Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dresdner Magnet-Forschung im weltweiten Verbund

14.05.2007
Das Hochfeld-Magnetlabor Dresden im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) wurde im Jahr 2007 sowohl im Zeit- wie im Budgetrahmen fertig gestellt und konnte vor kurzem seine Türen als Nutzerlabor öffnen. Wissenschaftler aus Deutschland und ganz Europa nutzen nun die hohen Magnetfelder in Dresden für eigene Forschungsarbeiten. Große Anerkennung erfuhr das Magnetlabor zudem durch die Aufnahme in das Netzwerk ICAM (Institute for Complex Adaptive Matter), das momentan die 45 weltweit wichtigsten Arbeitsgruppen auf dem Gebiet der Materialwissenschaften beheimatet.

Große Nutzerlaboratorien für die Forschung in hohen Magnetfeldern sind derzeit an vier Orten in Europa vorhanden: Toulouse und Grenoble in Frankreich, Nijmegen in den Niederlanden und seit kurzem auch in Dresden. Diese vier Hochfeldlabors arbeiten eng zusammen und werden aus Forschungsmitteln der Europäischen Union sowohl hinsichtlich neuer technologischer Entwicklungen als auch als Nutzerlabors gefördert.

Europäische Forscher können sich zentral über eine Webseite darum bewerben, eigene Fragestellungen an einem der Magnetlabors in Europa zu untersuchen. Ein Forscherkomitee bewertet diese Bewerbungen und teilt im Erfolgsfall "Magnet-Zeit" zu. Langfristig verfolgen die vier Partnerlabors in Dresden, Nijmegen, Grenoble oder Toulouse das Ziel, Europa zu einem Mekka für die Forschung in hohen Magnetfeldern zu machen und damit gleichauf zu ziehen mit dem führenden Magnetlabor in Tallahassee / USA. Für ein neu zu errichtendes Hochfeld-Magnetlabor, das die vier europäischen Partnerlabors gemeinsam koordinieren wollen, wurden ganz aktuell im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU entsprechende Initiativen gestartet.

ICAM, das Institute for Complex Adaptive Matter (Institut für komplexe anpassungsfähige Materialien oder, frei übersetzt, "Institut für intelligente Materialien"), hat seinen Sitz an der Universität Kalifornien in den USA. Von den 45 Mitgliedsinstituten kommen 13 aus Europa, drei davon allein aus Sachsen: neben dem FZD sind dies das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden und die Universität Leipzig. ICAM will den Zutritt zu Labors mit teils einzigartigen Experimentiermöglichkeiten, die an den Mitgliedsinstituten vorhandenen sind, verfügbar machen und so vor allem auch Nachwuchsforscher ausbilden und fördern. Prof. Joachim Wosnitza, Direktor des Hochfeld-Magnetlabors Dresden im FZD, freut sich: "Damit gehören wir zu einem exquisiten Verbund von führenden Einrichtungen, die sich mit unterschiedlichen materialwissenschaftlichen Forschungsthemen beschäftigen. Dies ist uns gelungen durch den zielgerichteten und erfolgreichen Aufbau des Hochfeld-Magnetlabors Dresden, aber auch durch unsere wissenschaftlichen Leistungen."

Informationen zu Forschung in hohen Magnetfeldern:

Materialforscher müssen die Eigenschaften von Materialien sehr genau kennen, um neue Effekte an ihnen entdecken oder neue bzw. verbesserte Werkstoffe entwickeln zu können. Um Materialien auf Herz und Nieren zu untersuchen, existieren im Grunde nur einige wenige Parameter. Dies sind v. a. Temperatur, Druck und hohe Magnetfelder. Der Rekord für gepulste Magnetfelder liegt in Europa bei gut 70 Tesla (Tesla ist die Einheit für die Magnetfeld-Stärke), wobei auch die Dauer des Magnetpulses und das Volumen, das für die zu untersuchende Probe vorhanden ist, wichtig sind. Am Hochfeld-Magnetlabor Dresden stehen derzeit 72 Tesla für 150 Millisekunden in einem Durchmesser von 24 Millimeter zur Verfügung.

Hohe gepulste Magnetfelder sind von großem Interesse für Forschungen auf den Gebieten der Hochtemperatursupraleitung sowie für die Charakterisierung von Metallen und Halbleitern oder auch für ingenieurtechnische Anwendungen wie die Materialumformung. Starke Magnetfelder sind, genauso wie Hochdruckpressen, in der Lage, Stähle oder Leichtmetalle zu verformen. Damit lassen sich spezielle Einzelteile für unterschiedlichste Industriezweige, z. B. den Automobilbau, herstellen. Aber auch die Charakterisierung von halbleitenden oder optoelektronischen Materialien erfolgt idealerweise in hohen Magnetfeldern und bei tiefen Temperaturen. Die Elektronendichte von halbleitenden Materialien lässt sich hierbei ebenso hoch präzise bestimmen wie deren optoelektronische Eigenschaften.

Weitere Informationen:
Prof. Joachim Wosnitza
Institut Hochfeld-Magnetlabor Dresden
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Tel.: 0351 260 - 3524
j.wosnitza@fzd.de
Informationen zum Hochfeld-Magnetlabor Dresden unter: http://www.fzd.de/hld, zu ICAM unter: http://www.icam-i2cam.org/
Pressekontakt:
Dr. Christine Bohnet
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Bautzner Landstr. 128, 01328 Dresden
Tel.: 0351 260 - 2450 oder 0160 969 288 56 / Fax: 0351 260 - 2700
c.bohnet@fzd.de / http://www.fzd.de
Informationen:
Das FZD erbringt wesentliche Beiträge der Grundlagenforschung sowie der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung zu folgenden Fragestellungen:
o Wie verhält sich Materie unter dem Einfluss hoher Felder und in winzigen Dimensionen?
o Wie können Tumorerkrankungen frühzeitig erkannt und wirksam behandelt werden?
o Wie schützt man Mensch und Umwelt vor technischen Risiken?
Dazu werden 6 Großgeräte eingesetzt, die europaweit unikale Untersuchungsmöglichkeiten auch für auswärtige Nutzer bieten.

Das FZD ist mit ca. 700 Mitarbeitern das größte Institut der Leibniz-Gemeinschaft (http://www.wgl.de) und verfügt über ein jährliches Budget von rund 54 Mill. Euro. Hinzu kommen etwa 7 Mill. Euro aus nationalen und europäischen Förderprojekten sowie aus Verträgen mit der Industrie. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 84 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung, weshalb sie von Bund und Länder gemeinsam gefördert werden. Die Leibniz-Institute verfügen über ein Gesamtbudget von gut 1 Milliarde Euro und beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiter.

Dr. Christine Bohnet | idw
Weitere Informationen:
http://www.fzd.de/hld
http://www.icam-i2cam.org/

Weitere Berichte zu: FZD Hochfeld-Magnetlabor Magnetfeld

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Optische Technologien für schnellere Computer / „Licht“ mit Wespentaille
16.08.2017 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Sternenstaub reist häufiger in Meteoriten mit als gedacht
15.08.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie