Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bremsseil gegen Asteroiden-Einschläge

21.04.2009
Weniger problematisch als galaktische Wasserstoffbombe

Asteroiden, die ihren Kurs auf die Erde nehmen, könnten durch eine angehängte Masse abgelenkt werden. Das behauptet der Raumfahrtstechniker David French von der North Carolina State University.

Seine Idee beruht auf einer Balastmasse, die über ein 1.000 bis 100.000 Kilometer langes Seil an einen Asteroiden geknüpft wird. Dadurch ändert sich nicht nur das Massenzentrum des Himmelskörpers, sondern auch dessen Umlaufbahn. Erste Simulationen bestätigen die Funktionstauglichkeit der Methode. "Bei manchen sehr großen Asteroiden könnte diese Methode jedoch schwer anwendbar sein", gibt French im pressetext-Interview zu bedenken.

Scheint diese Taktik zur Abwehr der Bedrohung aus dem All auch weit hergeholt, bezeichnet sie French als "weniger problematisch als bisherige Rettungsmodelle". So wurde etwa überlegt, die gesamte Oberfläche des Asteroiden mit einem speziellen Lack zu bemalen, um den Einfluss des Lichts auf die Umlaufbahn zu verändern. Eine weiterer Ansatz glaubt an die Möglichkeit, gefährliche Asteroiden im All mit anderen Asteroiden kollidieren zu lassen. "Am meisten diskutiert wird jedoch noch immer der Einsatz von Nuklearwaffen, mit denen man die Asteroiden zerstören will. Das würde nicht nur gewaltige politische und technische Hindernisse mit sich bringen, sondern könnte den Asteroiden auch in mehrere Teile zerfallen lassen und das Problem dadurch bloß vervielfachen", so der US-Raumfahrtstechniker.

Zur Umsetzung der Bremsseil-Idee sind jedoch noch viele technische Hürden zu überwinden, unter ihnen die Frage, wie man die Bremsleine am Asteroiden befestigt. "Manche Asteroiden sind bloß Schuttansammlungen, deren genaue Zusammensetzung man noch nicht kennt", erklärt French. Als Material für das lange Bremsseil könnten sich Nanoröhren aus Kohlenstoff oder Kevlarfasern eignen. Die Suche nach einer geeigneten Bremsmasse überlässt French hingegen zukünftigen Planern. "Fest steht jedenfalls, dass das nötige Ballastgewicht von Masse des Asteroiden sowie von der Seillänge abhängt. Je länger das Seil, umso geringer kann die Bremsmasse sein."

Zweifel an der Durchführbarkeit der Methode äußert Thomas Posch vom Institut für Astronomie der Universität Wien http://astro.univie.ac.at gegenüber pressetext. "Die kleinsten erdnahen Asteroiden mit 30 Meter Durchmesser wiegen 10.000 Tonnen, was mehreren beladenen Güterzügen entspricht. Gleichzeitig bewegen sie sich mit hundertfacher Schallgeschwindigkeit durch das All. Damit die Ablenkung tatsächlich gelingt, wäre eine sehr große Bremsmasse und eine äußerst reißfeste Bremsleine erforderlich." Als leichter durchführbar sieht Posch tangentiale Rückstoß-Impulse, die durch Sprengungen ausgelöst werden (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090210004/ ).

Bisher kennt die Astronomie über 1.000 Asteroiden, die auf ihrem Weg der Erde gefährlich nahe kommen könnten. Zwar steuert keines dieser Objekte direkt auf die Erde zu, doch könnten Sonnenwinde oder die Anziehungskraft anderer Himmelskörper die Umlaufbahn so verändern, dass es zu einer Kollision mit der Erde kommt. "Es ist durchaus wahrscheinlich, dass der Mensch eines Tages in der Lage ist, Einschläge bestimmter Asteroiden zu verhindern", so die Einschätzung des Wiener Astronomen. Entscheidendes Kriterium sei jedoch die Größe. "Bei Asteroiden unter einem Kilometer Größe scheint das möglich. Doch manche Asteroiden haben einen Durchmesser von 1.000 Kilometern."

Die Erforschung von Abwehrsystemen gegen den Einschlag von Asteroiden basiert bisher auf der Initiative und Finanzierung einzelner nationaler Organisationen wie der NASA. "Eine UNO-Beauftragung gibt es bisher nicht, auch wenn es sich um Probleme handelt, die die gesamte Erde betreffen", so Posch. Chancen auf Förderungen durch Einzelstaaten hätten besonders Forschungen, die in Verbindung mit einem militärischen Hintergrund stehen. "Bisherige Modelle weisen Parallelen mit der Technik von Raketenschutzschildern auf", so der Wiener Astronom.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ncsu.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern
17.08.2017 | Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg

nachricht Optische Technologien für schnellere Computer / „Licht“ mit Wespentaille
16.08.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie