Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine großartige Komposition von neuen Sternen

11.03.2015

Diese dramatische Landschaft im südlichen Sternbild Ara (der Altar) ist ein Schatzkästchen von himmlischen Objekten: Sternhaufen, Emissionsnebel und aktive sternbildende Regionen sind nur einige der Reichtümer, die man in der Region beobachten kann, die ungefähr 4000 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. Dieses wunderschöne neue Bild ist die bisher detaillierteste Ansicht dieses Teils des Himmels und wurde vom VLT Survey Telescope am Paranal-Observatorium der ESO in Chile aufgenommen.

Im Zentrum des Bildes liegt der Offene Sternhaufen NGC 6193, der ungefähr dreißig helle Sterne enthält und das Herz der Sternansammlung Ara OB 1 bildet. Die beiden hellsten Sterne sind sehr heiße Riesensterne.


Dieses Bild, aufgenommen von der OmegaCAM am VLT Survey Telescope des Paranal-Observatoriums,zeigt einen Ausschnitt der Sternassoziation Ara OB1. In der Bildmitte befindet sich der junge offene Sternhaufen NGC 6193, rechts davon der Emissionsnebel NGC 6188, der von der ionisierenden Strahlung der hellsten nahegelegenen Sterne zum Leuchten angeregt wird.

Herkunftsnachweis: ESO

Zusammen bilden sie die Hauptlichtquelle für den nahen Emissionsnebel NGC 6188, der im englischen Sprachraum wegen seines starken Kontrasts zwischen Hell und Dunkel auch als Rim-Nebel bezeichnet wird und den man rechts vom Sternhaufen sehen kann.

Eine Sternassoziation ist eine größere Gruppierung von lose gebundenen Sternen, die sich noch nicht vollständig von ihrem ursprünglichen Entstehungsort wegbewegt haben.

OB-Assoziationen bestehen zum größten Teil aus sehr jungen blau-weißen Sternen, die ungefähr 100.000 mal heller als die Sonne und zwischen 10 und 50 mal massereicher sind.

Der Rim-Nebel ist die auffallend hevorstehende Wand zwischen dunklen und hellen Wolken, die die Grenze zwischen einer aktiven sternbildenden Region innerhalb der Molekül-Wolke mit dem Namen RCW 108 und dem Rest der Assoziation markiert [1]. Das Gebiet um RCW 108 besteht hauptsächlich aus Wasserstoff – der Hauptzutat der Sternbildung. Solche Gebiete werden auch als H II-Regionen bezeichnet.

Die ultraviolette Strahlung und intensive stellare Winde der Sterne von NGC 6193 scheinen die nächste Generation der Sternbildung in den umgebenden Wolken von Gas und Staub anzutreiben. Wenn Wolkenteile kollabieren, heizen sie sich auf und bilden schließlich neue Sterne.

Während die Wolke neue Sterne bildet, wird sie gleichzeitig von den Winden und der Strahlung, die von vorherigen Sternen ausgesendet wird, sowie durch heftige Supernova-Explosionen erodiert. Auf diese Art scheinen die sternbildenden H II-Regionen eine Lebenszeit von gerade einmal wenigen Millionen Jahren zu haben. Sternbildung ist ein sehr ineffizienter Prozess, bei dem nur ungefähr 10% des Materials zur Entstehung beitragen - der Rest wird in den Weltraum hinausgeblasen.

Der Rim-Nebel zeigt auch Anzeichen dafür, in einer frühen Phase von „Säulenbildung“ zu sein, was bedeutet, dass er in Zukunft damit enden könnte, ähnlich wie andere bekannte Sternbildungsregionen auszusehen, zum Beispiel wie der Adlernebel Messier 16, der die berühmten „Säulen der Schöpfung“ enthält, oder der Konusnebel, der Teil von NGC 2264 ist.

Dieses eindrucksvolle Bild wurde in Wirklichkeit aus mehr als 500 Einzelaufnahmen erstellt, die durch vier verschiedene Farbfilter mit dem VLT Survey Telescope aufgenommen wurden. Die Gesamtbelichtungszeit betrug mehr als 56 Stunden. Es ist die detailreichste Ansicht dieser Region, die man bisher gewinnen konnte.

Endnoten
[1] Außerdem hat dieser Nebel zusätzlich in bescheidenem Rahmen Bekanntheit unter Astronomen, weil ein früheres Bild als Cover der DVD der Softwaresammlung Scisoft verwendet wurde, die von der ESO zusammengestellt wurde und deren neueste Version vor wenigen Wochen herausgekommen ist. Er trägt deshalb auch den Namen Scisoft-Nebel.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch 16 Länder: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO verfügt über drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Chile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist einer der Hauptpartner bei ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Auf dem Cerro Armazones unweit des Paranal errichtet die ESO zur Zeit das European Extremely Large Telescope (E-ELT) mit 39 Metern Durchmesser, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO, Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Mobil: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1510.

Carolin Liefke | ESO-Media-Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1510/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht MADMAX: Ein neues Experiment zur Erforschung der Dunklen Materie
20.10.2017 | Max-Planck-Institut für Physik

nachricht Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung
20.10.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise