen die in der ersten Bewerbungsrunde um Strahlzeit eingereichten Anträge begutachtet. In Kürze wird European XFEL bekannt geben, welche Vorschläge berücksichtigt werden können. „Wir freuen uns sehr drauf, bald die ersten externen Nutzer auf unserem Forschungscampus in Schenefeld zu begrüßen“ sagte Feidenhans’l.

European XFEL wird den Aufbau von zwei weiteren röntgenlichterzeugenden Systemen (Undulatoren), der zugehörigen Strahlführungen in die Experimentierhalle und von vier weiteren Experimentierstationen weiter vorantreiben. Gleichzeitig soll die durchschnittliche Strahlintensität des Röntgenlaserlichts weiter steigen und die Pulsrate schrittweise das Ziel von 27.000 Lichtblitzen pro Sekunde erreichen, die den European XFEL weltweit einzigartig machen werden.

Über European XFEL

In der Metropolregion Hamburg wird mit dem European XFEL eine Großforschungsanlage der Superlative in Betrieb genommen: 27 000 Röntgenlaserblitze pro Sekunde und eine Leuchtstärke, die milliardenfach höher ist als die besten Röntgenstrahlungsquellen herkömmlicher Art, werden völlig neue Forschungsmöglichkeiten eröffnen. Forschergruppen aus aller Welt können an dem europäischen Röntgenlaser atomare Details von Viren und Zellen entschlüsseln, dreidimensionale Aufnahmen im Nanokosmos machen, chemische Reaktionen filmen und Vorgänge wie die im Inneren von Planeten untersuchen. Die European XFEL GmbH ist eine gemeinnützige Forschungsorganisation, die eng mit dem Forschungszentrum DESY und weiteren internationalen Institutionen zusammenarbeitet. Sie beschäftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in der zweiten Jahreshälfte 2017 soll die Anlage den Nutzerbetrieb aufnehmen. Mit Kosten von 1,22 Milliarden Euro (Preisniveau 2005) für Bau und Inbetriebnahme und einer Länge von 3,4 Kilometern ist European XFEL eines der größten und ambitioniertesten europäischen Forschungsprojekte. Derzeit beteiligen sich elf Länder: Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Russland, Schweden, die Schweiz, die Slowakei, Spanien und Ungarn; Großbritannien befindet sich im Beitrittsprozess. Deutschland (Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein) trägt 58 Prozent der Kosten für die neue Einrichtung, Russland 27 Prozent. Die anderen Partnerländer sind mit ein bis drei Prozent beteiligt.

Kontakt:
Dr. Bernd Ebeling
bernd.ebeling@xfel.eu
Tel. 040 8998 6921

Weitere Informationen:

https://media.xfel.eu/XFELmediabank/?l=de&c=16055 Bilder zur Presseinformation
http://www.xfel.eu/de European XFEL Website

Dr. Bernd Ebeling | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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