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Blick durch den Staubschleier um einen kosmischen Hummer

20.02.2013
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Dieses neue Bild, aufgenommen mit dem VISTA-Teleskop der ESO, zeigt eine himmlische Landschaft aus leuchtenden Gaswolken in der Umgebung heißer junger Sterne, die rankenartig von dunklem Staub durchzogen wird.

Das Bild ist eine Ansicht im Infraroten und zeigt so die unter der Katalognummer NGC 6357 bekannte Sternkinderstube in einem völlig neuen Licht. Es entstand im Rahmen einer VISTA-Himmelsdurchmusterung, bei der die Milchstraße kartografiert wird, um ihre Struktur zu enthüllen und das Rätsel ihrer Entstehung zu lösen.


Der Hummernebel, aufgenommen mit dem VISTA-Teleskop der ESO
Bild: ESO/VVV Survey/D. Minniti. Acknowledgement: Ignacio Toledo

NGC 6357 liegt in einer Entfernung von etwa 8000 Lichtjahren im Sternbild Scorpius (der Skorpion) und wird wegen seines Erscheinungsbildes im sichtbaren Spektralbereich gelegentlich als Hummernebel bezeichnet [1]. Es handelt sich um eine Himmelsregion mit riesigen Gaswolken, die rankenartig von dunklem Staub durchzogen ist. In diesen Wolken bilden sich neue Sterne. Die massereichen, jungen Sterne strahlen im sichtbaren Licht hell blau-weiß.

Das hier vorgestellte Bild wurde aus Daten des Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy (VISTA) der ESO am Paranal-Observatorium in Chile erstellt. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt der gigantischen Himmelsdurchmusterung „VISTA Variables in the Vía Láctea“ (VVV), bei der die Zentralregion der Milchstraße untersucht wird (eso1242). Da die Infrarotstrahlung den Staub relativ ungehindert durchdringen kann, der das Objekt umgibt [2], bietet sich auf der neuen Aufnahme ein völlig anderer Anblick als auf Bildern im sichtbaren Licht – wie zum Beispiel auf diesem Bild vom dänischen 1,5-Meter Teleskop auf La Silla.

Einer der hellen jungen Sterne in NGC 6357 trägt die Bezeichnung Pismis 24-1 und galt eine Zeit lang als massereichster bekannter Stern überhaupt. Inzwischen hat sich jedoch herausgestellt, dass des sich dabei um mindestens drei hellen Einzelsterne handelt, von denen jeder weniger als 100 Sonnenmassen aufweist. Aber auch damit gehören diese Einzelsterne zu den massereichsten Sternen in unserer Milchstraße. Pismis 24-1 ist das hellste Objekt im Sternhaufen Pismis 24, dessen Mitglieder vermutlich alle zur gleichen Zeit im Inneren von NGC 6357 entstanden sind.

VISTA ist das größte und leistungsfähigste Teleskop für Himmelsdurchmusterungen, das je gebaut wurde, und dient speziell der Beobachtung des Himmels im infraroten Spektralbereich. Die VVV-Durchmusterung ist dem Zentralbereich der Milchstraße und einem Teil der galaktischen Ebene gewidmet. Der dabei entstehende, riesige Datensatz wird den Astronomen helfen, mehr über den Ursprung, die frühen Lebensstadien und die Struktur unserer Heimatgalaxie herauszufinden.

Einige Teile von NGC 6357 wurden auch im sichtbaren Licht mit dem NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskop und mit dem Very Large Telescope der ESO beobachtet. Ein Vergleich dieser Beobachtungen mit dem neuen Infrarotbild offenbart erstaunliche Unterschiede. Im Infraroten erscheinen die großen, rötlichen Wolken wesentlich weniger auffällig, während sich fahle violette Ranken aus Gas vom Nebel aus in verschiedene Bereiche erstrecken.

Endnoten

[1] Die Bezeichnung Hummernebel wird manchmal auch für die bekannte Sternentstehungsregion Messier 17 verwendet, die in den meisten Fällen aber Omeganebel genannt wird.

[2] Infrarotbeobachtungen können Details enthüllen, die auf Bildern, die im sichtbaren Licht aufgenommen wurden, unsichtbar bleiben. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn das Objekt sehr kalt oder von dichtem Staub verdeckt ist. Wenn Objekte sehr weit entfernt sind, wurde ein Teil ihres Lichts durch die Expansion des Universums oft ebenfalls bis in den Infrarotbereich rotverschoben.

Zusatzinformationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT & Survey Telescopes Press Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dr. Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

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