Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Braunschweiger Wissenschaftler entdecken diamagnetische Kavität im Umfeld von Rosetta

10.08.2015

Effekte sind größer als erwartet

Mit Überraschungen umzugehen ist nicht jedermanns Sache. Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es aber oft besonders spannend, wenn ihre Beobachtungen von den theoretischen Berechnungen abweichen. Denn unvorhergesehene Messwerte können ebenso wichtige Erkenntnisse zutage fördern wie die Bestätigung von Prognosen.


Die Daten des Orbiter-Magnetometers RPC-MAG zeigen, wie sich die Stärke des Magnetfeldes etwa 10 Minuten lang deutlich verringert

IGEP/TU Braunschweig

Für Forscherinnen und Forscher am Institut für Geophysik und Extraterrestrische Physik der Technischen Universität Braunschweig (IGEP) ist die Rosetta-Mission voll von solchen produktiven Überraschungen. Jetzt erregt ein magnetfeldfreier Raum, eine "diamagnetische Kavität", rund um den Kometen „Chury“ die Aufmerksamkeit der Fachwelt.

Im Rahmen der internationalen Rosetta-Mission zu „Chury“ (67P/Churyumov-Gerasimenko) sind die Braunschweiger Wissenschaftler für die Vermessung der Magnetfelder im Kometen selbst und in seinem Umfeld zuständig. „Erst vor kurzem haben wir nachgewiesen, dass der Kern von ‚Chury‘ nicht magnetisch ist“, erläutert Charlotte Götz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IGEP.

Um den Kometen herum gibt es allerdings den Sonnenwind, der ein permanentes Magnetfeld mit sich bringt. Vom Kometen strömt allerdings Gas aus, das diesen Sonnenwind verlangsamt und ihn schließlich direkt vor dem Kometen zum Stillstand bringt. Damit kann das von Sonnenwind mitgeführte Magnetfeld nicht weiter zum Kometen vordringen, und es entsteht eine diamagnetische Kavität. Diamagnetismus meint in diesem Zusammenhang, dass das Magnetfeld aus dieser Region verdrängt wird.

Ein äußerst seltenes Phänomen

„Dass sich beim Zusammentreffen des Gasausstoßes mit dem Sonnenwind eine diamagnetische Kavität von bis zu einigen zehn Kilometern bilden würde, hatten wir erwartet“, erläutert Charlotte Götz. Solche feldfreien Bereiche im Sonnensystem zu finden, sei mithin keine leichte Aufgabe, erklärt die Nachwuchswissenschaftlerin. Erst ein einziges Mal konnte das Phänomen beobachtet werden, und zwar 1986 am erheblich stärker ausgasenden Kometen 1P / Halley.

„Da unser Messgerät auf der Rosetta-Sonde aber fast 200 Kilometer vom kleinen ‚Chury‘ entfernt ist, hatten wir kaum darauf gehofft, die Kavität nachweisen zu können. Nun hat die Rosetta-Mission uns dies sozusagen auf dem Silbertablett serviert. Und die Kavität ist tatsächlich erheblich größer, als wir angenommen hatten, deshalb muss die Ausgasungsrate höher sein als erwartet.

Bei der Erforschung von Kometen geht es unter anderem um die Frage, welche Kräfte am Zusammenklumpen der ersten Himmelskörper in unserem Sonnensystem beteiligt waren. Für Charlotte Götz haben die Aufzeichnungen noch einen positiven Nebeneffekt. „Wir wissen, dass das Magnetfeld in diesem Bereich nahe Null ist. Dadurch können wir unsere Instrumente in dieser Zeit kalibrieren und erhalten noch präzisere Messergebnisse“, stellt sie fröhlich fest.


Kontakt:

Charlotte Götz M.Sc.
Tel.: 0531 391 5242
E-Mail: c.goetz@tu-braunschweig.de

Dr. Ingo Richter
Tel.-Nr.: 0531 391 5223
E-Mail: i.richter@tu-braunschweig.de

Technische Universität Braunschweig
Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik
Mendelssohnstr. 3, 38106 Braunschweig

Weitere Informationen:

http://www.igep.tu-bs.de/index.html
http://rosetta.esa.int/
http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/Rosetta

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Max-Planck-Princeton-Partnerschaft in der Fusionsforschung bestätigt
23.11.2017 | Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

nachricht Magnetfeld-Sensor Argus „sieht“ Kräfte im Bauteil
23.11.2017 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung