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Raketenexplosionen verschärfen Weltraummüll-Problem

27.02.2007
Angst vor Zusammenstößen mit Satelliten und Raumfahrzeugen steigt

Müll aus zerborstenen Raketen und Satelliten gehört zu den größten Gefahren für die Raumfahrt. Die Explosion einer russischen Rakete vor wenigen Tagen hat mindestens 1.000 Trümmerteile im Orbit freigesetzt, berichtet BBC-Online. Erst vor knapp einem Monat hatten die Chinesen mit einer Rakete einen Satelliten gesprengt und tausende Trümmerteile freigesetzt. Viele dieser Wrackteile bleiben jahrelang in der Erdumlaufbahn und stellen für Raumstationen und Satelliten eine ernst zunehmende Gefahr dar, meint die Europäische Raumfahrtbehörde ESA.

Die jüngste Explosion der russischen Rakete war die Folge einer unglücklichen Mission, die bereits vor einem Jahr begonnen hatte. Die Proton-Rakete, die am 28. Februar 2006 vom Baikonur Cosmodrom in Kasachstan startete, um den Arabsat 4A-Satelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen, erreichte ihre Umlaufbahn nicht. Die Breeze-M-Oberstufe wurde vom Satelliten getrennt und explodierte am 19. Februar 2007 in ihrer exzentrischen Umlaufbahn zwischen 500 und 14.000 Kilometern Höhe. Mindestens 1.000 Trümmerteile wurden von der Europäischen Raumfahrtsation ESA bereits diesem Ereignis zugeordnet. Nach Ansicht der ESA-Experten erhöhte sich das Risiko eines eventuellen Zusammenstoßes mit der Internationalen Raumstation um zehn Prozent.

Das ist allerdings bei weitem kein Einzelfall, denn am 11. Januar 2007 zerstörten die Chinesen ihren eigenen Wettersatelliten Feng Yun 1C mithilfe einer ballistischen Rakete. Experten sprechen von einer Boden-Luft-Rakete, die einen Anti-Satellitentest durchführten. Nach Berichten der US-Fachzeitschrift "Aviation Week" handelte es sich um die folgenschwerste Zertrümmerung eines Satelliten in der 50-jährigen Geschichte der Raumfahrt. Die Abfallteile bewegen sich nun in verschiedenen Umlaufbahnen zwischen 200 und 3.800 Kilometern Höhe und bedrohen damit andere Satelliten und Raumfahrzeuge. Das US-Weltraumüberwachungsnetz SSN kann zwar nur jene Teile registrieren, die mindestens zehn Zentimeter groß sind, aber alleine davon wurden bis Anfang Februar 700 gezählt. Die Behörde rechnet in der Zwischenzeit mit bis zu 35.000 Teilen.

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"Tatsächlich wurde durch den chinesischen Test die Trümmerzahl massiv erhöht", erklärt der Wissenschaftler Sebastian Stabroth vom Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme http://www.aerospace-systems.de an der TU-Braunschweig, im pressetext-Interview. "In Simulationsversuchen konnten wir feststellen, dass die Zahl von Trümmerteilen um 30 Prozent nach oben gegangen ist." Stabroth betont, dass selbst kleine Schrauben oder Metallteile, die freigesetzt wurden, beträchtliche Schäden verursachen können, da sie Geschwindigkeiten von rund 7,5 Kilometer pro Sekunde erreichen. "Am Schlimmsten wäre eine Kollision zwei direkt aufeinander zu bewegender Objekte", führt der Wissenschaftler aus. Das habe etwa die Wirkung einer Handgranate.

Nach Modellen des Instituts bewegen sich derzeit etwa 600.000 Objekte, die größer als einen Zentimeter sind, durch den Weltraum. "Diese Zahl erhöht sich gewaltig, wenn man die Teilchengröße verringert", betont der Experte. "Dann sind es mindestens 150 Mio. Abfallteile, die größer als einen Millimeter sind." Derzeit sei das Risiko noch relativ gering, dass es zu einer Kollision komme, meint der Experte. "Wenn wir allerdings so weitermachen, sieht es nicht gut aus", mahnt Stabroth. Vor allem gewollte Explosionen, wie der chinesische Test, erhöhen das Risiko unnötig. "Solche Testläufe haben die Amerikaner und die Sowjets in den 80er Jahren auch durchgeführt. Sie dienen wohl dazu, ihre militärische Stärke zu unterstreichen." Der Experte warnte jedoch davor, das Problem nicht ernst zu nehmen und Verhinderungsstrategien zu entwickeln. Im schlimmsten Fall drohe der Raumfahrt sonst ein gefährliches Szenario, denn Kettenreaktionen könnten die Anzahl der Trümmerteile massiv erhöhen.

Doch nicht nur im Orbit, sondern auch am Boden macht der Weltraummüll in manchen Regionen große Probleme. Die russische News Information Agency Novosti berichtete, dass die Behörden der Republik Altai, dem asiatischen Teil Russlands, die Absicht haben, sich an die Föderale Raumfahrtagentur Roskosmos zu wenden, um das Territorium von Weltraummüll zu befreien. Nach Angaben des Pressedienstes mache die Gesamtfläche, auf die Fragmente von Trägerraketen gefallen sind, ein Viertel des gesamten Territoriums der Republik aus. Auf dieser Fläche sind rund 2.000 Tonnen Metallabfälle verstreut. In der Problemzone befinden sich aber auch 30 Ortschaften.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.esa.int
http://www.rian.ru

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