Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dramatische Sterngeburt - Junge Sterne richten Chaos in ihrer Geburtsstätte an

16.03.2011
Eine neue Aufnahme vom Very Large Telescope der ESO zeigt die dramatischen Auswirkungen, die neugeborene Sterne auf ihre Kinderstuben aus Gas und Staub haben. Während die Sterne selbst dem Blick der Teleskope verborgen bleiben, kollidiert in ihrer Umgebung herausgeschleudertes Material mit Gas und Staub. Das Ergebnis sind surreale Landschaften aus glühenden Bögen, Flecken und Streifen.

ESO-Bildveröffentlichung: Das Sternentstehungsgebiet NGC 6729 im Sternbild Südliche Krone (Corona Australis) ist Teil einer der nächstgelegenen Sternkinderstuben und war bereits Gegenstand umfassender wissenschaftlicher Untersuchungen. Die neue Aufnahme vom Very Large Telescope der ESO zeigt eine Detailansicht dieser fremdartigen und gleichzeitig faszinierenden Himmelsregion (eine Großfeldaufnahme davon zeigte eso1027). Die Rohdaten des Bildes hat Sergey Stepanenko im Rahmen des Wettbewerbs „ESO's Hidden Treasures“ [1] aus den ESO-Archiven ausgewählt und errang mit seinem aus den Rohdaten erstellten Bild von NGC 6729 den dritten Platz.


Detailansicht der dramatischen Sterngeburt
Bild: ESO

Die Entstehung neuer Sterne beginnt tief im Inneren von Molekülwolken statt, hinter dichtem Staub verborgen. Solche Sterne verstecken sich, für optische Teleskope unsichtbar, auch oben links in dem hier vorgestellten Bild. Unübersehbar hingegen ist das Chaos, das die jungen Sterne in ihrer Umgebung angerichtet haben: Von den Sternbabys ausgehende, gebündelte Materieströme, die sich mit Geschwindigkeiten von bis zu einer Million Kilometern pro Stunde bewegen, kollidieren mit Gaswolken in ihrer Umgebung. Das führt zu dabei Stoßwellen, die das Gas zum Leuchten anregen und so die fremdartig aussehenden, farbig glühenden Bögen und Flecken erzeugen, die man als Herbig-Haro-Objekte bezeichnet [2].

In der Aufnahme sind die Herbig-Haro-Objekte entlang zweier Linien aufgereiht, was Bewegungsrichtungen des ausgeworfenen Materials entsprechen dürfte. Eine Reihung erstreckt sich von oben links in Richtung untere Bildmitte und endet dort einer hellen, kreisförmig angeordneten Gruppe von leuchtenden Bögen und Flecken. Die zweite beginnt nahe des linken oberen Bildfeldrandes und führt in eine Region rechts der Bildmitte. Die säbelähnliche Struktur oben links entsteht vermutlich durch Sternenlicht, das an Staub reflektiert wird und ist daher kein Herbig-Haro-Objekt.

Das hier gezeigte, kontrastverstärkte Falschfarbenbild [3] wurde aus Aufnahmen mit dem FORS1-Instrument am Very Large Telescope der ESO erstellt. Die Einzelbilder wurden durch zwei verschiedene Filter aufgenommen, die lediglich für Wasserstoff (orange dargestellt) und für ionisierten Schwefel (blau dargestellt) charakteristisches Licht passieren lassen. Farbunterschiede machen die unterschiedlichen Bedingungen in der chaotischen Sternentstehungsregion sichtbar: Bereiche, in denen das Licht des ionisierten Schwefels besonders hervortritt (die im Bild also blau erscheinen), kennzeichnen beispielsweise Regionen, in denen die Geschwindigkeiten des kollidierenden Materials vergleichsweise niedrig sind. Mit Hilfe solcher Informationen können die Astronomen die Vorgänge in dieser dramatischen Szene entschlüsseln.

Endnoten

[1] Der Wettbewerb “ESO’s Hidden Treasures 2010” bot Amateurastronomen die Möglichkeit, das große Archiv astronomischer Daten der ESO nach einem sprichwörtlichen Rohdiamanten zu durchsuchen, der zu einem Schmuckstück geschliffen werden musste. Die Teilnehmer reichten nahezu 100 Bilder bei der ESO ein. Die zehn talentiertesten Bildkünstler gewannen wertvolle Preise. Hauptgewinn war eine Reise zum Very Large Telescope (VLT) der ESO auf dem Cerro Paranal in Chile. Die insgesamt zehn Gewinner reichten bei dem Wettbewerb die 20 höchstbewerteten Bilder ein.

[2] Die beiden Astronomen George Herbig und Guillermo Haro waren zwar nicht die Entdecker der nach ihnen benannten Herbig-Haro-Objekte, haben aber als erste die Spektren dieser seltsamen Erscheinungen untersucht. So konnten sie feststellen, dass es sich dabei nicht nur um Ansammlungen von Gas und Staub handelt, die Licht reflektieren, sondern um eine völlig neue Klasse von Objekten, die in Zusammenhang mit Massenauswürfen in Sternentstehungsregionen stehen.

[3] Sowohl ionisierte Schwefel- als auch Wasserstoffatome im Nebel erzeugen rotes Licht. Um eine Unterscheidung zwischen beiden zu ermöglichen, wurde das Licht der Schwefelatome im Bild blau dargestellt.

Zusatzinformationen

Der FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph (wörtlich "Brennweitenreduzierer und niedrigauflösender Spektrograf") ist das vielseitigste Instrument des Very Large Telescope. Die Kombination aus astronomischer Kamera und Spektrograf wurde gemeinsam von den Universitätssternwarten in Heidelberg, Göttingen und München und der ESO entwickelt und gebaut. FORS war eines der ersten Instrumente, das am Very Large Telescope installiert wurde.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Deutschland
Tel: 06221 528226
E-Mail: eson@mpia.de
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Cell: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Carolin Liefke | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1109/
http://www.eso.org/public/archives/releases/sciencepapers/eso1109/eso1109.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Schnell wachsende Galaxien könnten kosmisches Rätsel lösen – zeigen früheste Verschmelzung
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht 3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind
24.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften