Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolg auf dem Weg zur Datenspeicherung der Zukunft

26.02.2014
Kieler Forschungsgruppe schaltet Magnetismus von Molekülfilmen mit Licht

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist nun ein neuer Durchbruch auf dem Weg zu molekularen Datenspeichern gelungen. Sie schafften es, den Magnetismus eines ultradünnen Molekülfilms mit Licht an- und auszuschalten. Die Studie aus dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereich 677 „Funktion durch Schalten“ erschien kürzlich im renommierten Fachmagazin Angewandte Chemie.


Der in Kiel entwickelte Eisen-Spinncrossover-Komplex

Foto/Copyright: Holger Naggert

Dünne Schichten magnetisch schaltbarer Verbindungen spielen eine wichtige Rolle in der Datenspeicherung und Elektronik. Dabei handelt es sich in der Regel um kristalline Festkörper, die bei hohen Temperaturen im Ultrahochvakuum auf die immer kleiner werdenden Bauteile aufgedampft werden. Magnetische Molekülverbindungen konnten für solche Zwecke bislang nicht eingesetzt werden, da sie üblicherweise unter diesen Bedingungen zerfallen.

Die Kieler Wissenschaftler des Sonderforschungsbereichs 677 „Funktion durch Schalten“ entdeckten, dass sich eine Molekülklasse, sogenannte Spincrossover-Komplexe, im Vakuum verdampfen und in dünnen Filmen abscheiden lässt, ohne dass sie ihre Eigenschaften verlieren. Durch äußere Einflüsse wie Druck und Temperatur lässt sich bei diesen Molekülen, die beispielsweise ein Eisenatom enthalten, der Magnetismus ein- und ausschalten. Der Vorteil der Molekülfilme gegenüber den kristallinen Festkörpern: Sie lassen sich zum Beispiel auch auf flexible Materialien aufbringen und könnten zu Bauelementen mit höheren magnetischen Speicherdichten führen.

Professor Felix Tuczek, Institut für Anorganische Chemie, Professor Lutz Kipp, Institut für Angewandte und Experimentelle Physik, und ihre Mitarbeiter konnten jetzt zeigen, dass sich der Magnetismus eines sieben Nanometer dünnen Films mit zirka sechs Moleküllagen dieser Komplexe auch durch Licht schalten lässt. Das gelang mit einem Ultraviolett-Photoelektronenspektrometer, mit dem sich diese Systeme im Ultrahochvakuum untersuchen lassen. Zuvor hatten die Forschenden bereits den Magnetismus einzelner Moleküle in einer einzelnen Schicht mit einer Injektion von Elektronen geschaltet. Die gezielte Kontrolle über Moleküle macht das Speichern von Informationen möglich.

„Unsere Fortschritte, diese Molekülklasse als winzige magnetische Speicher funktionieren zu lassen, eröffnen neue technische Anwendungsmöglichkeiten“, freut sich Tuczek über die Forschungsergebnisse. Noch klappe das Schalten nur bei tiefen Temperaturen von ungefähr minus 170 Grad. Das nächste Ziel sei daher, den schaltbaren Molekülfilm auch bei Raumtemperatur verwenden zu können.

Der Sonderforschungsbereich 677 erregte bereits in der Vergangenheit weltweites Aufsehen in der Wissenschaft durch spektakuläre Entdeckungen, so zum Beispiel durch die Synthese des sogenannten Plattenspieler-Moleküls, welches zum ersten Mal ermöglichte, den Magnetismus von Molekülen in Flüssigkeiten bei Raumtemperatur zu schalten. Neuartige Anwendungen wie schaltbare Kontrastmittel für die Computertomographie sind damit denkbar. Allen diesen Entdeckungen gemeinsam ist der Versuch der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, bislang kristallinen Festkörpern vorbehaltene magnetische Phänomene auf isolierte Moleküle und ultradünne Molekülfilme zu übertragen. In diesem Forschungszweig nimmt der Kieler Sonderforschungsbereich mittlerweile international eine Spitzenposition ein.  

Originalpublikation:E. Ludwig, H. Naggert, M. Kalläne, S. Rohlf, E. Kröger, A. Bannwarth, A. Quer, K. Rossnagel,L. Kipp und F. Tuczek (2014): Fe(II) Spincrossover-Komplexe in ultradünnen Filmen: Elektronische Struktur und Spinschaltung durch sichtbares und Vakuum-UV Licht. DOI: 10.1002/ange.201307968

Weitere Informationen zum Sonderforschungsbereich 677: www.sfb677.uni-kiel.de 

Kontakt Prof. Dr. Felix Tuczek Institut für Anorganische Chemie Tel.: +49 (431) 880 1410 E-Mail: sekretariat-tu@ac.uni-kiel.de 

Prof. Dr. Lutz Kipp Institut für Experimentelle und Angewandte Physik Tel.: +49 (431) 880 3875 E-Mail: kipp@physik.uni-kiel.de 

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Redaktion: Denis Schimmelpfennig Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355 E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de, Internet: www.uni-kiel.de

Dr. Boris Pawlowski | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Neue Harmonien in der Optoelektronik
21.07.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen
20.07.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten