Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF fördert Mainzer Aktivitäten zur Suche nach dem Ursprung der dunklen Materie

05.09.2006
Mainzer Physiker haben komplexes Elektroniksystem entwickelt, das 2007 am CERN in Genf zum Einsatz kommt. BMBF fördert mit 1,7 Millionen Euro.

Die fundamentalen Bausteine und Kräfte der Natur, die einen direkten Zusammenhang mit der Struktur und Entwicklung unseres Universums haben, stehen im Zentrum der Forschungsaktivitäten der ATLAS Gruppe am Institut für Physik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Hierzu ist die Gruppe seit 1996 aktiv beim ATLAS-Experiment am Large Hadron Collider (LHC) des europäischen Zentrums für Teilchenphysik (CERN) bei Genf beteiligt. An diesem Beschleuniger werden ab dem Jahr 2007 Protonen mit Protonen bei den höchsten derzeit im Labor erzeugbaren Energien zur Kollision gebracht. "Von Theoretikern sind anhand von Symmetriebetrachtungen so genannte supersymmetrische Teilchen als 'heiße' Kandidaten für dunkle Materie postuliert worden. Diese sollen nun in Proton-Proton Kollisionen erzeugt und mit dem ATLAS Experiment nachgewiesen und auch vermessen werden", erklärt Univ.-Prof. Dr. Stefan Tapprogge vom Institut für Physik der Universität Mainz, "zur Erkennung dieser supersymmetrischer Teilchen hat die Mainzer ATLAS Gruppe ein komplexes Elektroniksystem entwickelt, das am CERN in Genf in den nächsten Monaten in Betrieb geht, um so für die Aufzeichnung der ersten Proton-Proton Kollisionen im Jahr 2007 bereit zu sein."

Erneut hat die Mainzer ATLAS Gruppe Mittel aus der Verbundforschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Höhe von über 1,7 Millionen Euro erhalten. Diese Förderung des ATLAS Experiments bildet einen Forschungsschwerpunkt des BMBF. Insgesamt standen hiermit der Mainzer Gruppe seit 1996 Fördermittel des BMBF in Höhe von rund 9 Millionen Euro zur Verfügung, die überwiegend für Investitionen zum Bau des Experiments verwendet worden sind.

Am LHC werden pro Sekunde bis zu einer Milliarde Proton-Proton Stöße stattfinden, die mit dem ATLAS-Experiment registriert werden. "Die hierbei pro Sekunde erzeugte Datenmenge entspricht dem Fassungsvermögen von rund 20.000 DVDs", so Professor Tapprogge. Allerdings kann nur ein Bruchteil dieser enormen Datenmenge auch zur präzisen Auswertung aufgezeichnet werden. Um eine Reduktion der Rate auf weniger als ein Ereignis in einer Million zu erreichen, ist eine äußerst effiziente und gleichzeitig schnelle Auswahl von interessanten Ereignissen notwendig. Hierbei darf keines der interessanten Ereignisse - die z.B. Kandidaten für dunkle Materie oder auch das Higgsteilchen enthalten - verloren gehen. "Diese Aufgabe gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen", erklärt Professor Tapprogge.

... mehr zu:
»BMBF »Elektroniksystem »Physik

Komplexes Elektroniksystem aus Mainz

Im ATLAS-Experiment wird zur Identifikation der interessanten Ereignisse ein komplexes System von Elektronik und Computern eingesetzt - der so genannte "Trigger". Die Mainzer Gruppe hat hierzu einen wesentlichen Beitrag in der Entwicklung eines komplexen Elektroniksystems geleistet, mit dessen Hilfe in weniger als einer millionstel Sekunde (einer Mikrosekunde) eine Entscheidung getroffen werden kann. Diese Entscheidung muss zudem 40 Millionen mal pro Sekunde statt finden. Das von den Mainzer Physikern entwickelte System ist besonders wichtig für die Erkennung supersymmetrischer Teilchen und hat ausführliche Tests erfolgreich bestanden. Derzeit befindet sich das System im Aufbau und wird in den nächsten Monaten in Betrieb genommen, um so für die Aufzeichnung der ersten Proton-Proton Kollisionen im Jahr 2007 bereit zu sein.

Kontakt und Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Stefan Tapprogge
Institut für Physik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-25610, Fax 06131 39-25169, E-Mail: stefan.tapprogge@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.physik.uni-mainz.de

Weitere Berichte zu: BMBF Elektroniksystem Physik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle
07.12.2016 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Das Universum enthält weniger Materie als gedacht
07.12.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie