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Den Weg der Tablette im Körper verfolgen

01.02.2006


Neuartiges pharmazeutisches Messverfahren aus der PTB könnte zur Standardmethode in der Arzneimittelentwicklung werden



Wo und wann wirkt eine Pille im Körper des Patienten? Diese Frage ist für eine Arzneimittelfirma, die ein neues Präparat entwickelt, von entscheidender Bedeutung. Wollte man bisher in klinischen Studien den Weg des Wirkstoffes durch den menschlichen Körper von außen verfolgen, musste man diesen Wirkstoff vorher radioaktiv präparieren. Ein neues Verfahren, das in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), Institut Berlin, entwickelt worden ist, kommt ohne diese radioaktive Belastung der Probanden aus. Es beruht auf hochgenauen Magnetfeldmessungen und soll nun im Rahmen einer Nutzungs- und Kooperationsvereinbarung von der Firma Socratec R&D GmbH, Oberursel, auf seine Tauglichkeit als klinisches Prüfverfahren untersucht werden. Besteht es die Prüfung, dann könnte das Verfahren eines Tages Teil der Arzneimittelzulassungsprüfung werden. Damit ist das Kooperationsprojekt ein Beispiel für äußerst erfolgreichen Technologietransfer von Forschungsergebnissen in die Praxis.

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Bei dem neuen Verfahren werden die Tabletten mit einem zugelassenen Lebensmittelfarbstoff versehen, dessen magnetische Eigenschaften dann in einem starken Magnetfeld aktiviert werden. Nach der Einnahme der Tablette wird der Proband in einen Messraum gebracht, der störende Magnetfelder aus der Umgebung nahezu völlig abschirmt. Das Magnetfeld der Tablette und damit ihr Weg durch den Körper und die Freisetzung ihres Wirkstoffs können nun verfolgt und sichtbar gemacht werden. Mit manchmal erstaunlichen Ergebnissen: So wurde deutlich, dass nicht sachgerecht und in liegender Position eingenommene Tabletten zunächst längere Zeit in der Speiseröhre verbleiben können. Für den pharmazeutischen Anwender ist insbesondere die Verweildauer im Magen und in verschiedenen Darmabschnitten von Interesse.

Das Verfahren soll nun während einer dreijährigen Erprobungsphase in klinischen Phase-1-Studien von der Firma Socratec R&D zu einer Standardmethode in der klinischen Arzneimittelentwicklung weiter entwickelt werden, die als Ergänzung bei der Zulassung von Arzneimitteln anerkannt wird. Die PTB erhofft sich aus dieser Kooperation neue Erkenntnisse, die auch in Zukunft nützlich sein könnten, um auch andere in der PTB entwickelte medizinische Verfahren, etwa zum Schlaganfallmonitoring oder zur EKG-Diagnostik, näher an die Anforderungen der Industrie heranzuführen. Für die Firma Socratec R&D, die sich durch Übernahme eines ehemaligen Mitarbeiters der PTB und weitere Investitionen engagiert, eröffnet sich dadurch die Chance, in diesem Dienstleistungsbereich ein Premium-Anbieter auf dem Weltmarkt zu werden. Dass im Rahmen der Kooperation mit dem magnetisch super-abgeschirmten Raum auch ein PTB-Großgerät einer weiteren Nutzung zugeführt werden kann, rundet diesen erfolgreichen Technologietransfer ab.

Kontakt:
Dr. Bernhard Smandek, Technologietransferbeauftragter der
PTB, Telefon: (05 31) 592-83 03,
E-Mail: bernhard.smandek@ptb.de

Dr. Lutz Trahms,
PTB-Fachbereich Biosignale
Telefon: (030) 34 81-72 13, E-Mail: lutz.trahms@ptb.de

Erika Schow | idw
Weitere Informationen:
http://www.ptb.de/

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