Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf den Spuren von Marie Curie, Lise Meitner und Ida Tacke - Physiktage für Schülerinnen in Jena

06.03.2002


Nur etwa ein Fünftel der Studierenden der Physik sind junge Frauen. Dabei gehört die Physik wohl zu den interessantesten Fächern überhaupt - ohne Physikerinnen und Physiker gäbe es weder Laser noch integrierte Schaltkreise noch neuartige Werkstoffe, und folglich auch weder Computer noch Autonavigationssysteme, weder CD-Spieler noch Mikrowellenherde, weder Kabelfernsehen noch Mobiltelefone, noch viele andere Anwendungen, die uns das Leben erleichtern oder angenehm machen.

Jungen Frauen Lust auf Physik machen wollen jetzt einige engagierte Physikerinnen der Uni Jena. Vom 25. bis 27. März 2002, also in den Osterferien, veranstalten sie speziell für Schülerinnen der Klassen 10 bis 12 einen Physik-Kurs. Die "Physiktage für Schülerinnen" finden an der Physikalisch-Astronomischen Fakultät statt. In interessanten Vorträgen erklären Professoren, wie die Physik dabei hilft, Krankheiten zu erkennen, was man alles mit Spiegeln, Linsen und Prismen machen kann und wie ein Regenbogen entsteht. Ein Besuch in der Zeiss-Werkstatt des Optischen Museums steht ebenso auf dem Programm wie Führungen durch die High-Tech-Labors der Fakultät. Am spannendsten aber dürfte wohl das Praktikum sein, bei dem die Schülerinnen unter Anleitung von erfahrenen Assistentinnen und Assistenten eigene Versuche durchführen können. Und natürlich haben die Organisatoren auch einen geselligen Abend eingeplant...

Interessierte Schülerinnen sollten sich schnell anmelden, entweder per Telefon unter 03641 / 947003 (Dr. Angela Unkroth) oder schriftlich im Dekanat der Physikalisch-Astronomischen Fakultät, Max-Wien-Platz 1, 07743 Jena - wegen der nötigen Praktikumplätze ist die Teilnehmerinnenzahl auf 32 begrenzt. Bei der Anmeldung bitte Name, Anschrift, Schule und Klassenstufe nicht vergessen! Die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro, darin sind allerdings das Eintrittsgeld ins Optische Museum und das Essen am geselligen Abend schon enthalten. Einige zusätzliche Euro werden für das Mittagsessen in der Mensa (selbstverständlich zum Studentenpreis) fällig. Wer von auswärts kommt, kann für weitere 10 Euro im Jugendgästehaus am Herrenberg übernachten - Frühstück inbegriffen. Dafür sollten sich die auswärtigen Schülerinnen aber bis zum 10. März anmelden, Schülerinnen aus Jena und Umgebung können sich dagegen noch bis zum 20. März Zeit lassen. Aber auch hier gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Um die Förderung des weiblichen Nachwuchses in der Physik kümmert sich auch der Arbeitskreis Chancengleichheit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Zahlreiche Hinweise zum Thema bietet außerdem der Verein Frauen in Naturwissenschaft und Technik NUT 

Hintergrund: Frauen in der Physik

Dass Frauen in Physik nicht schlechter und oft sogar besser sind als Männer, zeigt ein Blick in die Geschichte. Marie Curie entdeckte zum Beispiel gemeinsam mit ihrem Mann Pierre die Elemente Radium und Polonium und wurde gleich zweimal mit einem Nobelpreis ausgezeichnet - außer ihr gelang das nur Linus Pauling und John Bardeen. Lise Meitner arbeitete mit Otto Hahn und Fritz Strassmann zusammen - sie hätte wohl ebenfalls den Nobelpreis bekommen, wäre sie nicht eine Frau und dazu nach dem Verständnis der Nazis noch "Halbjüdin" gewesen. Zuerst entzog man ihr die Lehrerlaubnis, dann musste sie kurz vor der Entdeckung der Kernspaltung aus Deutschland fliehen. Immerhin war sie schon in den Jahren zuvor mehrmals wegen früherer Leistungen für den Preis vorgeschlagen worden, aber jedes Mal leer ausgegangen. Lise Meitner war übrigens auch die erste Frau in Deutschland, die es bis zur Professorin in Physik schaffte. Auch sie entdeckte - gemeinsam mit Hahn - ein Element, das Protactinium. Angefangen hatte sie als Assistentin bei Max Planck, dem Begründer der Quantentheorie. Planck hielt nicht viel von Frauen in den Naturwissenschaften - er sprach gar von "naturwidrigen Amazonen" -, und dennoch schaffte es die nicht einmal 1,50 m große Lise Meitner innerhalb kurzer Zeit, sich seinen Respekt zu verschaffen. Das war nicht einfach in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, zu einer Zeit, als eine Zeitung einen Vortrag von "Frl. Prof. Lise Meitner" ankündigte - sie werde über "Kosmetische Prozesse" sprechen, hieß es dort. Gemeint waren natürlich "Kosmische"...

Zu den ganz Großen in der Physik zählt auch Ida Tacke, Mitentdeckerin des Elements Rhenium. Wahrscheinlich hat sie auch das Element Technetium entdeckt, dem sie den Namen "Masurium" gab. Es ließ sich jedoch bei weiteren Untersuchungen nicht wiederfinden, so dass die Entdeckung nicht anerkannt wurde und sich später andere Forscher damit schmücken konnten. Gewichtiger noch: Bereits 1934 hatte die Forscherin in einer Zeitschrift die Kernspaltung vorhergesagt - und wurde von der gesamten Physikerelite, darunter mehrere spätere Nobelpreisträger, ignoriert, mutmaßlich, weil sie eine Frau war. Und nie auch sind die Gerüchte ganz verstummt, wonach die erste Frau Albert Einsteins, Mileva Maric, einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der Relativitätstheorie gehabt haben soll.

Weitere Informationen: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Physikalisch-Astronomische Fakultät, Gleichstellungsbeauftragte, Dr. Angela Unkroth, Max-Wien-Platz 1, 07743 Jena, Tel.: 03641 / 94 70 03, Fax: 03641 / 94 70 02, E-Mail: dekanat@paf.uni-jena.de

Hubert J. Gieß | idw
Weitere Informationen:
http://www.physik.uni-jena.de/physiktage.shtml
http://www.dpg-fachgremien.de/akc/start.html
http://www.nut.de/

Weitere Berichte zu: Curie Naturwissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Proteintransport - Stau in der Zelle
24.03.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Neuartige Halbleiter-Membran-Laser
22.03.2017 | Universität Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise