Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bikini Atoll - Ein strahlendes Paradies?

16.11.2009
Forscher der Leibniz Universität Hannover dokumentiert Strahlenbelastung auf dem Bikini Atoll

Dr. Claus Brunnenberg vom Zentrum für Strahlenschutz und Radioökologie der Leibniz Universität Hannover hat Boden- und Pflanzenproben auf der Insel Bikini stichprobenartig auf Radioaktivität untersucht.

Er kam während seines einwöchigen Aufenthalts dort durch Messungen mit elektronischen Personendosimetern zu einem überraschenden Ergebnis: Die durchschnittliche Tagesdosis auf Bikini liegt heute unter dem Dosis-Mittelwert von Hannover, der im selben Zeitraum bei ungefähr 1,6 Mikrosievert/Tag liegt. Allerdings weisen bestimmte Pflanzen und Gebiete der Insel deutlich erhöhte Radioaktivität auf.

Bei Rundfahrten und Rundgängen über die Insel Bikini führte Dr. Claus Brunnenberg neben dem Personendosimeter ein kombiniertes Dosisleistungs- und Kontaminationsmessgerät mit. Damit wurden etwa 50 Ortsdosisleistungsdaten (ODL) aufgenommen und rund 100 Kontaminationsmessungen an verschiedenen Oberflächen durchgeführt, beispielsweise an Straßen, Haus- und Bunkerwänden, am Strand, bewachsenen Böden, Grabsteinen, Baumaschinen und Kokosnüssen.

Die ODL-Werte stiegen vom Strand zum Inselinneren an. Dabei waren die Strandwerte vier Mal niedriger als der norddeutsche Mittelwert, der bei 0,08 Mikrosievert/Stunde liegt. In der Mitte der Insel überstiegen sie jedoch den Mittelwert um den Faktor 2. Noch höhere ODL-Werte wurden auf dem Friedhof gemessen. Hier lagen sie um den Faktor 3 über dem norddeutschen Mittelwert. "Obwohl der Friedhof in Strandnähe liegt, gibt es hier die erhöhte Dosis. Die Ursachen sind alte Grabsteine und Grabumrandungen, die vor den Atomversuchen auf dem Bikini Atoll aufgestellt worden sind. Sie bestehen aus sehr porösem Sandstein, in den Fallout und Washout tief eingedrungen sind", erklärt Dr. Brunnenberg. Die Grabsteine sind vor den Atomversuchen auf dem Bikini Atoll angefertigt worden. An diesen Oberflächen wurde die höchste Flächenkontamination festgestellt.

Erhöhte Konzentration von Cäsium-137 (CS-137) findet sich in den Kokosnüssen, die auf Bikini wachsen. Gamma-spektrometrische Messungen ergaben Gehalte von 1,6 kBq/kg an CS-137 für Kokosmilch und 1,3 kBq/kg für Kokosfleisch. Damit sind die Cäsiumwerte der untersuchten Kokosnuss über dem Richtwert der IAEA Basic Safety Standards, der bei 1,0 kBq/kg für Nahrungsmittel liegt, und gelten somit bei Verzehr als gesundheitsgefährdend.

Dem Zentrum für Strahlenschutz liegen weitere Proben vom Bikini Atoll vor, an denen Forscherinnen und Forscher des Zentrums auch andere radioaktive Inhaltsstoffe bestimmen. So werden beispielsweise in einer Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich mittels Beschleunigungsmassenspektrometrie die Proben auf unterschiedliche Plutoniumzusammensetzungen aus dem Fallout der Spalt- und Fusionsbomben untersucht. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Effektivität der unterschiedlichen Bombenkonstruktionen ziehen.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Berichte zu: ATOLL Atomversuch Bikini CS-137 Grabsteine Kokosnüsse ODL-Werte Radioaktivität Strahlenschutz Strand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Moleküle brillant beleuchtet
23.04.2018 | Max-Planck-Institut für Quantenoptik

nachricht Wie zerfallen kleinste Bleiteilchen?
23.04.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics