Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie ein Blitz: Mikrowellen-Plasmastrahler kommt in der Medizin zum Einsatz

25.03.2010
Prof. Dr. Holger Heuermann vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der FH Aachen hat mit seinem Team einen Plasmastrahler für die Wund- und Hautbehandlung entwickelt. Schaltet man das Gerät ein, tritt an der Spitze eine Flamme aus - allerdings handelt es sich nicht um eine normale Flamme, sondern um eine Ionenwolke. Diese wird benutzt, um Keime, Bakterien, Viren und Sporen wirkungsvoll zu vernichten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Geräten dieser Art kann es mit Luft statt mit Edelgasen betrieben werden. Der Plasmastrahler könnte schon in kurzer Zeit Marktreife erlangen.
Wer den Begriff Mikrowelle hört, denkt erst einmal an den Mikrowellenherd in der Küche. Aber auch bei Mobilfunk, Radar oder Satellitenfernsehen kommen Mikrowellen zum Einsatz. In der Physik ist dies ein Sammelbegriff für elektromagnetische Wellen, die eine Wellenlänge zwischen einem Millimeter und einem Meter haben.
Prof. Dr. Holger Heuermann vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der FH Aachen entwickelt mit seinem Team Technologien, durch die Mikrowellen auch in anderen Anwendungsbereichen eingesetzt werden können. Er ist sehr erfolgreich bei der Generierung von Mikrowellenplasmen für Anwendungen wie Zündkerzen und Lampen (etwa Beamerlampen oder Energiesparlampen). Jetzt hat er gemeinsam mit dem Diplomanden Martin Schmitt ein neues Projekt entwickelt: Hierbei handelt es sich um einen Plasmastrahler für die Wund- und Hautbehandlung. Mit dem Begriff Plasma bezeichnet man in der Physik ein Gas, das teilweise oder vollständig aus freien Ladungsträgern, also Ionen oder Elektronen, besteht. 99 Prozent der sichtbaren Materie im Universum besteht aus Plasma. Natürliche Plasmen auf der Erde findet man etwa in Blitzen, auch Flammen sind plasmaähnlich. Beim Mikrowellenplasma erfolgt die Gasentladung, die zur Plasma-Erzeugung benötigt wird, durch Mikrowellen.
Der Plasmastrahler sieht auf den ersten Blick unscheinbar aus, etwa wie eine Mischung aus einem Senklot und einem Stift. Er ist zwölf Zentimeter lang, hat einen Durchmesser von weniger als zwei Zentimetern und ist mit Stahl ummantelt. Schaltet man das Gerät ein, tritt an der Spitze eine weiß-violette Flamme aus - allerdings handelt es sich nicht um eine normale Flamme, sondern um eine Ionenwolke. Diese wird benutzt, um Keime, Bakterien, Viren und Sporen wirkungsvoll - und für den Patienten schmerzfrei - zu beseitigen. Hierbei dringt das ionisierte Gas selbst in feinste Geweberitzen ein, die sonst kaum zu erreichen sind, und sorgt somit für eine gründliche Desinfektion von Wunden. Außerdem kann die Plasmabehandlung Wachstums- und Regenerationsprozesse anregen, was die Wundheilung beschleunigt. Neben der Behandlung von Hautkrankheiten ist auch ein Einsatz in der ästhetischen Medizin vorstellbar, beispielsweise durch die Entfernung von Pigmentflecken und die Glättung von Narben und Hautfalten. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass keine Allergien und Unverträglichkeiten bei der Plasmabehandlung der Haut auftreten.
Der Plasmastrahler von Prof. Heuermann funktioniert mit normaler Umgebungsluft. Weder spezielle Prozessgase noch Hochspannungen sind notwendig. Er ist sehr kostengünstig herstellbar und nahezu produktionsreif. Gesucht werden derzeit noch Partner aus Industrie und Forschung, die das nötige medizinische Know-how mitbringen.

Aufgrund der Komplexität der Thematik war der Plasmaphysik lange Zeit eine exotische Nische in der Welt der Technik beschieden. Das zunehmende Verständnis der Vorgänge in diesem Bereich sorgte in den letzten Jahren für einen Aufschwung dieser Technologie. Das Marktvolumen von Produkten, die durch die Plasmatechnologie möglich werden, wird weltweit auf etwa 500 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Kontakt:
FH Aachen
Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik
Prof. Dr. Holger Heuermann
Lehrgebiet Hoch- und Höchstfrequenztechnik
T +49. 241. 6009 52108
heuermann@fh-aachen.de

| idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht APEX wirft einen Blick ins Herz der Finsternis
25.05.2018 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

nachricht Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie
23.05.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics