Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Curiosity-Marsmission: Schwierigster Teil geglückt

06.08.2012
2,5-Mrd.-Dollar-Projekt wird vorrangig nach Wasser suchen

Die NASA-Marssonde "Curiosity" hat am heutigen Montag um 7:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem roten Planeten aufgesetzt. Nach acht Monaten Flug über 567 Mio. Kilometer gelang die Landung am Krater "Gale" auf der südlichen Marshalbkugel.


Curiosity-Landung: Hinweise auf Bewohnbarkeit gesucht (Bild: NASA)

Hauptziel der Mission ist die Suche nach Wasser: "Es geht um eine breit angelegte chemische Exploration der Landschaft, die Hinweise für die Wassergeschichte des Planeten liefern soll", erklärt Tilman Spohn, Leiter des Instituts für Planetenforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), gegenüber pressetext.

Europa hätte Landung nicht geschafft

"Der Jubel der NASA war berechtigt: Die Landung war bereits der spektakulärste und schwierigste Teil der Mission", betont Wolfgang Baumjohann, Direktor des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften http://iwf.oeaw.ac.at , im pressetext-Interview. Sonst übliche Airbags kamen aufgrund des hohen Transportgewichts nicht in Frage, weshalb unter anderem Fallschirme, acht Bremsraketen und ein Kran zum Einsatz kamen. "Diese Landung wäre technisch niemand anderem als der USA gelungen", streut der Experte seinen US-Kollegen Rosen.

Ziel des mit 2,5 Mrd. Dollar extrem hohen Aufwandes: Das bisher größte Roverfahrzeug, das sich in Größe und mit über 900 Kilogramm Gewicht einem Mittelklassewagen gleichkommt, gelangte an seinen Bestimmungsort. Es kann die 15-fache Nutzlast tragen und nutzt dies für eingebaute Labore, die in Summe für Baumjohann einen "Robotergeologen" ausmachen: Geräte für Massenspektrografie und Röntgenbestrahlung sind an Bord, zudem unter anderem Kameras und eine Wetterstation.

Suche nach Wasser

In den nächsten zwei Jahren sucht Curiosity nach Verbindungen von Kohlenstoff, jedoch auch von anderen Elementen wie etwa Phosphor, Stickstoff, Eisen. "Es geht um den Aspekt einer früheren oder heutigen Bewohnbarkeit, besonders jedoch um das Wasservorkommen", erklärt Spohn. Dass es im Krater Gale einst Wasser gab, gilt als sicher: Die 2003 gestartete Raumsonde "Mars Express" hat deutlich gezeigt, dass der Krater mit Sedimenten und Gips gefüllt ist. "Nun geht es um die Suche nach mineralbiologischen Verbindungen, die durch die Einwirkung von Wasser entstanden sind", so der Planetenforscher.

Deutschland misst Strahlen

Indirekt an der Mission beteiligt ist das DLR durch ein Strahlenmessgerät, das schon bei der Anreise drei solare Partikeleruptionen aufzeichnete. "Erstmals werden nun Strahlenwerte auf der Marsoberfläche gemessen", erklärt DLR-Strahlenbiologe Günther Reitz gegenüber pressetext. Auf die ersten Messdaten vom roten Planeten wartet er noch - "innerhalb dieser Woche sollten sie kommen", so seine Ankündigung.

Da dem roten Planet sowohl Magnetfeld als auch Atmosphäre fehlen - bloß 16 Gramm CO2 "bremsen" einfallende Strahlung - ist die Belastung hoch: Mit 0,5 Millisievert pro Tag reichen fünf Tage Aufenthalt, um dieselbe Strahlenmenge einzufangen wie auf der Erdoberfläche in einem Jahr. Menschliche Marsbesucher der Zukunft sollen laut heutigen Vorstellungen 30 Tage bis ein Jahr verweilen. "Druck, Staub und Temperatur werden für die Gesundheit der Marsbesucher auch mitspielen, die größte Gefahr geht jedoch eindeutig von der Strahlung aus", betont Reitz.

Nachfolgemission ist ESA-Angelegenheit

Für eine geplante Curiosity-Nachfolgemission - die freilich noch keine Menschen befördern soll - ist die europäische Raumfahrtsbehörde ESA nach einer NASA-Absage auf sich alleine gestellt und hofft auf Russland als Partner. Spohn hält die Durchführung als "ExoMars" bezeichnete Misssion jedoch für "sehr wahrscheinlich": "Für ein Abblasen ist bereits zu viel Geld geflossen. Derzeit werden die Kosten von der ESA mit rund einer Mrd. Dollar beziffert, wobei rund 50 Prozent noch für die Instrumentierung dazukommen dürften."

"ExoMars" soll eines Tages das zustande bringen, was Curiosity nicht schaffen kann: Direkte Nachweise für Leben finden. Die Umsetzung würde durch Isotopen-Messgeräte erfolgen, die nach Kohlenstoff-Isotopen biogenen Ursprungs suchen. Spohn erwartet ebenfalls ein Rover-Fahrzeug, das allerdings kleiner ausfallen wird als sein aktuelles US-Pendant. Während die ESA 2016 für den Missionsstart anpeilt, hält der DLR-Experte eher 2018 für wahrscheinlich - "wobei das günstige Zeitfenster für den Mars abgewartet werden muss."

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.dlr.de

Weitere Berichte zu: Baumjohann Curiosity DLR ESA ExoMars Krater Landung Luft- und Raumfahrt Mars Marsbesucher Mission Planet Spohn kosmische Strahlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Waschen für die Mikrowelt – Potsdamer Physiker entwickeln lichtempfindliche Seife
02.12.2016 | Universität Potsdam

nachricht Quantenreibung: Jenseits der Näherung des lokalen Gleichgewichts
01.12.2016 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie