Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was kosmischer Staub über Planeten erzählt

25.04.2005


Prof. Alexander Krivov neuer theoretischer Astrophysiker an der Universität Jena



Der Weltraum, das sind nicht allein die vielbeschworenen unendlichen Weiten, sondern vor allem jede Menge Staub. Staub, der sich zusammenballt zu größeren Gebilden, die wiederum auf andere treffen und dabei Staub aufwirbeln. Würde man von außen auf unser Sonnensystem blicken, dann würde man auch unser Zentralgestirn, die Sonne, von einem Staubmantel umgeben sehen. "Trotzdem könnte man anhand der spezifischen Verteilung dieses Staubes darauf schließen, dass zu unserem System mindestens noch zwei Planeten gehören", sagt Prof. Dr. Alexander Krivov. Der Astrophysiker verstärkt mit seiner theoretisch arbeitenden Gruppe nun die "beobachtenden" Kollegen, die am Astrophysikalischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeiten bzw. im zugehörigen Astrostaub-Labor forschen.

... mehr zu:
»Astrophysik »Dynamik »Krivov »Sonnensystem


Erstmals "staubig" wurde es in den Forschungen des russischen Astrophysikers, als er Anfang der 1990er in das damals noch sowjetische Raumsondenprojekt zum Mars eingebunden war. Er berechnete u. a. Wahrscheinlichkeiten, mit denen eine Sonde von extrem schnellen Staubkörnchen verschiedener Größe getroffen und beschädigt werden kann. Die unter einem Millimeter großen Gebilde entwickeln eine verheerende Wirkung. "Sie selbst sind ihrerseits verschiedenen Kräften, wie der Gravitation, der Photonenstrahlung der Sonne und weil sie geladen sind, auch dem Magnetfeld der Planeten ausgesetzt", erklärt Krivov. 2002 hat er seine Habilitation über die Dynamik von interplanetarem Staub angefertigt, nachdem die Galileo-Sonde Datenmaterial geliefert und so die Entdeckung von verschiedenartigen Staubschichten um den Planeten Jupiter ermöglicht hatten. Jetzt kann er seine Erfahrungen auf das Saturn-System anwenden, das seit dem vergangenen Sommer von der Cassini-Sonde untersucht wird.

Derzeit ist der neue Professor der Uni Jena immer noch in ein Forschungsprojekt zu den Staubtori des Mars eingebunden, deren Vorhandensein und Gestalt er aufgrund seiner Berechnungen bereits vorhergesagt hat. Begonnen hat er seine Laufbahn als theoretischer Astrophysiker an der Universität Leningrad (heute St. Petersburg), wo er studierte und 1988 über die von Einstein vorhergesagten rela-tivistischen Effekte auf die Dynamik und Beobachtung von erdnahen Satelliten promovierte. Ein Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung ermöglichte ihm den ersten Forschungsaufenthalt in Deutschland am Max-Planck-Institut für Aeronomie in Niedersachsen (1999-2000). Bevor Krivov den Ruf an die Universi-tät Jena annahm, war er am Institut für Physik der Universität Potsdam tätig.

Seine Erfahrungen, die er zum Staub in unserem Sonnensystem gemacht hat, will er nun auch auf extraterrestrische Sonnensysteme anwenden, deren Entste-hung in Jena erforscht wird. "Von einer dieser fernen Welten landen täglich etwa drei Krümel Staub auch bei uns auf der Erde", weiß Krivov. Wenn ein System um einen jungen Stern herum neu entsteht, so kommt es zu Zusammenballungen von Staub zu größeren Gesteinsklumpen, Planetenvorstufen und letztendlich zu Planeten. Auch später spielt Staub eine entscheidende Rolle. Asteroiden und Kometen versorgen das ferne Planetensystem mit neuem Staub, der sich physikalischen Gesetzen entsprechend um den Hauptstern und die ihn umgebenden Planeten herum anordnet. "Seine Ordnung und Zusammensetzung ist also spezifisch für einen bestimmten Entwicklungsgrad des Systems", sagt Krivov. Deswegen kann seine Staubforschung helfen zu verstehen, wie neue Sonnensysteme entstehen.

Kontakt:
Prof. Dr. Alexander Krivov
Astrophysikalisches Institut und Universitätssternwarte der Universität Jena
Schillergässchen 2/3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947530
E-Mail: krivov@astro.uni-jena.de

www.uni-jena.de/ | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Astrophysik Dynamik Krivov Sonnensystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Ein neues Experiment zum Verständnis der Dunklen Materie
14.06.2018 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

nachricht Quanten-Übertragung auf Knopfdruck
14.06.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics