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Schiffsabgase kühlen Atmosphäre

20.09.2007
Forscher finden Hinweise auf Kühleffekt durch Schwefel

Schwefelpartikel aus Abgasen von Frachtschiffen haben einen geringen Kühleffekt auf die Atmosphäre, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe. Um festzustellen, wie groß die Effekte auf das Weltklima sind, hat ein deutsches Wissenschaftsteam um den Umweltphysiker Mathias Schreier vom Institut für Umweltphysik (IUP) an der Universität Bremen Satellitenaufzeichnungen verwendet, mit denen sich die Wege der großen Schiffe verfolgen lassen.

Bei den Treibstoffen, mit denen Schiffe fahren, handelt es sich um schweres Heizöl, das weniger raffiniert wie Flugzeugbenzin (Kerosin) ist und daher mehr Schwefel enthält. Bei der Verbrennung werden daher Schwefeldioxid-Partikel sowie Ruß freigesetzt. Die kleinen Partikel bieten eine Oberfläche für Flüssigkeiten, die darauf kondensieren können und Tröpfchen bilden. "Ein Resultat daraus ist, dass die Schiffe deutlich sichtbare Wolken produzieren, die man aus dem Weltall verfolgen kann", so Schreier gegenüber pressetext. Diese "Tracks" bilden sich vor allem dort, wo es bereits Wolken gibt, denn blauer Himmel enthält zu wenig Feuchtigkeit, daher können sich die Schwefelwolken nicht so einfach bilden. Wenn nun Schwefel in einen bewölkten Himmel gepumpt wird, verdichten sich die Wolken noch mehr. Diese reflektieren die Sonnenstrahlen ins Weltall zurück. Der Effekt auf der Erde ist eine Abkühlung.

Das Forscherteam wollte nun wissen, wie groß der messbare Kühlungseffekt tatsächlich ist. Dazu haben die Forscher Satelliten-Daten während des Jahres 2004 ausgewertet. Untersucht wurde dabei auch die Dichte der Wassertropfen innerhalb dieser "Tracks" und wie sehr diese Sonneneinstrahlung auf der Erde dadurch reduziert wurde. "Der Kühlungseffekt beträgt nur zwischen 0,4 und 0,6 Milliwatt pro Quadratmeter", so Schreier. Zudem hält diese Kühlung nur einige Tage bis Wochen an und trete nur lokal - also dort, wo die Verunreinigungen aufgetreten sind - auf", so der Forscher. Das bedeute, dass der positive Effekt sehr klein ist, erklärt Schreier. "Die negativen Auswirkungen sind bedeutend größer", betont der Umweltphysiker.

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„Die negativen Effekte, die bei der Verbrennung von schwerem Öl entstehen, sind einerseits Schwefeldioxid - einem Abgas, das etwa für den sauren Regen verantwortlich ist und lungenschädlich wirkt. Zudem erzeugen die Schiffsmotoren natürlich auch CO2. "Und das lebt in der Atmosphäre bedeutend länger, denn die Halbwertszeit von CO2 liegt bei rund 54 Jahren", so Schreier. Erst vor kurzem hatte eine Studie gezeigt, dass der Schiffsverkehr in Hamburg für 80 Prozent der Schwefeldioxid-Belastung in der Luft verantwortlich ist. Hamburger Klimaforscher vom Max-Planck-Institut kamen kürzlich zu der Einschätzung, dass sich wegen der zunehmenden Schiffsabgase über manchen Küstenregionen schon mehr Wolken bilden als in ihrem Hinterland.

Als Reaktion auf den Hafen- und Seesmog hat die International Maritime Organization IMO erst kürzlich strengere Grenzwerte für Schiffe festgelegt. In bestimmten Regionen wie auf Nord- und Ostsee darf Schiffstreibstoff nur noch einen Schwefelgehalt von maximal 1,5 Prozent beinhalten. Bisher galt überall auf See ein Grenzwert von 4,5 Prozent.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.iup.physik.uni-bremen.de
http://www.imo.org

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