Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Saturnmond Enceladus aus nächster Nähe

14.07.2005


Enceladus schwebt über den Saturnringen. Aufgenommen wurde dieses Bild von Cassini am 5. April 2005 aus 2,2 Millionen Kilometer Entfernung (Bild: NASA/JPL/Space Science Institute).


Der Saturnmond Enceladus. Falschfarbenbild erzeugt aus Aufnahmen, die während des zweiten nahen Vorbeiflugs an Enceladus am 9. März 2005 vom Cassini-Raumschiff gemacht wurden (Bild: NASA/JPL/Space Scienc Institute).


Am heutigen Donnerstagabend wird die amerikanische Raumsonde Cassini so nahe wie nie zuvor am Saturnmond Enceladus vorbeifliegen und seine Kameras und Messinstrumente auf den Eismond ausrichten. Um 22.19 Uhr MESZ wird sich der Orbiter, der seit einem Jahr den zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems umrundet, in nur 169 Kilometer Höhe mit einer Geschwindigkeit von 8,17 Kilometer pro Sekunde über die Oberfläche von Enceladus fliegen und anschließend zunächst für drei Stunden Daten zur Erde übertragen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist an Experimenten auf Cassini beteiligt. Nach dem Enceladus-Vorbeiflug wird Cassini außerdem den Mond Epimetheus aus größerer Entfernung untersuchen. Der nächste nahe Vorbeiflug an einem Saturnmond wird am 2. August 2005 stattfinden: Cassini wird dann aus 62.000 Kilometer Entfernung den Trabanten Mimas unter die Lupe nehmen.


Enceladus ist einer der interessantesten der bis heute bekannten 34 Trabanten des Saturns. Mit seinen 505 Kilometer Durchmesser ist er der sechstgrößte der Saturnmonde. Seine aus fast purem Wassereis bestehende Oberfläche reflektiert das Sonnenlicht zu 90 Prozent. Weil auf der Oberfläche von Enceladus deutlich weniger Einschlagskrater als auf den benachbarten Monden zu sehen sind, vermuten die Forscher, dass seine Oberfläche deutlich jünger ist als die mehrere Milliarden Jahre alten Landschaften von beispielsweise Iapetus, Tethys oder Rhea. Dies gab Anlass zu der Vermutung, dass Wasser, vermengt mit weiteren flüchtigen Bestandteilen aus dem Inneren des Mondes, von Zeit zu Zeit nach oben dringt und sich über die Oberfläche ergießt. Bei den sehr niedrigen Temperaturen im äußeren Sonnensystem würden solche Flüssigkeiten sehr schnell zu Eis erstarren – in der Sprache der Geologen spricht man von "Kryovulkanismus". Dies würde erklären, warum kaum ältere Meteoritenkrater auf Enceladus zu sehen sind.

Bei einer ersten Annäherung Cassinis an Enceladus am 9. März 2005 konnten jedoch keine geologischen Strukturen erkannt werden, die auf Eisvulkane schließen lassen. Stattdessen wurde anhand der in unterschiedlicher Häufigkeit verteilten Meteoritenkrater deutlich, dass es auch auf Enceladus sehr alte, schon über eine Milliarde Jahre existierende Landschaften gibt. Der Mond ist außerdem von einem Muster aus linearen, mal mehr und mal weniger gewunden verlaufenden Furchen und Bergrücken überzogen, die durch Spannungen in der Kruste des Mondes entstanden sein dürften. Bemerkenswert war die Entdeckung, dass Enceladus von einer hauchdünnen Atmosphäre aus elektrisch geladenen Wassermolekülen umgeben ist, was die These vom Eisvulkanismus auf dem Saturnmond stützen könnte: Denn zur Aufrechterhaltung der Atmosphäre bedarf es einer permanenten Quelle, aus der die Wassermoleküle der Atmosphäre zugeführt werden.


Die vom heutigen Vorbeiflug erwarteten Bilder werden etwa 150 Mal kleinere Details zeigen als die des ersten Enceladus-Vorbeiflugs von Cassini. Neben Bildern des Kamerasystems sollen vor allem auch Messungen mit dem Spektrometer VIMS (Visual and Infrared Mapping Spectrometer) in den Wellenlängen des sichtbaren Lichts und im nahen Infrarot Aufschluss über die genaue chemische Zusammensetzung von Enceladus geben. Dr. Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung ist Mitglied im Cassini VIMS-Team. "Nachdem das Spektrometer bereits ausgezeichnete chemische Analysen von den anderen Monden, insbesondere von Titan, Iapetus und Phoebe geliefert hat, sind wir im VIMS-Team guter Dinge, nun auch einige wissenschaftliche Rätsel um Enceladus lösen zu können."

Dr. Ralf Jaumann | Helmholtz
Weitere Informationen:
http://www.dlr.de

Weitere Berichte zu: Cassini Enceladus Luft- und Raumfahrt Saturnmond

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Schnell wachsende Galaxien könnten kosmisches Rätsel lösen – zeigen früheste Verschmelzung
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht 3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind
24.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften