Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektronen im "Schneckentempo"

20.07.2005


Die "International Conference on Strongly Correlated Electron Systems" - kurz SCES’05 - findet heuer vom 26.-30. Juli 2005 an der Technischen Universität (TU) Wien statt. Kernthema sind "schwerwiegende", "unentschlossene" Materialien und was sie in Zukunft leisten können.



Ja, ich will - oder doch nicht? Nicht nur bei uns Menschen gibt es entscheidungsfreudigere oder weniger entscheidungsfreudige. Auch bei manchen Materialien - den sogenannten "Schwere-Fermionen" - haben ForscherInnen entdeckt, dass sie sich nahe am absoluten Nullpunkt nicht entscheiden können, ob sie in einen Zustand magnetischer Ordnung übergehen möchten oder ungeordnet bleiben wollen. Ihr "Schneckentempo" gibt ForscherInnen beispielsweise die berechtigte Hoffnung, in Zukunft leistungsfähige Kühlelemente bauen zu können, die keine beweglichen Teile besitzen und sogar Wärme direkt in Elektrizität umwandeln, wie sie etwa bei der Abwärme in Fahrzeugen entsteht. Alles in allem im wahrsten Sinne des Wortes schwerwiegende wissenschaftliche Hoffnungen, auf die PhysikerInnen aus aller Welt setzen und die bei der International Conference on Strongly Correlated Electron Systems (SCES’05) an der TU Wien diskutiert werden.

... mehr zu:
»Elektron »SCES’


Die Rede wird bei der SCES’05 ganz allgemein von Fermi- und nicht-Fermi-Flüssigkeitsphasen, unkonventioneller Supraleitung oder Materialien sein, die eine besondere thermoelektrische Leistungsfähigkeit aufweisen. Der wichtigste mikroskopische Grund für das Auftreten der großenVielfalt von Phänomenen in solchen Systemen liegt darin, dass die wechselwirkenden Elektronen eine wesentlich erhöhte Masse aufzuweisen scheinen. Sie kann bis zu 1000-fach größer sein, als sie Elektronen in einfachen metallischen Systemen besitzen. In Bezug auf die Geschwindigkeit dieser Teilchen bedeutet das, dass ihre Geschwindigkeit substanziell reduziert ist. Die Elektronen als Ladungsträger legen sozusagen einen "Kriechgang" ein und bewegen sich fast im sprichwörtlichen Schneckentempo.

Einen Durchbruch bei diesen Materialien, die auf Grund ihrer hohen effektiven Massen auch "Schwere-Fermionen" genannt werden, stellt die Entdeckung dar, dass sich viele dieser Verbindungen nahe einer magnetischen "Instabiliät" befinden. Sie können sich bis zu den tiefsten Temperaturen, d.h. nahe am absoluten Nullpunkt oder -273,16°C nicht entscheiden, ob sie in einen Zustand magnetischer Ordnung übergehen möchten oder ungeordnet bleiben wollen. Durch Anwendung externer Parameter wie Druck oder Magnetfeld kann die Temperatur, unterhalb der die Substanz magnetisch ordnet, variiert werden. Die ForscherInnen interessiert hier insbesondere der Wert jenes Parameters, bei dem das System erst am absoluten Temperaturnullpunkt ordnet.

Ein derartiger "Quanten"-Phasenübergang unterscheidet sich wesentlich von klassischen Phasenübergängen wie dem Schmelzen von Eis bei 0°C, da er nicht durch thermische Fluktuationen sondern durch Quanten-Fluktuationen getrieben wird. Viele exotische Eigenschaften der Schwere-Fermionen-Verbindungen werden nun auf den Einfluss dieser Quanten-Fluktuationen zurückgeführt.

Es gibt auch Anhaltspunkte dafür, dass in der überaus anwendungsträchtigen Klasse der Hochtemperatur-Supraleiter Quanten-Phasenübergänge eine wesentliche Rolle spielen könnten. Da in diesen Systemen eine sehr robuste Supraleitung die Erforschung vieler grundlegender Phänomene erschwert, dienen Schwere-Fermionen-Systeme hier als geeignete Modellsysteme.

Die Konferenz SCES’05 wird von MitarbeiterInnen des Instituts für Festkörperphysik der TU Wien unter der Leitung von Ernst Bauer veranstaltet, der stolz darauf verweist, dass die SCES’05 Treffpunkt von rund 650 internationalen WissenschafterInnen sein wird, mehr als ein Viertel allein aus Japan, das bekanntlich sehr viel Wert auf die Grundlagenforschung legt, um damit seinen Mangel an natürlichen Ressourcen zu kompensieren versucht. "Dadurch wird das hervorragende wissenschaftliche Niveau der TU Wien, insbesondere des Instituts für Festkörperphysik betont. Es stellt aber auch Österreich als Wissenschaftsstandort und Wien als Kongressstadt ein ausgezeichnetes Zeugnis aus. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung hat selbstverständlich auch wichtige wirtschaftliche Aspekte."

Ein besonderer Höhepunkt der SCES05 wird das Symposium "30 years of heavy fermion physics" am 26. Juli 2005 ab 15:30 Uhr sein, da die Phänomene, die heuer in Wien besprochen werden, erstmals vor 30 Jahren beobachtet wurden. Der Entdecker dieser festkörperphysikalischen Erscheinungen wird auch bei der SCES’05 sprechen.

International Conference on Strongly Correlated Electron Systems - SCES’05
26.-30. Juli 2005
TU Wien, "Freihaus", Wiedner Hauptstraße 8-10, 1040 Wien
Konferenz-Webpage: http://sces05.tuwien.ac.at/7.0.html

Rückfragehinweis:
Ao.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Ernst Bauer
Technische Universität Wien
Institut für Festkörperphysik
Wiedner Hauptstraße 8-10, 1040 Wien
T +43/1/58801-13160, -13144
F +43/1/58801-13199
E bauer@ifp.tuwien.ac.at

Mag. Karin Peter | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuwien.ac.at
http://sces05.tuwien.ac.at/7.0.html

Weitere Berichte zu: Elektron SCES’

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Flashmob der Moleküle
19.01.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Verkehrsstau im Nichts
19.01.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise