Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Curiosity geht Mars auf den Grund

03.08.2012
Max-Planck-Forscher suchen mit dem rollenden Labor nach Wasser und organischen Verbindungen

Er wiegt 900 Kilogramm, trägt zehn wissenschaftliche Instrumente an Bord und ist das leistungsfähigste Labor, das jemals zu unserem Nachbarplaneten geschickt wurde: der Rover Curiosity.


Neugierig auf den Mars: "Curiosity" ist der schwerste und leistungsfähigste Rover, der jemals zum roten Planeten geschickt wurde. © NASA/JPL-Caltech


Spürnase: Das Instrument "Sample Analysis at Mars (SAM)" vor seinem Einbau auf den Rover.
© NASA/GSFC

Mit ihm soll eine neue Ära der Marsforschung beginnen. Zum Team der offiziell Mars Science Laboratory genannten Mission der US-Weltraumagentur Nasa zählen auch Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. Neben der Suche nach organischen Verbindungen im Marsboden interessieren sie sich vor allem für Zusammensetzung und Beschaffenheit des Gesteins.

Der Mars ist der meistbesuchte Planet in unserem Sonnensystem: Seit den Landepionieren Viking 1 und 2, die 1975 im roten Wüstensand aufsetzten, haben vier weitere Raumsonden Daten von der Oberfläche des Planeten zur Erde gefunkt. Derzeit befinden sich drei funktionsfähige Satelliten in der Mars-Umlaufbahn.

Dennoch birgt unser Nachbarplanet noch immer viele Rätsel: Enthält der Boden kohlenstoffhaltige organische Substanzen? Gibt es gar Hinweise auf bakterielle Aktivitäten? Welche Prozesse haben das heutige Gesicht des Mars geformt? Und welche Rolle spielte dabei das Wasser, das einst in gewaltigen Flussbetten über den Planeten floss und stellenweise noch heute als Eis im Boden schlummert?

„Der Krater Gale, in dem Curiosity landen soll, ist ein perfekter Ausgangspunkt, um diesen Fragen nachzugehen“, sagt Walter Goetz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Goetz nimmt als Mitglied des Wissenschaftsteams an der Mission teil. Der Krater liegt auf der südlichen Halbkugel ganz in der Nähe des Äquators und besitzt einen Durchmesser von 154 Kilometern. Er entstand vor mehr als drei Milliarden Jahren bei einem Meteoriteneinschlag.

Vor allem die Schichtstruktur des hohen Berges in der Kratermitte erlaubt Einblicke in vergangene Epochen der Marsevolution. Aufnahmen aus dem Orbit zeigen zudem Anzeichen für Erosion im unteren Teil des Berges. „Soweit wir das beurteilen können, legen Form und Mineralogie des Berges nahe, dass flüssiges Wasser die Strukturen, die wir heute sehen, mitgeprägt hat“, sagt Goetz.

Der Max-Planck-Forscher wird vor allem Messdaten der Kamera Mars Hand Lens Imager (MAHLI) nutzen. Das Instrument bietet eine Auflösung von 20 bis 30 Mikrometern pro Pixel und ermöglicht es dem Geologen, einzelne Sandkörner des Marsbodens unter die Lupe zu nehmen. „Größe, Form, Farbe und mineralogische Zusammensetzung der Partikel lassen Rückschlüsse zu, wie sich das Terrain in den vergangenen Milliarden Jahren entwickelt hat – etwa ob die Teilchen an Ort und Stelle gebildet wurden oder ob Wind sie in den Galekrater transportiert hat“, erklärt Walter Goetz. In den nächsten drei Monaten wird er die Mission am Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena begleiten.
Zusätzlich setzt Walter Goetz auf Messdaten des Spektrometers Chemistry and Mineralogy (CheMin), das die Bodenproben mithilfe von Röntgenstrahlung untersucht. „Das Wissenschaftsteam in Pasadena wird die Daten aller Instrumente täglich sichten, um dann die Route des Rovers für den nächsten Tag zu bestimmen“, sagt der Forscher über die Aufgaben während der Mission.

Vom Max-Planck-Institut in Katlenburg-Lindau aus unterstützt zudem Fred Goesmann die Mission. Der Physiker ist als Wissenschaftler am Instrument Sample Analysis at Mars (SAM) beteiligt. „SAM ist kein einzelnes Instrument, sondern vielmehr ein komplexes, automatisiertes Labor“, sagt Goesmann. Eine ausgeklügelte Abfolge von Sieben, Öfen, Spektrometern und weiteren Messgeräten erlaubt es, Gas- und Bodenproben umfassend zu analysieren.
Hauptaufgabe des 38 Kilogramm schweren Komplexes ist es dabei, nach organischen Verbindungen zu suchen. „Sollte es einst Leben auf dem Mars gegeben haben, müsste es Spuren dieser Art hinterlassen haben“, so der Wissenschaftler.

Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung war seit 1996 an fünf Marsmissionen der amerikanischen und europäischen Weltraumbehörden beteiligt. Vor vier Jahren etwa spielte das Institut eine maßgebliche Rolle bei der Landemission Phoenix der Nasa. Die Kamera an Bord, der erstmals Aufnahmen gefrorenen Wassers im Marsboden gelangen, hatten Wissenschaftler und Ingenieure in Katlenburg-Lindau entwickelt und gebaut. Für die geplante Mission ExoMars der Esa entwickeln Max-Planck-Wissenschaftler derzeit ein Instrument, dass organische Moleküle auf der Marsoberfläche untersuchen soll.

Dr. Birgit Krummheuer | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/5930948/Mars_Curiosity

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Maschinelles Lernen im Quantenlabor
19.01.2018 | Universität Innsbruck

nachricht Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt
17.01.2018 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie