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Ein sprudelndes kosmisches Fest

27.05.2015

Im hellsten Teil dieses leuchtenden Nebels mit dem Namen RCW 34 wird Gas durch junge Sterne schlagartig erhitzt und expandiert in das umgebende kühlere Gas. Sobald der erhitzte Wasserstoff den Rand der Gaswolke erreicht, schießt er förmlich wie der Inhalt einer entkorkten Sektflasche nach außen ins Vakuum – diesen Prozess bezeichnet man deshalb auch als „Champagner-Fluss“. Allerdings hat die junge Sternentstehungsregion RCW 34 mehr zu bieten als nur ein paar Blasen: Es scheint dort mehrere Episoden der Sternentstehung innerhalb derselben Wolke gegeben zu haben.

Dieses neue Bild, aufgenommen mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO in Chile, zeigt eine beeindruckende rote Wolke aus leuchtendem Wasserstoffgas hinter einer Ansammlung von blauen Vordergrundsternen.


Diese farbenfrohe Wolke aus Gas namens RCW 34 ist ein Ort der Sternentstehung im südlichen Sternbild Vela (Segel des Schiffs). Diese Bild wurde mit dem FORS-Instrument am Very Large Telescope der ESO im Norden Chiles aufgenommen.

Herkunftsnachweis: ESO

Innerhalb von RCW 34 – im südlichen Sternbild Vela (Segel des Schiffs) gelegen – versteckt sich eine Gruppe massereicher junger Sterne im hellsten Bereich der Wolke [1]. Diese Sterne haben einen entscheidenden Einfluss auf den Nebel: Gas, das starker ultravioletter Strahlung ausgesetzt ist – wie es im Herz des Nebels geschieht – wird ionisiert, die Elektronen entkommen also aus den Wasserstoffatomen.

Wasserstoffgas ist für Astrofotografen ein belietes Motiv: Da es hell in der charakteristischen roten Farbe leuchtet, die viele Nebel charakterisiert, erlaubt es ihnen wunderschöne Bilder mit bizarren Formen zu schießen. Außerdem stellt es das Ausgangsmaterial dramatischer Phänomene wie dem Champagner-Fluss dar.

Allerdings spielt ionisierter Wasserstoff auch eine wichtige astronomische Rolle: Er ist ein Hinweis auf Sternentstehungsgebiete. Sterne werden in kollabierenden Gaswolken geboren und kommen deshalb in Gebieten mit großen Mengen an Gas wie RCW 34 zahlreich vor. Das macht den Nebel besonders für Astronomen interessant, die die Geburt und Entwicklung von Sternen untersuchen.

Die Sicht auf die inneren Abläufe der stellaren Kinderstube, die tief in diesen Wolken eingebettet ist, wird durch riesige Mengen an Staub innerhalb des Nebels versperrt. Charakteristisch für RCW 34 ist die extrem hohe Extinktion, was bedeutet, dass fast das gesamte Licht aus dieser Region absorbiert wird, bevor es die Erde erreicht. Obwohl sich das Nest aus eingeschlossenen Sternen einem direkten Blick verweigert, können Astronomen mithilfe von Infrarotteleskopen durch den Staub hindurchspähen, um es näher zu untersuchen.

Ein Blick hinter das rote Leuchten enthüllt eine Vielzahl junger Sterne in dieser Region, die nur einen Bruchteil der Masse der Sonne besitzen. Diese scheinen sich hauptsächlich um ältere, massereichere Sterne im Zentrum anzusammeln, während nur wenige in den Außenbereichen zu finden sind.

Aufgrund dieser Verteilung glauben Astronomen, dass es innerhalb der Wolke mehrere Phasen der Sternentstehung gegeben hat. Zuerst bildeten sich drei riesige Sterne, was wiederum die Bildung mehrerer weniger massereicherer Sterne in der Umgebung zur Folge hatte [2].

Dieses Bild wurde mit dem FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph (FORS) aufgenommen, der am VLT angeschlossen ist. Die Daten selbst wurden im Rahmen des Cosmic Gems-Programms der ESO gewonnen [3].

Endnoten


[1] RCW 34 trägt auch die Bezeichnung Gum 19. In seinem Zentrum befindet sich ein heller junger Stern namens V391 Velorum.


[2] Die massereicheren, sehr hellen Sterne haben nur eine kurze Lebenserwartung – im Bereich von Millionen von Jahren – aber die weniger massereichen leben länger, als das Universum momentan alt ist.


[3] Das ESO Cosmic Gems-Programm (wörtlich „kosmische Edelsteine“) ist eine ESO-Initiative zur Erstellung von astronomischen Aufnahmen für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Das Programm nutzt hauptsächlich Zeiten, während derer die Beobachtungsbedingungen nicht den strengen Ansprüchen wissenschaftlicher Beobachtungsarbeit genügt, um Bilder von interessanten, faszinierenden oder von Himmelsobjekten anzufertigen, die einfach schön anzusehen sind. Die Bilddaten sind anschließend im wissenschaftlichen Archiv der ESO für jedermann zugänglich. Auch professionelle Astronomen können sie für ihre Zwecke nutzen.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch 16 Länder: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO verfügt über drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Chile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist einer der Hauptpartner bei ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Auf dem Cerro Armazones unweit des Paranal errichtet die ESO zur Zeit das European Extremely Large Telescope (E-ELT) mit 39 Metern Durchmesser, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

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Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Mobil: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

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Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1521.

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