Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Original oder Fälschung?

03.07.2007
Originalbilder von Fälschungen zu unterscheiden, fällt selbst Kunsthistorikern oft schwer. Forscher durchleuchten die Bilder nun mit Infrarotstrahlung: So erkennen sie Wasserzeichen der Papiermühlen, über die sie die Werke schonend datieren können.

Rembrandt-Experten haben es schwer: Nicht nur, dass viele der Gemälde, Radierungen und Zeichnungen, die man dem Künstler zuschreibt, von seinen Schülern angefertigt wurden. Einige »seiner« Bilder sind auch erst Jahrzehnte nach dem Tod des Meisters von Nachahmern gemalt worden. Die echten Rembrandts von den Werken seiner Schüler zu trennen, gelingt nach wie vor nur mühsam. Anders sieht es bei Fälschungen aus, die später entstanden sind: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI, haben mit Kollegen von der TU Braunschweig eine verblüffend einfache Methode entwickelt, um diese zu enttarnen.

Basis der Untersuchung sind Wasserzeichen im Papier. Die Blaupausen der Qualitätszeichen befanden sich auf den Gittern, mit dem die Papiere geschöpft wurden. »Jede Papiermühle hatte verschiedene Wasserzeichen zur gleichen Zeit – oft auf jedem Gitter ein anderes«, sagt Peter Meinlschmidt, Projektleiter am WKI. »Im Laufe der Zeit ersetzten die Papierschöpfer die Gitter und damit auch die Zeichen. Dabei ist recht gut bekannt, in welchem Zeitraum welche Wasserzeichen von welcher Papiermühle verwendet wurden.« Eine genauere Datierung ist über die fortschreitende Abnutzung der Gitter möglich, die sich in den Wasserzeichen als geringe Änderungen wieder finden.

Üblicherweise halten Kunsthistoriker die Zeichnungen gegen das Licht, um die Wasserzeichen erkennen zu können. Tinte, Handschriften und Farbe auf Vorder- und Rückseite überdecken die Zeichen jedoch oft bis zur Unkenntlichkeit. Früher behalf man sich damit, sie abzupausen, was Druckspuren auf dem Bild hinterlassen kann. Auch auf Röntgenbildern offenbart sich das Wasserzeichen. In den Museen ist das Röntgen aus technischen und Strahlenschutzgründen jedoch meist nicht möglich, und die Kunstwerke aus dem Klimaraum zu entfernen und in ein Labor zu bringen, ist riskant. »Die meisten Tinten sind im Infrarotlicht durchsichtig«, nennt Meinlschmidt den Knackpunkt der neuen Methode.

»Wir stellen daher eine 35 bis 40 Grad warme Wärmeplatte hinter das Bild und nehmen mit einer Infrarot-Kamera auf, wie viel Wärme das Bild durchlässt. So machen wir die Dichteunterschiede sichtbar und mit ihnen das Wasserzeichen.« Der Wärmeeintrag ist für das Bild unbedenklich: Da es in einem Zentimeter Abstand für nur eine Sekunde vor der Wärmeplatte steht, wärmt es sich weniger auf als bei kurzem Anfassen mit den Fingern. Die Bayerische Staatsbibliothek München überlegt, mit dieser Methode neben den digitalisierten Bildern künftig auch das zugehörige Wasserzeichen zu archivieren.

Peter Meinlschmidt | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2007/07/Mediendienst72007Thema4.jsp

Weitere Berichte zu: Fälschung Wasserzeichen Wärmeplatte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Lichtpakete im Kreisverkehr
28.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor
23.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

23. VDMA-Arbeitsberatung „Engineering und Konstruktion“ am 2. März 2017 an der TH Wildau

28.02.2017 | Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen

28.02.2017 | Automotive

Seltene Proteine kollabieren früher

28.02.2017 | Biowissenschaften Chemie