Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heiße Gase statt heißer Luft: Plasma- und Kurzzeitphysiker tagen in der RUB

18.03.2002


"Die Ruhr-Universität weiß, welch bundesweit einzigartiges Juwel sie hat", sagt Professor Jörg Winter und meint damit die Plasmaphysik. Die RUB richtet derzeit die Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft aus, gleichzeitig forciert sie den zukunftsträchtigen Sektor der Plasmaphysik und -technik, u. a. mit einem neuen Studiengang "Plasmatechnik".

Gebändigtes Plasma im Flachbildschirm
Der Standort Bochum forciert die Plasmatechnik
Heißen Gasen und ultraschnellen Reaktionen auf der Spur

Es wird heiß in Bochum, wenn sich ab heute bis zum 21. März Plasma- und Kurzzeitphysiker im Hörsaalzentrum Ost (HZO) der Ruhr-Universität treffen. Im Mittelpunkt der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) steht ein Aggregatzustand, den die sichtbare Materie des Universums zu 99 Prozent einnimmt: Plasma. Ultraheiß und elektrisch leitend, bildet es die Grundlage der Plasmatechnik, einer der Schlüssel- und Querschnittstechnologien des 21. Jahrhunderts. Die Fakultät für Physik und Astronomie der RUB hat die Bedeutung der Plasmaphysik frühzeitig erkannt und als ein Hauptarbeitsgebiet eingerichtet.

Plasma- und Kurzzeitphysik im Internet ...

Ausführliche Informationen zur DPG-Frühjahrstagung der Fachverbände Plasmaphysik und Kurzzeitphysik finden sich im Internet unter http://dpg2002.ruhr-uni-bochum.de

... und im All

In ca. 200 Beiträgen diskutieren die Tagungsteilnehmer die "heißen" Themen aus der Plasmaphysik, etwa 25 Beiträge zur Kurzzeitphysik ergänzen das Spektrum der Tagung. Neben einer Reihe von Plenar- und Hauptvorträgen gibt es am Mittwoch, 20. März, um 19 Uhr (Hörsaal HZO 30) auch eine öffentliche Abendveranstaltung. Uwe Konopka vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik berichtet über ein deutsch-russisches Forschungsprojekt auf der Raumstation ISS. Die Öffentlichkeit und die Medien sind herzlich willkommen.

Gebändigte Materie

Wenn die Hersteller von Unterhaltungselektronik auf der Cebit in Hannover neue Plasmabildschirme vorstellen, dann stecken dahinter Erkenntnisse und Ergebnisse aus der Grundlagenforschung. Wissenschaftlern ist es gelungen, die heiße und ionisierte (elektrisch leitende) Materie zu bändigen und für die Technik nutzbar zu machen. Anwendung finden Plasmen z. B. auch in Energiesparlampen, in der Mikroelektronik bei Halbleitern und Leistungsschaltern. Und bei Temperaturen jenseits der 100 Millionen Grad realisieren Plasmaphysiker bereits jetzt Kernfusionen im Labor. Sie arbeiten an einer Energiequelle der Zukunft: Der "Sonne auf Erden".

Plasma ist (fast) überall

Warum Sonne? Ganz einfach, weil sie der Prototyp des Plasmas im Universum ist - eine riesige Kugel, die aus heißem Gas besteht. Gewaltige Energieausbrüche auf der Sonne, so genannte solar flares, beeinflussen unser Leben auf der Erde: Wenn das Fernsehbild flimmert und die Telefonleitung gestört ist, muss nicht unbedingt die Technik versagt haben. Auch die Polarlichter sind Plasma-Erscheinungen. Über 99 Prozent der sichtbaren Materie des Universums befindet sich im Zustand eines Plasmas, so dass dies auch als "vierter Aggregatzustand" (neben fest, flüssig, gasförmig) bezeichnet wird. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Gebilde, Geformtes. Plasma entsteht, wenn sich feste Materie erhitzt - sie verwandelt sich erst in eine Flüssigkeit, dann in ein Gas. Wird dem Gas weitere Energie zugeführt, wird es elektrisch leitend. Im Plasma liegt meist ein Gemisch aus positiv geladenen Ionen, Elektronen und Neutralteilchen vor.

In Bochum tut sich was

Die Bedeutung des Plasmas als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts ist längst erkannt. Allerdings können die deutschen Hochschulen den Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs nicht decken. Die Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität setzt mit der Plasmaphysik einen Schwerpunkt in Lehre und Forschung. Er ist nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern bundesweit und in Europa einmalig. Zwei aufeinanderfolgende Sonderforschungsbereiche (SFB 162 "Plasmaphysik Bochum/Jülich" bis 1989 und aktuell SFB 191 "Physikalische Grundlagen der Niedertemperaturplasmen") sind Ausdruck der Exzellenz in Bochum. Ein dritter SFB ist derzeit in Vorbereitung. Die RUB-Physiker kooperieren eng mit den Universitäten Düsseldorf, Essen und Wuppertal sowie mit dem Forschungszentrum Jülich. Gemeinsam haben sie das Graduiertenkolleg "Hochtemperatur-Plasmaphysik" eingerichtet unter Federführung der Uni Düsseldorf. Als koordinierendes Organ fungiert die "Arbeitsgemeinschaft Plasmaphysik" (APP) mit Sitz an der RUB.

Fachübergreifende Plasmatechnik

Den hohen Stellenwert der Plasmaphysik am Standort Bochum unterstreicht die RUB, indem sie zum Wintersemester 2002/2003 den fachübergreifenden Studiengang Plasmatechnik einrichtet. Kompetenz in Plasmatechnik erfordert fundierte Kenntnisse in Physik, Elektrotechnik, Maschinenbau und Chemie. In Zusammenarbeit dieser vier in Bochum angesiedelten Fakultäten bietet damit die RUB jungen Menschen eine Ausbildung auf diesem zukunftsträchtigen Sektor. Ergänzt werden diese Aktivitäten durch ein "Center of Excellence Plasmatechnik", das zeitnah mit dem neuen Studiengang die Arbeit aufnehmen soll.

Dem Nachwuchs eine Chance

Dem Nachwuchs eine Chance: Dieses Motto gilt insbesondere für die Frühjahrstagung der DPG in Bochum. Die Veranstalter animieren Diplomanden und Doktoranden, ihre Arbeiten öffentlich vorzustellen und damit eine wissenschaftliche Diskussion in breitem Umfeld anzustoßen. Die Tagungsgebühren sind gering, damit möglichst viele Studierende teilnehmen können. Gesellige "Brezel-Postersitzungen" schaffen eine entspannte Atmosphäre, in der junge Leute ihre Forschungsergebnisse präsentieren.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Jörg Winter, Lehrstuhl für Experimentalphysik (Anwendungsorientierte Plasmaphysik), Fakultät für Physik und Astronomie der RUB, NB 5/132, Tel. 0234/32-23693, Fax: 0234/32-14171, E-Mail: jw@plasma.ep2.ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://dpg2002.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Plasmaphysik Plasmatechnik RUB

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor
23.02.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Kühler Zwerg und die sieben Planeten
23.02.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik