Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Laserfernsehen ist fast marktreif

20.02.2007
Er starb bereits mit 37 Jahren, und dennoch kennt seinen Namen heute noch jedes Schulkind: Der ehemalige Bonner Physik-Professor Heinrich Hertz, der am 22. Februar 150 Jahre alt geworden wäre.

Ihm zu Ehren hat die Deutsche Telekom AG im Jahr 2000 an der Universität Bonn den Heinrich-Hertz-Stiftungslehrstuhl eingerichtet. An seiner alten Wirkungsstätte entwickeln Hertz' Erben heute unter anderem Strategien, um Laserlicht zu manipulieren. Ihre Erkenntnisse könnten in nicht allzu ferner Zukunft den Sprung in die Wohnzimmer schaffen: Schon in zwei Jahren sollen erste Laserfernseher auf den Markt kommen, die in Schärfe und Farbenpracht alle heute erhältlichen Geräte weit übertreffen.

Von 1889 bis zu seinem Tode fünf Jahre später lehrte und forschte der große Wissenschaftler in der Rheinstadt. Jeder Bonner Physikstudent kommt heute noch hautnah mit ihm in Berührung: In der Physikalischen Sammlung lagern zahlreiche Originalinstrumente, die Heinrich Hertz für seine Experimente mit elektromagnetischen Wellen nutzte. Darunter ist auch sein berühmter Dipol-Sender: Hertz ließ zwischen zwei halbrunden Kupferelektroden - dem Dipol - einen Funken überschlagen. Dadurch erzeugte er hochfrequente Radiowellen, die er mit einem ähnlichen Dipol in einigen Metern Entfernung wieder auffangen konnte. Wenn die Ausrichtung zwischen Sender und Empfänger stimmte, flogen dort dann ebenfalls die Funken. Das Radio verdankt (ebenso wie der Begriff "Rundfunk") diesem Effekt seine Existenz. Auch wenn wir eine Lampe einschalten, die Infrarot-Fernbedienung betätigen, uns im Solarium bräunen, mit der Mikrowelle Speisen zubereiten oder mobil telefonieren: Immer sind die von Heinrich Hertz nachgewiesenen "elektromagnetischen Wellen" im Spiel.

"Einen Dipol-Empfänger gibt es heute in jedem Handy", erklärt Professor Dr. Karsten Buse. Der 40-Jährige bekleidet an der Universität Bonn die nach Hertz benannte Stiftungsprofessur der Deutschen Telekom. Die Zusammenarbeit hat bereits zu einem knappen Dutzend Patenten geführt - zumeist im zukunftsträchtigen Gebiet der Laserphysik. "Die Firmen reißen uns die Mitarbeiter aus den Händen", sagt der Physiker nicht ohne Stolz. "Allein in der letzten Woche haben wir zwölf Anfragen aus der Industrie bekommen." Auch bei den großen US-amerikanischen Eliteschmieden wie Stanford oder dem MIT sind seine Diplomanden und Doktoranden gern gesehene Gäste.

... mehr zu:
»Laserfernseher »Laserlicht »Physik

Farbspiele

Eines der Spezialgebiete von Buses Arbeitsgruppe ist eine exotische chemische Verbindung, das so genannte Lithiumniobat. Die Substanz bildet Kristalle, an denen Heinrich Hertz wohl seine helle Freude gehabt hätte: Sie stecken nämlich gewissermaßen voller mikroskopisch kleiner Dipol-Antennen. Für Laserforscher ist diese Substanz extrem interessant: Mit ihr lässt sich nämlich vergleichsweise einfach und kostengünstig farbiges Laserlicht erzeugen.

Denn Laser, die direkt rot, grün oder blau leuchten, sind aufwändig und dazu noch extrem ineffizient. Bei gleichem Energieeinsatz strahlen die kleinen Halbleiterlaser viel kräftiger - dafür aber nur im unsichtbaren Infrarotbereich. Daher gehen die Erben von Heinrich Hertz einen Umweg: "Wenn wir einen Lithiumniobat-Kristall mit infrarotem Laserlicht beschießen, regen wir die Dipole darin so stark an, dass sie wie eine zu stark gezupfte Gitarrenseite zahlreiche Obertöne aussenden", erklärt Buse. Dabei vervielfacht sich die Frequenz des eingestrahlten Lichts; die Farbe verschiebt sich in den sichtbaren Bereich. "An unserem Lehrstuhl verbessern wir die Kristalle so, dass wir die Farbumwandlung mit sehr hoher Effizienz und bei großen Lichtleistungen hinbekommen."

Durch Kombination mit anderen Verfahren können die Bonner Physiker so genau die gewünschte Lichtfarbe erzeugen - wichtig unter anderem für die Entwicklung extrem brillanter und scharfer Bildschirme. Denn mit einem roten, einem grünen und einem blauen Laser lassen sich prinzipiell alle Farben herstellen, die unser Auge sehen kann. "Ein normales TV-Gerät bekommt das nicht hin; das schafft nur 50 Prozent aller Farben", betont der Physiker. "Neben einem Laserdisplay wirken herkömmliche Bildschirme einfach flau." Die großen Elektronikfirmen arbeiten daher momentan an Fernsehgeräten auf Laser-Basis. "Inzwischen steht die Technologie auch dank unserer Erkenntnisse kurz vor dem Durchbruch", versichert Buse. "Spätestens in zwei Jahren werden die ersten Laserfernseher auf den Markt kommen."

Zu Ehren von Heinrich Hertz planen die Bonner Physiker im Herbst eine Veranstaltung mit zwei großen öffentlichen Experimentalvorlesungen. Darin werden von Professor Dr. Karl-Heinz Althoff zahlreiche Originalexperimente gezeigt. Professor Dr. Karsten Buse wird zudem präsentieren, was die Erkenntnisse dieses Pioniers der elektromagnetischen Wellenlehre für die Forschung heute bedeuten.

Kontakt:
Prof. Dr. Karsten Buse
Physikalisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4899
E-Mail: kbuse@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Laserfernseher Laserlicht Physik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Blasen im Pulsarwind schlagen Funken
22.11.2017 | Max-Planck-Institut für Kernphysik

nachricht Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern
21.11.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften