Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europas größtes Sonnenteleskop nimmt den Betrieb auf

15.05.2012
Nächste Woche nimmt Europas größtes Sonnenteleskop GREGOR seinen Betrieb im spanischen Observatorio del Teide auf Teneriffa auf.

Das maßgeblich durch deutsche Wissenschaftler und Ingenieure in zehn Jahren Entwicklungsarbeit konstruierte Teleskop bietet der internationalen Forschungsgemeinschaft fortan die Möglichkeit, die Sonne mit der neuesten zur Verfügung stehenden Instrumentierung in ungekannter Detailtiefe zu untersuchen.


GREGOR auf Teneriffa
Foto: AIP


Gebäudeansicht GREGOR
Foto: KIS

Hinter dem Teleskopprojekt steht ein deutsches Konsortium unter der Leitung des Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg mit dem Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) und dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg/Lindau als Partner, und mit Beiträgen des Instituto de Astrofísica de Canarias, des Instituts für Astrophysik der Universität Göttingen und dem Astronomical Institute of the Academy of Sciences of the Czech Republic.

Die feierliche Einweihung des Teleskops findet im Beisein geladener Gäste am 21. Mai 2012 auf Teneriffa statt. Pressebilder und Bewegtbild von der Einweihung werden zum Termin zur Verfügung gestellt.

Das Sonnenteleskop GREGOR ermöglicht mit seinem Hauptspiegel von 1,5 Metern Durchmesser Beobachtungen der solaren Photosphäre und Chromosphäre im sichtbaren und im infraroten Licht. Die große Lichtsammelfläche des Teleskops ermöglicht Aufnahmen der Sonne mit bislang unerreichter Qualität und Auflösung. Atmosphärische Störungen der Beobachtungen werden durch ein neues System adaptiver Optik kompensiert.

„Dank der adaptiven Optik werden wir mit GREGOR zukünftig fantastische Aufnahmen der Sonne erzielen, wie es bislang nur mit Satelliten außerhalb der Erdatmosphäre möglich war.“ freut sich Oskar von der Lühe, Direktor des Kiepenheuer-Instituts für Sonnenphysik in Freiburg.

Mit diesen Beobachtungen können die Wissenschaftler zukünftig physikalische Prozesse auf der Sonne untersuchen, die sich auf kleinen räumlichen Skalen bis herab zu 70 Kilometern abspielen.

Zusätzlich zu Sonnenbeobachtungen am Tage kann das GREGOR-Teleskop durch seine technische Ausstattung auch zur Nachtbeobachtung eingesetzt werden – insbesondere für die Suche nach „Zwillingen“ der Sonne durch die Langzeitbeobachtung heller Sterne und das Studium ihrer Veränderlichkeit und periodisch-zyklischer Phänomene.

„Die Sonne als unser nächster Stern ist auch deswegen so spannend, weil sie uns viel darüber verraten kann, wie andere Sterne funktionieren – auch solar-stellar connection genannt.“ so Klaus Strassmeier, wissenschaftlicher Direktor am AIP.

Das GREGOR-Teleskop ist als „offenes“ Teleskop konzipiert. Die Halbschalen einer zusammenfaltbaren, doppelwandigen Zeltkuppel öffnen sich vollständig, so dass das Teleskop während der Beobachtungsphasen völlig frei auf dem Dach des knapp 20 Meter hohen Teleskopgebäudes steht. Der natürliche Wind- und Luftzug kühlt die offene Teleskopstruktur, ohne dass Verwirbelungen der Luft oder Vibrationen des Teleskops auftreten können, welche die Bildqualität stark beeinträchtigen würden. Der Hauptspiegel besteht aus einer filigranen Wabenstruktur, die eine nur zehn Millimeter dicke, verspiegelte Oberfläche trägt. Diese in Leichtbauweise hergestellte Glaskeramik wird zusätzlich zur Vermeidung von Überhitzung und Turbulenzbildung von der Rückseite permanent gekühlt.

Wissenschaftliche Beobachtungskampagnen mit GREGOR können zukünftig verschiedene Instrumente nutzen. Mit großformatigen Kameras können Aufnahmen der Sonne im sichtbaren Licht in größter Detailgenauigkeit studiert werden. Zwei weitere Instrumente zerlegen das Licht in Spektren unterschiedlicher Wellenlängen: Ein Spektrograph dient der Infrarotbeobachtungen und ein Interferometer erzeugt Bilder aus sehr feinen Ausschnitten des Spektrums, die unterschiedliche Bereiche der Sonnenatmosphäre zugänglich machen. Mit diesen Instrumenten wollen die Astronomen detaillierte Karten des Magnetfeldes der Sonne erstellen. Diese werden zum ersten Mal einen direkten Vergleich von experimentellen Beobachtungsdaten mit theoretischen Vorhersagen und Simulationsrechnungen möglich machen.

„Die Sonne beeinflusst die Erde und unser Leben. Leider ist vieles von diesem Einfluss noch unverstanden. Gregor wird hierzu ganz neue Möglichkeiten eröffnen.“ erklärt Sami K. Solanki, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau.

GREGOR wird der internationalen Forschungs-Community für Beobachtungskampagnen zugänglich sein und hat das Potential, die Sonnenphysik weltweit einen großen Schritt voran zu bringen.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Freiburg/KIS: Dr. Reiner Hammer. Tel.: 0761-3198-216,
E-mail: hammer@kis.uni-freiburg.de
Potsdam/AIP: apl. Prof. Dr. Carsten Denker, Tel.: 0331-7499-297,
E-mail: cdenker@aip.de
Katlenburg-Lindau/MPS: Prof. Dr. Sami K. Solanki
Pressekontakt:
Potsdam/AIP: Dr. Gabriele Schönherr/ Kerstin Mork, Tel.: 0331-7499-469,
E-mail: presse@aip.de
Katlenburg-Lindau/MPS: Birgit Krummheuer (presseinfo@mps.mpg.de),
Tel.: 05556-979-462

Weitere Informationen:
http://gregor.kis.uni-freiburg.de/ GREGOR-Teleskop
http://www.kis.uni-freiburg.de Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik Freiburg
http://www.aip.de Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP)
http://www.mps.mpg.de/de/aktuelles/ Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung Katlenburg-Lindau (MPS)
http://www.iac.es/eno.php?op1=3&lang=en Observatorio del Teide
http://www.kis.uni-freiburg.de/index.php?id=168 Bilder Teleskop
http://www.kis.uni-freiburg.de/index.php?id=788&L=0 Einweihung (ab 21.5.)

Gabriele Schönherr | idw
Weitere Informationen:
http://www.aip.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an
25.04.2017 | Universität Wien

nachricht Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“
25.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie