Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entdeckung von Atomkernen: Prof. Hans Geissel ist „Vize-Weltmeister“

07.08.2012
Mitarbeiter des II. Physikalischen Instituts der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und Leiter der Abteilung FRS-ESR beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt hat 210 Atomkerne bzw. Isotope entdeckt

Weltrekorde werden dieser Tage im Sport bei den Olympischen Spielen in London aufgestellt. Coubertins Ideale „schneller, höher, stärker“ gelten gleichermaßen in der Forschung. Prof. Dr. Hans Geissel, Mitglied des II. Physikalischen Instituts der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und Leiter der Abteilung FRS-ESR beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt, hat ebenso wie seine Physiker-Kollegen Prof. Dr. Gottfried Münzenberg (GSI/ Universität Mainz) und Nobelpreisträger Prof. Francis William Aston (Cambridge) weltweit viel beachtete Rekorde im Fachgebiet Physik aufgestellt. Insgesamt 210 Atomkerne hat Prof. Geissel entdeckt. Damit steht er auf Platz 2 der Rangliste der erfolgreichsten Atomkern-Entdecker und ist „Vize-Weltmeister“.


Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Geissel beim Experimentaufbau
Foto: G. Otto / GSI

Den Weltrekord mit 218 Atomkernen hält Prof. Münzenberg. Auch er hat in Gießen am II. Physikalischen Institut der JLU als Hochschuldozent gearbeitet, ehe er an das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt berufen wurde. Die Rangliste stammt von dem amerikanischen Wissenschaftler Michael Thoennessen von der Michigan State University, der die Zahlen in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht hat.

„Unsere Materie auf der Erde ist aus Atomen aufgebaut. Alle Atome, die dieselbe elektrische Ladung im Atomkern besitzen, werden als ein chemisches Element klassifiziert. Bislang sind 114 chemische Elemente bekannt. Von jedem Element gibt es unterschiedliche Sorten, die so genannten Isotope, deren Atomkerne zwar dieselbe elektrische Ladung besitzen, die sich jedoch durch ihre Masse unterscheiden. Die Entdeckung eines neuen Atomkerns entspricht somit der Entdeckung eines neuen Isotops. Insgesamt haben die Forscher ca. 3.100 Isotope beobachtet, weitere 1.000 unbekannte sind vorausgesagt“, heißt es in einer Pressemitteilung der GSI zu den Rekorden.

Prof. Dr. Hans Geissel ist Mitarbeiter am II. Physikalischen Institut der JLU und Leiter der Abteilung FRS-ESR beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. Für seine herausragenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Experimentalphysik wurde ihm 2010 der Ehrendoktor der Chalmers Technical University in Göteborg zuerkannt. Seine Arbeiten beinhalten Präzisionsmessungen der atomaren und nuklearen Wechselwirkung von schnellen Ionen mit Materie. Experimente mit kurzlebigen, leichten Projektilfragmenten waren Wegbereiter für die PET-Kamera. Seine Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Experimentalphysik finden Anwendung in den unterschiedlichsten Bereichen, ob in der Weltraumforschung oder auch bei der Tumortherapie mit Ionen. Prof. Geissel ist außerdem Projektleiter des Super-FRS, der das zentrale Forschungsinstrument der NUSTAR-Kollaboration bei FAIR sein wird.

Prof. Dr. Gottfried Münzenberg, der die meisten Atomkerne entdeckt hat und somit den Weltrekord hält, ist ebenfalls JLU-Alumnus. Er studierte in Gießen und an der Universität Innsbruck Physik und schloss seine Studien 1971 mit der Promotion an der JLU ab. 1976 trat er in die Abteilung Kernchemie an der GSI in Darmstadt ein. Er war maßgeblich beteiligt an der Konstruktion von SHIP, dem “Separator of Heavy Ion Reaction Products”. Er war die treibende Kraft in der Entdeckung der kalten Schwerionenfusion und ihrer Anwendung auf die Synthese der schwersten Elemente. 1984 wurde er Leiter des neuen GSI-Projektes FRS, des Fragmentseparators. Er leitete die Abteilung „Kernstruktur und Kernchemie“ an der GSI und war bis zu seiner Pensionierung im März 2005 Professor an der Universität Mainz.

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Geissel
II. Physikalisches Institut der JLU Gießen
Heinrich-Buff-Ring 14-16
35392 Gießen
Telefon: 0641 99-33241/6
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Planckstraße 1
64291 Darmstadt
Telefon: 06159-712706 -2740
Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 25.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissen¬schaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veterinärmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlichkeiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befinden sich eine Reihe von Nobelpreisträgern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis für Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System – ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture – GCSC).

Charlotte Brückner-Ihl | idw
Weitere Informationen:
http://www.nscl.msu.edu/~thoennes/isotopes/
http://www.gsi.de/start/aktuelles/detailseite/datum/2012/07/24/entdeckung-von-atomkernen-gsi-wissenschaftler-halten-weltrekord.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Kleinste Teilchen aus fernen Galaxien!
22.09.2017 | Bergische Universität Wuppertal

nachricht Tanzende Elektronen verlieren das Rennen
22.09.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie