Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Besen aus Licht soll Farblaser billiger machen

31.08.2009
Mit einem Besen aus Licht lassen sich bestimmte Materialien, die in grünen Lasern zum Einsatz kommen, effektiv und vor allem preiswerter als bisher möglich reinigen. Ersonnen wurde die neue Methode von Physikern der Universität Bonn. Mit ihr lassen sich beispielsweise bestimmte Farblaser weit preiswerter als bislang herstellen. Die Forscher haben ihre Ergebnisse nun in der renommierten Fachzeitschrift "Nature Photonics" veröffentlicht (Nature Photonics 3, 510-512 (2009)).

Was Silizium für die Entwickler von Computerchips, ist für Laserphysiker eine Substanz namens Lithiumniobat. Diese Stellung verdanken die durchsichtigen Kristalle vor allem einer schönen Eigenschaft: Sie können die Farbe von Laserlicht verändern. Dazu müssen sie allerdings ausreichend sauber sein. Und diese Reinigung war bislang ein schwieriges und teures Unterfangen.

Es sind vor allem durch Licht umverteilbare Elektronen im Lithiumniobat, die die Farbumwandlung behindern. Sie zerstreuen das eingestrahlte Laserlicht und verringern so die Ausbeute. Die Forscher um den Bonner Physiker Professor Dr. Karsten Buse konnten diese freien Elektronen nun mit einem Besen aus Licht aus dem Kristall kehren.

Dazu bewegten die Forscher das Lithiumniobat durch einen schmalen, sehr intensiven Lichtstrahl. "Dieser Lichtstrahl regt die störenden Elektronen im Material an und erzeugt einen gerichteten Strom", erläutert Michael Kösters, der auf diesem Gebiet an seiner Doktorarbeit arbeitet. "Die Elektronen werden vom Lichtstrahl auf eine Seite des Kristalls gebürstet und häufen sich dort an."

Bei Raumtemperatur käme der Prozess bald zum Erliegen, da sich die Elektronen gegenseitig abstoßen. Irgendwann könnte der Lichtbesen gegen diesen elektrostatischen Effekt nichts mehr ausrichten. "Wir haben den Kristall daher auf 180 Grad erhitzt", sagt Kösters Kollege Dr. Daniel Haertle. "Bei diesen Temperaturen werden positiv geladene Teilchen - meist Wasserstoff- und Lithium-Ionen - im Lithiumniobat beweglich. Sie wandern mit den Elektronen mit und kompensieren deren negative Ladung."

Die Forscher konnten die Zahl der störenden Elektronen so unter die Nachweisgrenze senken. "Wir können das Material auf diese Weise theoretisch komplett sauber bekommen", sagt Professor Buse. Der Inhaber des Heinrich-Hertz-Stiftungslehrstuhls der Deutschen Telekom hat das Verfahren inzwischen zum Patent angemeldet und an einen der weltgrößten Hersteller von Lithiumniobat lizensiert.

Und wozu der Aufwand? "Anders als für Rot und Blau, gibt es bislang keinen vernünftigen grünen Halbleiterlaser", sagt Buse. Was es aber gibt, sind kostengünstige Infrarotlaser. Und hier kommt das Lithiumniobat ins Spiel: Wenn ein derartiger Kristall mit intensivem infrarotem Laserlicht bestrahlt wird, beginnen die Elektronen in ihm zu schwingen. Dabei entstehen wie bei einer zu stark gezupften Gitarrenseite "Obertöne". Diese haben eine höhere Frequenz und damit eine andere Farbe: Aus Infrarot wird Grün. Das Lithiumniobat muss aber robust genug für die hohen Lichtintensitäten sein.

Und warum hält man nicht einfach einen Grünfilter vor den Laser? Bei Sonnenlicht funktioniert das, weil die Sonne streng genommen nicht weiß ist, sondern bunt: Sie sendet Licht der unterschiedlichsten Frequenzen aus. Ein Grünfilter lässt nur den grünen Anteil des Sonnenlichts durch; für alle anderen Farben ist er undurchlässig: Wir sehen grün. Licht "umfärben" kann ein Filter dagegen nicht: Wenn wir das grüne Licht anschließend durch einen Rotfilter laufen lassen, sehen wir nicht etwa rot, sondern schwarz. Da Grünlicht keine roten Anteile enthält, blockiert der Rotfilter es komplett. Laserlicht ist ebenfalls einfarbig oder "monochromatisch"; ein Infrarotlaser hat daher keinen grünen Anteil, der sich einfach herausfiltern ließe.

Laserbeamer - so klein wie ein Stück Würfelzucker

Grüne Laser sind beispielsweise für medizinische und biologische Anwendungen wichtig. Die Hauptinteressenten sitzen jedoch in der Unterhaltungsindustrie. Denn mit farbigen Lasern lassen sich beispielsweise winzig kleine kostengünstige Mini-Beamer herstellen, die sich etwa in Handys oder Digitalkameras einbauen ließen. Erste Prototypen derartiger Laser-Projektoren gibt es bereits.

Konkurrenz erwächst ihnen durch die so genannten LED-Beamer, die bereits am Markt erhältlich sind. Doch Laser bieten verschiedene Vorteile. So erlauben sie einerseits eine weitere Miniaturisierung. "Die gesamten optischen Komponenten eines Mini-Laserprojektors sind kleiner als ein Stück Würfelzucker", erklärt Karsten Buse. "Außerdem muss man Laserprojektoren nicht fokussieren. Ihr Bild ist immer gestochen scharf - selbst wenn man es auf gewölbte Oberflächen wirft."

Bilder zu dieser Pressemitteilung gibt's im Internet unter http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/259-2009

Kontakt:
Professor Dr. Karsten Buse
Physikalisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4899
E-Mail: kbuse@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/259-2009

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala
20.04.2018 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht Licht macht Ionen Beine
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics