Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Größtes Experiment der Welt

10.11.2005


In einer unscheinbaren Kleinstadt Argentiniens entsteht das größte wissenschaftliche Experiment, das je gebaut wurde. Es geht um die Frage nach dem Ursprung der höchstenergetischen kosmischen Strahlung. 370 Wissenschaftler und Ingenieure aus 16 Ländern sind an dem 40 Millionen Euro-Projekt beteiligt, aus Deutschland Forscher der Universitäten Aachen, Karlsruhe, Siegen und Wuppertal, dem Forschungszentrum Karlsruhe und dem Max Planck Institut für Radioastronomie in Bonn.



In Malargüe, einer unscheinbaren Kleinstadt im dünn besiedelten Westen Argentiniens, entsteht derzeit das größte wissenschaftliche Experiment, das je gebaut wurde. Es soll helfen, ein seit fast 100 Jahren andauerndes wissenschaftliches Rätsel von fundamentaler Bedeutung zu lösen, nämlich die Frage nach dem Ursprung der höchstenergetischen kosmischen Strahlung. Auf Einladung eines internationalen Wissenschaftlerteam mit dem Nobelpreisträger Prof. James Cronin von der Universität Chicago an der Spitze werden heute und morgen (10./11. November) mehr als 200 Besucher aus über 15 Ländern in Malargüe erwartet. Wissenschaftler, Vertreter von Forschungsministerien und Botschafter vieler Länder wollen im Rahmen eines großen wissenschaftlichen Festaktes den Fortschritt des inzwischen zur Hälfte aufgebauten Observatoriums markieren. Die Ausmaße des Experiments sind gigantisch: Es wird nach Fertigstellung 2007 eine Ausdehnung von 3000 Quadratkilometern erreichen und damit größer sein als das Saarland.



Das internationale Symposium am Donnerstag, 10. November 2005, stellt die Anfänge des Projektes, die Aufbauarbeiten in der Pampa Amarilla und erste wissenschaftliche Ergebnisse dar. Eine Parade unter Beteiligung umliegender Schulen am Samstag ergänzen das Programm.

Benannt ist das Experiment nach dem französischen Physiker Pierre Auger (1899-1993), der 1939 das Phänomen der so genannten ausgedehnten Luftschauer entdeckt hat. Dieses Phänomen benutzen die etwa 370 Wissenschaftler und Ingenieure aus 16 Ländern, um die höchstenergetischen kosmischen Teilchen nachzuweisen. Die Kosten des Aufbaus in Höhe von etwa 40 Millionen Euro teilen sich die beteiligten Länder Frankreich, Italien, die USA, Argentinien und Deutschland, das mit den Universitäten Aachen, Karlsruhe, Siegen und Wuppertal, dem Forschungszentrum Karlsruhe und dem Max Planck Institut für Radioastronomie in Bonn beteiligt ist.

Dr. Thomas Berghöfer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: "Die Pierre Auger Kollaboration ist ein bemerkenswertes Beispiel erfolgreicher internationaler Zusammenarbeit, und wir sind stolz, dass deutsche Wissenschafter eine Schlüsselrolle in diesem Unternehmen spielen können."

Mit dem Observatorium soll insbesondere die Herkunft der höchstenergetischen kosmischen Teilchen geklärt werden. Ihre Energien erreichen Werte, die 100 Millionen mal höher sind, als diejenigen, die ab 2007 am dann größten irdischen Beschleuniger der Welt, dem Large Hadron Collider am europäischen Forschungszentrum CERN in Genf, erreicht werden. Es gibt bisher keinen wissenschaftlichen Konsens über den Ursprung dieser Teilchen. "Da nur einmal pro Quadratkilometer und Jahrhundert ein derart extremes Teilchen erwartet wird, muss dass Observatorium eine enorme Ausdehnung aufweisen. Bei einer Fläche von 3000 Quadratkilometer können wir mit etwa einem Teilchen pro Woche im Experiment rechnen.", erläutert der Wuppertaler Experimentalphysiker Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert. Die fast menschleere Provinz Mendoza in Argentinien ist der ideale Standort hierfür. Sie bietet über 3000 Quadratkilometer Platz und erlaubt ausgedehnte astronomische Beobachtungen. Insgesamt werden 1600 Wassertanks mit jeweils 12000 Litern hochreinem Wasser auf dem Gelände am Rande der Anden verteilt. Kosmische Teilchen erzeugen schwache Leuchtspuren in den lichtdicht abgeschlossenen Wassertanks, die mit hochempfindlichen Lichtsensoren nachgewiesen werden. Gleichzeitig wird die Atmosphäre oberhalb des Geländes in klaren mondlosen Nächten von 24 hochempfindlichen, jeweils 12 Quadratmeter großen Spiegelteleskopen beobachtet, um die Leuchtspuren der Luftschauer in der Atmosphäre nachzuweisen.

"Diese Teilchen sind Boten des extremen Universums", sagt Nobelpreisträger Prof. Cronin: "Sie sind eine großartige Gelegenheit, Entdeckungen von fundamentaler Bedeutung zu machen."

Nach Beendigung der Aufbauarbeiten in Argentinien soll auf der Nordhalbkugel ein gleiches Observatorium entstehen, um die Himmelsabdeckung auf diese Weise zu komplettieren. Als Standort ist Colorado in den USA vorgesehen. Bisher fehlen jedoch noch die Mittel zur Finanzierung des Nord-Observatoriums.

Kontakt:

Prof. Dr. Karl-Heinz Kampert
Bergische Universität Wuppertal
Telefon 0202/439-2856
e-mail kampert@uni-wuppertal.de

Michael Kroemer | idw
Weitere Informationen:
http://www.auger.org/
http://www.auger.org/observatory/2004.html

Weitere Berichte zu: Malargüe Observatorium Quadratkilometer Ursprung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt
26.09.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Internationales Forscherteam entdeckt kohärenten Lichtverstärkungsprozess in Laser-angeregtem Glas
25.09.2017 | Universität Kassel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie