Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein neues Fenster in der Grundlagenforschung wird aufgestoßen

08.10.2007
Deutsche Beteiligung an dem Alpha-Magnet-Spectrometer (AMS) für die Internationale Raumstation fertig gestellt - Von Aachen aus ins All

Es ist eines der größten Forschungsprojekte, die je für den Einsatz im Weltraum entwickelt wurden und das jetzt am Europäischen Forschungszentrum CERN in Genf zusammengefügt wird: Das AMS-Experiment, ein moderner Teilchendetektor, der ab dem Jahre 2010 für einen Zeitraum von drei Jahren auf der Internationalen Raumstation ISS die Zusammensetzung der kosmischen Strahlung vermessen soll.

Unter Leitung des Nobelpreisträgers Prof. Dr. Samuel Ting sind weltweit 500 Wissenschaftler aus 56 Forschungsinstituten an diesem Projekt beteiligt. In Deutschland werden die Arbeiten von Univ.-Prof. Dr. Stefan Schael vom I. Physikalischen Institut der RWTH Aachen koordiniert. Gefördert vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), sind jetzt nach fast zehn-jähriger Entwicklungs- und Bauzeit die deutschen Beiträge zu dem AMS-Experiment fertig gestellt worden. Ende Oktober 2007 werden sie von Aachen aus ihren langen Weg bis zur Internationalen Raumstation antreten.

Vor dem Abtransport Richtung Genf möchten wir Ihnen am Dienstag, den 16.10.2007, um 10.00 Uhr in der Physikhalle der RWTH Aachen, Otto-Blumenthal-Straße die Gelegenheit geben, sich selbst von dem AMS-Experiment ein Bild zu machen.

... mehr zu:
»AMS »ISS »Luft- und Raumfahrt »NASA »Teilchen

Zu den wissenschaftlichen Fragestellungen, die mittels AMS beantwortet werden sollen, gehören die Suche nach Antimaterie und die Suche nach Dunkler Materie im Weltraum. AMS ist dazu mit einem großen supraleitenden Magneten ausgerüstet, der geladene Teilchen beim Durchflug auf Kreisbahnen zwingt. Im Inneren des Magneten befinden sich Halbleiterdetektoren, die die Spuren von geladenen Teilchen mit höchster Präzision vermessen. Aus der Krümmung der Spuren lassen sich die elektrische Ladung und die Energie der Teilchen bestimmen. Weitere Detektorkomponenten oberhalb und unterhalb des Magneten bestimmen die Masse der Teilchen.

Das I. Physikalische Institut der RWTH Aachen unter der Leitung von Professor Schael ist im Auftrag des DLR führend an Entwicklung und Bau des AMS Experiments beteiligt. In Zusammenarbeit mit der Universität Karlsruhe wurde der fast 400 Kilogramm schwere, achteckige Übergangsstrahlungsdetektor, der sich oberhalb des Magneten befindet, in den letzten zehn Jahren in Aachen entwickelt und gebaut. Darüber hinaus wurde in Aachen die Tragestruktur des Spurdetektors aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen gefertigt, ein Laser-System zur Überwachung der mechanischen Stabilität des Spurdetektors entwickelt und ein Szintillationszählersystem gebaut ,welches den Spurdetektor zylinderförmig umgibt.

Die einzelnen Komponenten von AMS werden im Laufe des nächsten halben Jahres aus ganz Europa an das Forschungszentrum CERN in Genf geliefert, wo das Experiment zusammengefügt und getestet wird. Nach einem abschließenden Test unter Weltraumbedingungen bei der ESA in Noordwijk geht es dann von Europa zum Kennedy Space Center in die USA, wo AMS für den Flug mit dem Space Shuttle 2010 vorbereitet wird. Im Anschluss werden die deutschen Wissenschaftler an der Auswertung der Daten von AMS mitarbeiten sowie den Betrieb der von ihnen gebauten Komponenten auf der ISS überwachen.

Das wissenschaftliche und technische Konzept für AMS ist bereits 1998 während eines zehntägigen Fluges eines Prototypen (AMS-01) mit der Raumfähre Discovery erfolgreich getestet worden. Schon bei diesem kurzen Flug konnten die Spuren von über 100 Millionen geladenen Teilchen der kosmischen Höhenstrahlung vermessen und neue Erkenntnisse über die Natur der geladenen kosmischen Höhenstrahlung gewonnen werden.

Durch den Absturz des Space Shuttles Columbia im Jahre 2003 hat sich der ursprüngliche Starttermin von 2003 auf frühestens 2009 verschoben. Während die NASA den Flug im Frühjahr 2007 noch aus Kostengründen streichen wollte, ist sie im Juli 2007 vom US-Kongress angewiesen worden, innerhalb von neun Monaten einen Plan vorzulegen, wie AMS auf die Internationale Raumstation gebracht werden soll. Im Protokoll des hohen Hauses ist dazu vermerkt:

"The Alpha Magnetic Spectrometer (AMS) will enable an ambitious, scientifically compelling experiment to investigate antimatter. Despite NASA's long-standing commitment to this unique experiment, the NASA Administrator last year stated that NASA would no longer commit to flying AMS to the International Space Station (SS) on the space shuttle. The Committee is disappointed that NASA has chosen to cancel the flying of this highly rated scientific experiment that would make use of the unique capabilities of the ISS. The Committee directs the Administrator to study the possibility of delivering the AMS to the ISS. This study should include the options considered, an analysis of those options, identify the preferred option including its cost and schedule, and how such an option could be implemented. This study should be submitted to the Committee within nine months of the enactment of this Act." (The Library of Congress, Committee Report 2 of 2 - House Report 110-240 - Commerce, Justice, Science and Related Agencies Appropriations Bill, 2008)

Vor fast genau 100 Jahren begann die Erforschung der kosmischen Strahlung , die Fluch und Segen für die Entwicklung von Leben auf der Erde ist, mit den ersten Ballonflügen von Victor Hess in Wien 1912. Jetzt wird mit dem Betrieb eines großen Teilchendetektors außerhalb der Erdatmosphäre wieder ein neues Fenster in der Grundlagenforschung aufgestoßen, welches weit über den eigentlichen Betrieb von AMS hinaus Erkenntnisse über die physikalischen Zusammenhänge zur Entstehung des Universums liefern wird.

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: AMS ISS Luft- und Raumfahrt NASA Teilchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern
17.08.2017 | Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg

nachricht Optische Technologien für schnellere Computer / „Licht“ mit Wespentaille
16.08.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie