Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dritte Schicht in der Ionosphäre des Planeten Mars entdeckt

02.12.2005


Erste Ergebnisse der europäischen Mars-Mission



Forscher des Instituts für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln wiesen bei der Sondierungen der Marsatmosphäre mit Hilfe von Radiowellen erstmals eine dritte Schicht in der Ionosphäre - einer elektrisch geladenen Schicht in der oberen Atmosphäre - nach, die wahrscheinlich durch Meteoreinfälle in die Marsatmosphäre hervorgerufen wird. Diese dritte Schicht wurde zwar bereits vorhergesagt, war aber bisher noch nie direkt nachgewiesen worden.



Unter der Leitung von Dr. Martin Pätzold untersuchten die Kölner Wissenschaftler mit Hilfe des Radiowellenexperimentes MaRS die Marsatmosphäre während zweier Messkampagnen zwischen April und August 2004 und zwischen Dezember 2004 und Januar 2005. Dafür wurde die so genannte Radiookkultations-Methode verwendet, bei der die Sonde ständig Funksignale Richtung Erde sendet, während das Raumfahrzeug von der Erde aus gesehen hinter dem Planeten verschwindet. Dabei durchquerten die Radiowellen die gesamte Atmosphäre, wodurch die Frequenz der Radiowellen auf ganz charakteristische Weise beeinflusst wurde. Dadurch lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Atmosphäre ziehen.

So entdeckten die Forscher in einer Höhe zwischen 65 bis 110 Kilometern eine weitere Ionosphärenschicht, die sich deutlich unter den beiden bereits bekannten Lagen in jeweils 110 und 135 Kilometern Höhe befand. Bei einer Ionosphäre handelt es sich um einen Atmosphärenbereich mit einer außergewöhnlich hohen Anzahl von freien Elektronen und Ionen. Während aber die zwei bereits bekannten Mars-Ionosphärenschichten durch Sonneneinstrahlung entstehen, welche die Moleküle der Atmosphäre ionisieren, d.h. in Elektronen und Ionen aufspalten, wird die neuentdeckte Schicht wahrscheinlich von Meteore hervorgerufen, welche in die Atmosphäre eintreten und dabei durch die Reibung mit den Atmosphärengasen sich so stark erhitzten, dass Teile des Meteors verdampfen. Die dabei frei werdenden Eisen- und Magnesiumionen bilden die dritte geladene Ionosphärenschicht.

Diese Erklärung wird auch dadurch gestützt, dass sich die dritte Ionosphärenlage offensichtlich nur sporadisch und örtlich begrenzt bildet. Zudem wurde sie an ganz unterschiedlichen Orten beobachtet so am Äquator, auf der Nordhalbkugel und in mittleren südlichen Breiten. Und sie trat auch zu ganz unterschiedlichen Lokalzeiten wie am frühen Morgen und am Nachmittag auf.

Eine durch Meteoreinfälle hervorgerufene Ionosphärenschicht existiert auch auf der Erde, allerdings ist diese im Gegensatz zu ihrem Gegenstück auf dem Mars ständig zu beobachten. Das sporadische Auftreten der Meteorschicht auf dem Mars lässt sich damit erklären, dass die Marsatmosphäre mehr als 100mal dünner ist als die der Erde. Nur Meteore hoher kinetischer Energie erzeugen genügend Hitze in der Marsatmosphäre, um teilweise oder vollständig zu verdampfen, und davon gibt es offensichtlich nicht so viele, um eine dritte Ionosphärenschicht ständig aufrecht zu erhalten.

Mars Express ist die erste europäische Raumfahrtmission zum Mars und wird von der europäischen Raumfahrtagentur ESA geleitet. Die Sonde startete am 2. Juni 2003 vom Raumflughafen Baikonur in Kasachstan, und liefert seit Januar 2004 Messdaten vom roten Planeten. Ziel der Mission ist die globale Kartierung der Planetenoberfläche und die Analyse der Atmosphäre sowie die Suche nach Wasser und eventuell vorhandenen Spuren von Leben. Weitere Informationen unter www.radio-science.de und http://sci.esa.int/home/marsexpress/index.cfm .

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

www.uni-koeln.de/ | idw
Weitere Informationen:
http://sci.esa.int/home/marsexpress/index.cfm
http://www.uni-koeln.de/

Weitere Berichte zu: Ionosphäre Ionosphärenschicht Marsatmosphäre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Erforschung von Elementarteilchen in Materialien
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie

nachricht Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis
16.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau