Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Astrophysiker begleiten zwei Schwarze Löcher auf dem Weg zur Verschmelzung

06.04.2006


In 325 Millionen Lichtjahren Entfernung hat sich ein ungewöhnliches Paar gefunden: Angezogen von ihren gigantischen Kräften sind zwei Schwarze Löcher unentrinnbar miteinander verbunden und jagen mit einer Geschwindigkeit von 1.200 Kilometern pro Sekunde dahin. Das düstere Schicksal der beiden steht jetzt schon fest: Irgendwann in ferner Zukunft werden die umeinander rotierenden Giganten miteinander verschmelzen. Das haben Wissenschaftler einer Emmy Noether-Gruppe der Universität Bonn mit Hilfe des NASA-Röntgensatelliten CHANDRA herausgefunden. Ihre Ergebnisse werden in der nächsten Ausgabe von "Astronomy & Astrophysics" veröffentlicht.



"Die beiden Schwarzen Löcher im Galaxienhaufen ’Abell 400’ sind bereits seit geraumer Zeit durch die Radiowellen bekannt", erzählt Dr. Thomas Reiprich, Leiter der Emmy Noether-Gruppe, "Mit dem Röntgensatelliten CHANDRA konnten wir jetzt endlich unsere Vermutung beweisen, dass sie durch die Schwerkraft aneinander gefesselt sind und irgendwann verschmelzen werden."

... mehr zu:
»Loch »Temperatur


Vereinigung der Giganten

Der Verschmelzungsprozess der Schwarzen Löcher wird jedoch frühestens in einigen Millionen Jahren stattfinden. Die beiden stehen also erst am Anfang einer langen "Beziehung", die aus drei Phasen besteht: Zunächst entsteht durch die Rotation "dynamische Reibung"; es geht Energie verloren und die beiden Schwarzen Löcher rücken näher aneinander. In der zweiten Phase, dem so genannten "Drei-Körper-Prozess", wird ein Stern angezogen, auf eine hohe Geschwindigkeit gebracht und schließlich wieder "herausgekickt" - er entzieht dem System dabei weitere Energie. Im dritten und letzten Kapitel des Beziehungsdramas schließlich werden starke Gravitationswellen frei, die aus Sicht eines Beobachters die Raumzeit stauchen und strecken: Weitere Energie geht verloren und es kommt zum Verschmelzungsprozess.

Ein Galaxienhaufen besteht aus Galaxien und sehr massivem, heißem Gas, das im Zentrum am dichtesten ist. "CHANDRA misst mit einer bisher unerreichten räumlichen Auflösung die Röntgenstrahlung, die von dem Gas ausgeht. Und diese verrät uns Temperatur, Dichte und Druck des Gases", erklärt der US-Amerikaner Dr. Daniel Hudson, der mit Hilfe von Dr. Reiprich und den amerikanischen Wissenschaftlern Tracy Clark und Craig Sarazin seine Forschungsergebnisse in der kommenden Ausgabe von "Astronomy & Astrophysics" veröffentlicht: Hudson konnte beweisen, dass das Gas relativ zur Bewegungsrichtung der Schwarzen Löcher strömt, ähnlich den Wellen hinter einem Schiff - die Schwarzen Löcher bewegen sich also zusammen in eine Richtung.

Direkt vor den Schwarzen Löchern befindet sich ein so genannter "Hot Spot"; hier ist die Temperatur des Gases am höchsten. "Vergleichen wir die Temperatur im Hot Spot mit der in der sonstigen Umgebung der Schwarzen Löcher, können wir daraus ihre Geschwindigkeit berechnen", erklärt Dr. Hudson. Ergebnis: Die Giganten rasen mit 1.200 Kilometern pro Sekunde durch "Abell 400".

Kontakt:
Dr. Thomas H. Reiprich
Argelander Institut für Anstronomie
Telefon: 0228/73-3642
E-mail: reiprich@astro.uni-bonn.de

Dr. Daniel S. Hudson
Argelander Institut für Astronomie
Telefon: 0228/73-6788
E-mail: dhudson@astro.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Loch Temperatur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Flashmob der Moleküle
19.01.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Verkehrsstau im Nichts
19.01.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie