Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das blaue Licht der Andromeda - Sternenscheibe und Schwarzes Loch entdeckt

21.09.2005


Sie sind jung, sie sind heiß, sie sind "Stars" - und werden es trotzdem wohl nie in die Klatschspalten schaffen. Etwa 200 Sterne haben Astronomen jetzt als Quelle eines mysteriösen blauen Lichts im Zentrum unserer Nachbargalaxie Andromeda (M31) identifiziert. Professor Ralf Bender von der Universitäts-Sternwarte der LMU leitete das internationale Team, dem mit Hilfe des NASA/ESA Hubble Space Telescope diese Beobachtungen gelang. Möglich war dies nur Dank speziell entwickelter Technologie. Die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Astrophysical Journal berichteten Ergebnisse bestätigen zudem eine lang gehegte Vermutung: In der Mitte von Andromeda befindet sich ein Monster, ein massives schwarzes Loch. Dank der hohen Auflösung der neuen Bilder können alternative Erklärungen jetzt ausgeschlossen werden.



Das blaue Licht im Zentrum der Andromeda-Galaxie beschäftigt Astronomen seit mehr als einem Jahrzehnt. Wie die Bilder des Hubble Space Teleskops jetzt zeigten, wird es von mehreren Hundert Sternen erzeugt, die sich zu einer Scheibe angeordnet haben. Diese sei in etwa wie ein Pfannkuchen geformt, berichten die Wissenschaftler. Die Sterne wurden vor ca. 200 Millionen Jahren gebildet und erscheinen weißlich-blau. Sie bewegen sich um das Zentrum von Andromeda ähnlich wie die Planeten unseres Sonnensystems. Umgeben sind sie von einem Ring älterer und damit kühlerer Sterne.

... mehr zu:
»Andromeda »Hubble »Space


Die Astronomen konnten auch die Geschwindigkeit der Sterne in der Scheibe bestimmen: Sie bewegen sich mit außerordentlichen 3,6 Millionen Kilometern pro Stunde, also rund 1000 Kilometer pro Sekunde. Diese Geschwindigkeit würde ihnen erlauben, die Erde in 40 Sekunden zu umrunden. Auch der Weg zum Mond wäre nur ein Katzensprung: In nur sechs Minuten wäre der Erdtrabant erreicht.

Fraglich ist nun, wie sich die Sternenscheibe überhaupt bilden konnte. Schließlich rotiert sie um ein supermassives schwarzes Loch. Das hat nach den Berechnungen der Astronomen eine Masse von 140 Millionen Sonnen und ist damit dreimal massiver als zuvor vermutet. Ein schwarzes Loch aber sollte die Ansammlung von Materie in seiner Nähe eigentlich verhindern. "Nachdem wir jetzt das schwarze Loch im Zentrum der Sternenscheibe nachweisen konnten, ist deren Bildung nur sehr schwer zu erklären", so Bender. "Gas, das Sterne formen könnte, muss sich um das schwarze Loch so schnell bewegen - und nahe daran noch schneller als weiter davon entfernt -, dass die Sternenbildung fast unmöglich scheint. Aber die Sterne sind eindeutig da." Die Forscher hoffen nun, dass diese Ergebnisse auch Erkenntnisse über die Aktivitäten in den Zentren weiter entfernter Galaxien liefern. So ist es sehr wahrscheinlich, dass andere zentrale, dunkle Objekte in Galaxien ebenfalls schwarze Löcher sind.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ralf Bender
Universitäts-Sternwarte der LMU
Tel.: 089 / 2180-5999 (Sekr. -6001)
Fax: 089 / 2180-6003
E-Mail: bender@usm.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Andromeda Hubble Space

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Der überraschend schnelle Fall des Felix Baumgartner
14.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Eine blühende Sternentstehungsregion
14.12.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik