Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mission Morgendämmerung

28.09.2007
Die Raumsonde DAWN bricht erstmals zu den Asteroiden Vesta und Ceres auf - an Bord zwei Kameras des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung

Eine Reise zu zwei der größten Asteroiden des Sonnensystems hat begonnen. Die Raumsonde Dawn wurde vom amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral, Florida, ins Weltall geschossen. Ziel ihrer über fünf Milliarden Kilometer langen Reise sind die Asteroiden Vesta und Ceres. Ausgestattet mit Kameras, an deren Bau maßgeblich das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau beteiligt war, soll die Sonde das Licht der Asteroiden vom ultravioletten bis hin zu infraroten Spektralbereich einfangen. Von den Beobachtungen der Mission Dawn, zu deutsch Morgendämmerung, erhoffen sich die Forscher, die Entstehung unseres Sonnensystems besser zu verstehen.

Gestern, um 7.34 Uhr Ortszeit (13.34 Uhr MESZ) hat die NASA die Raumsonde Dawn mit einer Rakete vom Typ Delta II ins All geschossen. Genau zweihundert Jahre, nachdem der Bremer Arzt und Astronom Heinrich Olbers Vesta mit dem Teleskop aufspürte, bricht nun erstmals eine Raumsonde zu Vesta und Ceres auf.

Während der Mission soll ein präzises Bildkartenwerk von jeweils mindestens 80 Prozent der Oberfläche der beiden Asteroiden erstellt werden. Die Wissenschaftler wollen dabei deren Topographie und mineralogische Zusammensetzung untersuchen. Außerdem wird der vom Schwerefeld der beiden massiven Körper minimal beeinflusste Funkverkehr zwischen der Sonde und der Erde auf winzige Veränderungen analysiert, um Informationen über das Gravitationsfeld der beiden Körper zu erhalten.

Reise zur Römischen Göttin des heiligen Feuers

24 Minuten nach dem Start hat sich das 1217 Kilogramm schwere Raumschiff Dawn von der Trägerrakete gelöst. Wenig später hat es dann an seinen beiden Seiten jeweils ein acht Meter langes Solarzellenpanel entfaltet. Die Solarpanelen erzeugen insgesamt zehn Kilowatt Leistung. Mit ihren drei Ionenstrahl-Triebwerken kann Dawn weite Strecken sehr viel effektiver als mit konventionellen Raketenantrieben zurückgelegen. Die Sonde entfernt sich nun von der Erde auf einer spiralförmigen Bahn durch das Sonnensystem - zunächst ganz langsam, aber kontinuierlich beschleunigend. Im März 2009 soll sie den Mars passieren und die Wechselwirkung mit dem Schwerefeld des Planeten nutzen, um ihre Fahrt nochmals zu beschleunigen.

In vier Jahren soll die Sonde den Asteroiden Vesta erreichen. Vesta, benannt nach der römischen Göttin des heiligen Feuers, ist der Sonne mit einer Entfernung von 322 bis 385 Millionen Kilometern relativ nah. Über die Oberfläche von Vesta ergossen sich deshalb vermutlich kurz nach der Entstehung vor fast 4,6 Milliarden Jahren, Ströme von basaltischer Lava, wie sie auch die Ozeanböden der Erde bedeckt. Teleskopische Beobachtungen zeigen, dass die Kruste Vestas von Gesteinen unterschiedlicher Zusammensetzung aufgebaut sein muss. Ähnlich muss sich auch die Erde entwickelt haben. Vesta ist damit der kleinste differenzierte Himmelskörper im Planetensystem.

2015: Station Zwergplanet

Nachdem sie Vesta etwa ein halbes Jahr umkreist hat, soll die Sonde auf eine Transferbahn zu Ceres - benannt nach der römischen Göttin des Ackerbaus - gebracht werden. Wenn Dawn den Asteroiden Ceres im Jahr 2015 erreicht, hat sie insgesamt bereits fünf Milliarden Kilometern zurückgelegt. Ceres, der größte Körper im Asteroiden-Hauptgürtel, wurde 1801 entdeckt und ursprünglich sogar für einen Planeten gehalten: Bei einem Durchmesser von rund 975 Kilometern ist Ceres von fast kugelförmiger Gestalt und wurde im vergangenen Jahr von der Hauptversammlung der Internationalen Astronomischen Union in Prag, wie auch Pluto, in den Rang eines Zwergplaneten versetzt.

Ceres liegt mit 380 bis 450 Millionen Kilometer viel weiter von der Sonne entfernt als Vesta. Wegen der niedrigeren Temperaturen bei der Bildung des Himmelskörpers wurde in Ceres daher ein größerer Anteil an leichten und flüchtigen Elementen eingebaut. Der Wasseranteil des Zwergplaneten wird auf 15 bis 25 Prozent geschätzt. Unter der Kruste von Ceres könnte eine vielleicht sogar hundert Kilometer mächtige Schicht aus Eis und möglicherweise auch Wasser liegen.

Deutsches Kamera-Knowhow auf amerikanischer Raumsonde

Die Sonde soll die Asteroiden aus unterschiedlich hohen Umlaufbahnen beobachten. Dabei ist es das erste Mal, dass auf einer NASA-Mission in die Tiefen des Sonnensystems keine amerikanische Kamera verwendet wird. Denn die beiden baugleichen Framing Cameras entstanden am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau in Zusammenarbeit mit dem Berliner Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze der Technischen Universität Braunschweig (IDA).

Beide werden Vesta und Ceres durch einen farbneutralen Filter sowie sieben Farbfilter für relativ schmale Wellenlängenbänder im Spektrum vom hochenergetischen UV-Licht bis zum nahen Infrarot erfassen. Daher können die Oberflächen von Vesta und Ceres nicht nur in Echtfarbe abgebildet werden. Vielmehr lassen sich mit den Kameras auch die Zusammensetzungen ihrer obersten Staubschicht, dem Regolith, untersuchen. Aus der niedrigsten Umlaufbahn um Vesta von 200 Kilometer Höhe werden Detailaufnahmen mit einer Auflösung von bis zu zwanzig Metern pro Bildpunkt (Pixel) erwartet.

Dawn ist eine Discovery Mission

Dawn ist die neunte Mission im Discovery Programm, das die NASA 1992 auflegte. Das Programm soll der Wissenschaft helfen, die Rätsel unseres Sonnensystems, etwa über seine Entstehung, zu lösen. In seinem Rahmen starteten unter anderem schon die Sonden Messenger, Stardust, Deep Impact oder Mars Pathfinder. Die Mission Dawn ist rund 320 Millionen Euro teuer; der deutsche Beitrag beläuft sich auf etwa vier Prozent dieser Summe. Missionsende ist im Juli 2015 geplant.

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Ceres Luft- und Raumfahrt Raumsonde Sonde Sonnensystem Vesta

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an
25.04.2017 | Universität Wien

nachricht Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“
25.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie