Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Küchenphysik und Antimaterie

11.03.2002


66. Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Leipzig

Was ist so besonders an Antimaterie? Gibt es erdähnliche Planeten außerhalb des Sonnensystems? Gehört Küchenphysik in den Schulunterricht? Was hat es mit "Schwarzen Löchern" auf sich? Helfen Ionenstrahlen bei der Tumorbehandlung? Dies sind nur einige der Fragen, die rund 1.400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom 18. bis 22. März 2002 in Leipzig diskutieren werden. Die Messestadt ist erstmals Gastgeberin der zentralen Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Von der Teilchenforschung über die Umweltphysik bis zur Kosmologie erstreckt sich die "66. Physikertagung" auf unterschiedlichste "Dimensionen" und schlägt dabei eine Brücke von der Mikrowelt in den Makrokosmos. In über 600 Fachvorträgen stehen auch gesellschaftspolitische Themen - wie Klimaschutz, Abrüstung und die Situation der Frauen in der Physik - auf der Tagesordnung. In Leipzig zeichnet die DPG außerdem herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus. Lehrerfortbildungen, Ausstellungen und öffentliche Abendvorträge runden das Programm ab.

Vor 15 Milliarden Jahren wurde das Universum aus einer gewaltigen Explosion geboren. Der so genannte Urknall brachte nach heutiger Auffassung Materie und Antimaterie in gleicher Menge hervor. Damit steht die Wissenschaft vor einem Rätsel: Weil sich Teilchen und Antiteilchen beim Aufeinandertreffen zu reiner Energie vernichten, hätte aus dem dichten Gedränge des Urfeuers eine Welt ohne Materie hervorgehen müssen. Durchflutet von Licht - und ohne Menschen. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Heutzutage ist die Materie in der Überzahl: Es gibt keinerlei Hinweise für Sterne oder Galaxien aus Antimaterie - auch nicht weit draußen im Weltall. Offenbar zog die Antimaterie im Laufe der kosmischen Evolution den Kürzeren. Was steckt dahinter? Es wird vermutet, dass die so genannte CP-Verletzung - ein feiner Unterschied zwischen Materie und Antimaterie - ihre Finger im Spiel hat. Diesem Phänomen sind Teilchenforscher weltweit auf der Spur. Neueste Befunde werden in Leipzig präsentiert.
Weitere Beiträge aus der Teilchenphysik behandeln unter anderem das TESLA-Projekt: ein neuartiger Beschleuniger, der in weltweiter Kooperation bei Hamburg entstehen soll. Dem Neutrino - ein äußerst flüchtiges Elementarteilchen - widmet Nobelpreisträger Rudolf Mösbauer einen eigenen Plenarvortrag.

Vorschläge zur Verbesserung des Physik-Unterrichts gibt es nicht erst seit der PISA-Studie. Einige Initiativen werden in den Sitzungen des Fachverbands "Didaktik der Physik" vorgestellt. Die Hauptvorträge dieses Programmbereichs können Lehrerinnen und Lehrer zur Fortbildung besuchen. Küchenphysik und fachübergreifender Unterricht werden in Leipzig ebenfalls thematisiert. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler werden am 19. März im Hörsaalgebäude der Universität erwartet. Dort haben sie Gelegenheit, selbst ungewöhnliche Experimente durchzuführen - etwa zu Chaos-Phänomenen. Außerdem können sie sich an physikalischen Zaubertricks versuchen.

Die Beiträge aus der Umweltphysik befassen sich unter anderem mit Wettervorhersagen, Klimaforschung und Wasserwirtschaft. "Droht eine globale Wasserkrise?", lautet der provokante Titel eines Plenarvortrags am 19. März. Referent ist der Züricher Wolfgang Kinzelbach. Auch die Erderkundung per Satellit - vor dem Hintergrund des kürzlich gestarteten "Envisat" ein besonders aktuelles Thema - steht auf dem Tagungsprogramm.

Energiewirtschaft und Klimapolitik zählen zu den Schwerpunkten des Arbeitkreises "Energie". Aktuelle Entwicklungen bei Wind- und Sonnenenergie werden dabei ebenso diskutiert wie Chancen und Risiken des Kyoto-Protokolls.

Dass es um die Chancengleichheit von Physikerinnen und Physikern nicht zum Besten bestellt ist, hat eine kürzlich beendete Untersuchung im Auftrag der DPG deutlich gemacht. Diese Studie steht im Mittelpunkt einer Fachsitzung des Arbeitskreises "Chancengleichheit". Ein weiteres Thema: Wie lassen sich Mädchen für Naturwissenschaften begeistern?

Während einer Festsitzung im Leipziger Opernhaus am 20. März ehrt die DPG sechs Wissenschaftler - darunter ein Kollege aus Frankreich - sowie eine Wissenschaftlerin für ihre herausragende Forschungstätigkeit. Außerdem werden insgesamt zehn Schülerinnen und Schüler für ihre Leistung bei internationalen Physik-Wettbewerben ausgezeichnet. Den Max-von-Laue-Vortrag "Physik und Verantwortung: Die Geschichte der Physik und der DPG unter dem Nationalsozialismus" hält der US-amerikanische Historiker Mark Walker. Mit diesem alljährlichen Vortrag gedenkt die DPG des Physik-Nobelpreisträgers Max von Laue, der gegenüber den Nationalsozialisten konsequent auf Distanz ging. In einem weiteren Festvortrag gibt Schwerkraftforscher Jürgen Ehlers, Träger der Max-Planck-Medaille 2002, Einblick in "Aktuelle Probleme der Gravitationsphysik". Zu den prominenten Teilnehmern der Festveranstaltung zählen: Volker Bigl, Rektor der Universität Leipzig, Wolfgang Tiefensee, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, der Sächsische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Hans Joachim Meyer, der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Uwe Thomas, sowie DPG-Präsident Dirk Basting.

Am 21. März erörtert der DPG-Arbeitskreis "Physik und Abrüstung" - gemeinsam mit dem "Forschungsverbund Naturwissenschaft, Abrüstung und internationale Sicherheit" (FONAS) - Probleme der Rüstungskontrolle und Atommüll-Entsorgung. Die Vorträge dieser Fachsitzung befassen sich unter anderem mit Nuklear-Terrorismus und dem von den USA geplanten Raketenabwehr-System.

Neugierigen wird in den Abendstunden ein vielseitiges Programm geboten: Auf einem Forum am 18. März, 19:00 Uhr, stellen Industrievertreter die "Chancen für Physiker in innovativen Arbeitsbereichen" vor. Hoch hinaus geht es am 19. März mit "Experimente in der Atmosphäre", ein Vortrag des Leipziger Meteorologen Gerd Tetzlaff. Beginn: 20:00 Uhr. "Was Einstein noch nicht sehen konnte" demonstriert Hanns Ruder am 20. März, 20:00 Uhr. Und wird mit seinem Vortrag so manchen Zuschauer in einen wahren Geschwindigkeitsrausch versetzen: Wie es ist, nahezu lichtschnell dahin zu düsen, führt Ruder anhand von Computer-Animationen vor. Auf der Tagung erhält der Tübinger Wissenschaftler den Robert-Wichard-Pohl-Preis, insbesondere für sein Engagement in Sachen Physik-Vermittlung. Von der Leipziger Schaffensperiode eines Pioniers der Quantentheorie berichten Gerald Wiemers und Helmut Rechenberg unter dem Titel "Heisenberg in Leipzig". Der Termin: 21. März, 18:30 Uhr. Ab 19:30 Uhr folgen Film und Vortrag im Rahmen von "Leipzig liest", dem Begleitprogramm zur Leipziger Buchmesse. "Physik und Kunst" lautet die Devise. Zu sehen ist ein "Best-of" der Beiträge zum Göttinger Medienfestival "Bilder aus der Physik". Außerdem können während der Tagung zwei Ausstellungen besucht werden. Eine widmet sich Werner Heisenberg, die andere zeigt ungewöhnliche und ästhetische Aufnahmen aus der Physik. Diese öffentlichen Veranstaltungen finden im Hörsaalgebäude der Universität Leipzig, Universitätsstraße 7, statt. Eintritt frei.
Am 22. März ist die "Physikertagung" außerdem mit einem Vortrag auf der Leipziger Buchmesse vertreten: Unter dem Motto "Physik als transnationales Forschungsfeld" führt Wolfgang Roether (Universität Bremen) ab 10:30 Uhr durch das globale Gebiet der Meeres- und Atmosphärenforschung.

Dr. Marcus Neitzert | idw

Weitere Berichte zu: Abrüstung Antimaterie Küchenphysik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Magnetische Kontrolle per Handzeichen: Team entwickelt elektronische „Haut“ für virtuelle Realität
22.01.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018
22.01.2018 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Simulation: Neuartiger zweidimensionaler Schaltkreis funktioniert mit magnetischen Quantenteilchen

22.01.2018 | Physik Astronomie

Vogelmonitoring leicht gemacht: Erfassung der Brutvögel wird digitalisiert

22.01.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

22.01.2018 | Physik Astronomie