Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erster Nachweis von extragalaktischen chemisch pekuliaren Sternen

23.11.2010
Wissenschafter des Instituts für Astronomie der Universität Wien beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit der Erforschung chemisch pekuliarer (CP) Sterne.

Erstmals entdeckt wurden sie in unserer Milchstraße 1897 von der amerikanischen Astronomin Antonia Maury. Nun ist es erstmals gelungen, deren Existenz in der Großen Magellanschen Wolke nachzuweisen. Martin Netopil und Ernst Paunzen, beide Astrophysiker an der Universität Wien, haben dazu zusammen mit Donald J. Bord (University of Michigan, USA) kürzlich im renommierten Journal "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" publiziert.

Chemisch pekuliare (CP) Sterne sind seit deren Entdeckung im Jahr 1897 durch die amerikanische Astronomin Antonia Maury Ziel von astrophysikalischen Untersuchungen. Nach wie vor sind die Mechanismen, die dieses Phänomen hervorrufen, größtenteils ungeklärt. CP-Sterne zeigen zum Beispiel starke lokale Magnetfelder sowie Überhäufigkeiten von Elementen in der Sternatmosphäre.

Im Vergleich zu unserer Sonne findet man bei CP-Sternen Überhäufigkeiten von Elementen wie Silizium, Europium oder Chrom, die bis zu einem Faktor 100 reichen. Eine weitere interessante Eigenschaft dieser besonderen Sternengruppe ist die Variabilität in der Helligkeit und von einzelnen Spektrallinien. Ungefähr zehn Prozent aller Sterne im relevanten Temperaturbereich (heißer als 8.000 Grad Kelvin) zeigen eine solche Charakteristik.

Österreichisches Know-how zur Erforschung offener Sternenhaufen

Am Institut für Astronomie der Universität Wien wird seit mehreren Jahrzehnten auf diesem astrophysikalischen Gebiet erfolgreich geforscht. Unter anderem ermöglicht das photometrische Delta-a-System, entwickelt von Hans Michael Maitzen, Professor am Institut, eine effiziente und ökonomische Aufspürung dieser Objekte.

Aktuell liegt ein Forschungsschwerpunkt auf der detaillierten Untersuchung von CP-Sternen in offenen Sternhaufen unserer Milchstraße. Ein wichtiges Werkzeug hierfür ist WEBDA, die an der Universität Wien gewartete Datenbank für offene Sternhaufen. Neben der statistischen Bestimmung der Anzahl dieser Objekte in offenen Sternhaufen in Abhängigkeit des Alters und der Lage in der Milchstraße werden am Institut für Astronomie auch weitreichende photometrische Variabilitätsuntersuchungen durchgeführt. Dafür werden sowohl Teleskope in Chile als auch das "Austrian Croatian Telescope" (ACT) auf der Insel Hvar in Kroatien verwendet.

Chemisch pekuliare Sterne erstmals in der Großen Magellanschen Wolke aufgespürt

Diese entwickelten Techniken wurden auf Nachbargalaxien, beispielsweise den Magellanschen Wolken, angewendet. Mittels Delta-a-Photometrie war es den jungen Astrophysikern Martin Netopil und Ernst Paunzen in einer breiten internationalen Zusammenarbeit möglich, erste Kandidaten dieser Gruppe in der Großen Magellanschen Wolke aufzuspüren.

Die Magellanschen Wolken sind irreguläre Galaxien, die im Vergleich zur Milchstraße eine völlig unterschiedliche Entstehungsgeschichte aufweisen. Neben der fehlenden globalen Rotation ist die Metallizität, d.h. der Anteil der schweren Elemente, in den Nachbargalaxien deutlich geringer. Deshalb konnte bisher nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei diesen CP-Kandidaten um die Manifestation des gleichen Phänomens wie in der Milchstraße handelt.

Unter Mithilfe von Donald J. Bord (University of Michigan, USA) und der Verwendung des "6,5 Meter Magellan II Teleskops" auf Las Campanas in Chile erfolgte der erste eindeutige spektroskopische Nachweis, dass es sich tatsächlich um dieselbe Sternengruppe – eben chemisch pekuliare Sterne – wie in der Milchstraße handelt.

Die Entdeckung dieser Sterne außerhalb der Milchstraße hilft einerseits, dem Rätsel um deren Entstehung näher zu kommen, ist aber auch eine weitere Bestätigung für die Effizienz des photometrischen Delta-a-Systems. Eine großflächige Studie der Magellanschen Wolken in diesem System ist daher in Vorbereitung.

Information zur WEBDA-Datenbank: http://www.univie.ac.at/webda

Publikation
The first spectroscopic verification of an extragalactic classical chemically peculiar star. Ernst Paunzen, Martin Netopil, Donald. J. Bord. Monthly Notices of the Royal Astronomical Society.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1365-2966.2010.17682.x/abstract

Kontakt
Univ.-Doz. Dr. Ernst Paunzen
Institut für Astronomie
Universität Wien
T +43-1-4277-141 11
M +43-664-602 77-141 11
ernst.paunzen@univie.ac.at
Mag. Martin Netopil
Institut für Astronomie
Universität Wien
T +43-1-4277-518 60
martin.netopil@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://univie.ac.at/175

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen
23.05.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Heiße Materialien: Fachartikel zum pyroelektrischen Koeffizienten
23.05.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie