Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Astronomen erforschen Geburt und Tod im All

26.11.2008
An der Universität Bonn hat eine neue Emmy-Noether-Gruppe ihre Arbeit aufgenommen. Die beteiligten Forscher wollen untersuchen, inwieweit Magnetkräfte bei Geburt und Tod von Sternen eine Rolle spielen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) stellt dafür mehr als eine Million Euro zur Verfügung.

Die Todeszuckungen eines Sterns können sehr ästhetisch aussehen. Besonders hübsch stirbt der Katzenaugen-Nebel: Elf Ringe umgeben eine bizarr geformte Skulptur aus Gas und Staub, in deren Zentrum ein winziger heller Punkt auszumachen ist - der verglühende Stern. Bei seinem Todeskampf schleudert er große Teile seiner selbst ins All. Gewaltige Magnetfelder formen daraus das augenähnliche Gebilde, das dem Nebel seinen Namen gab.

Das vermutet zumindest Dr. Wouter Vlemmings. Himmelsschönheiten wie der Katzenaugen-Nebel reizen die Neugier des 34-Jährigen. "Es gibt viele Sterne, die ihr Leben als bizarr geformte Wolke beenden", erklärt er. "Wir möchten verstehen, was diesen Prozess antreibt." Dazu will der gebürtige Holländer die Magnetkräfte messen, die in verglühenden Sternen am Werk sind. Die Zeit dafür ist gut gewählt: Momentan entstehen rund um den Globus neue High-Tech-Teleskope. Mit ihnen lassen sich Messungen durchführen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren.

Vlemmings leitet eine neue so genannte Emmy-Noether-Gruppe an der Universität Bonn. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert mit diesem Instrument herausragende Nachwuchswissenschaftler. Rund eine Million Euro fließen dafür in den nächsten fünf Jahren aus dem DFG-Säckel an das Argelander-Institut. Mit diesem Geld wird Vlemmings eine kleine Arbeitsgruppe aufbauen. Ihr Ziel: Richtung und Stärke von Magnetfeldern im All zu bestimmen - und zwar über riesige Distanzen von bis zu 50.000 Lichtjahren hinweg.

Damit wollen die Forscher nicht nur das Lebensende von Sternen unter die Lupe nehmen. Spannenderweise sind Magnetkräfte auch in den Kreißsälen des Universums am Werk. Dort ballen sich große Wolken aus Gas mehr und mehr zusammen ballen. Dabei bildet sich ein "Gaskreisel", der immer schneller rotiert, je kompakter er wird - ähnlich wie ein Eisläufer, der bei einer Pirouette die Arme anzieht. Aus der Rotoationsachse dieses werdenden Sterns werden schließlich in so genannten Jets riesige Materialmengen katapultiert. "Dafür sind ebenfalls Magnetkräfte verantwortlich", sagt der Emmy-Noether-Forscher. "Wir wollen wissen, welche Rolle sie bei der Sternentstehung spielen."

Laufstall im Büro

Die Leidenschaft für Astronomie teilt Wouter Vlemmings mit seiner Frau, der Dänin Dr. Kirsten Knudsen. Sie forscht ebenfalls am Argelander-Institut - ein Glücksfall, wie der Physiker freimütig zugibt: Jahrelang musste er zwischen dem gemeinsamen Wohnort Heidelberg und seiner Postdoc-Stelle in Manchester pendeln. Inzwischen wäre das nicht mehr so leicht möglich, wie schon der erste Blick in das gemeinsame Büro offenbart: Dort steht zwischen Computern, Bücherregalen und einer vollgeschriebenen Tafel ein Laufstall - für Maia, die kleine Tochter der beiden.

Kontakt:
Dr. Wouter Vlemmings
Argelander-Institut für Astronomie, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-3670 oder -3658
E-Mail: wouter@astro.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.astro.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Flashmob der Moleküle
19.01.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Verkehrsstau im Nichts
19.01.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie